AJ Lee hat ihre Jahre außerhalb des Wrestlings in einem ungewöhnlich offenen Gespräch neu eingeordnet. Im „Mind Over Mountain“ Podcast von iHeart Women’s Sports beschrieb sie, weshalb sie nach ihrem WWE-Abschied 2015 vollständig auf Abstand ging und wie lange sie ihre bipolare Störung während der aktiven Karriere verborgen hielt.
Nach dem WWE-Abschied schaltete AJ Lee Wrestling vollständig aus
AJ erklärte, sie habe nach dem Ende ihres ersten WWE-Runs überhaupt kein Wrestling mehr verfolgt. Die Branche habe sich für sie wie eine frühere Beziehung angefühlt, mit der sie gebrochen habe. Ihr Herz sei verletzt gewesen, zudem habe sie ihre damalige Umgebung als ungesund erlebt. Deshalb wollte sie weder Shows sehen noch ständig an das Kapitel erinnert werden.
Erst CM Punks Rückkehr brachte sie wieder vor den Bildschirm. Dabei fiel ihr besonders auf, wie stark sich die Darstellung der Frauen verändert hatte. Viele Wrestlerinnen verkörperten nach AJs Eindruck genau jene Vielfalt und Selbstverständlichkeit, für die ihre Generation noch kämpfen musste. Die Freude über diesen Fortschritt wurde in ihrer Erzählung jedoch von einem bitteren Zufall begleitet: Ausgerechnet bei einer der Shows, die sie wieder ansah, verletzte sich Punk. AJ scherzte deshalb, ihr Zuschauen bringe womöglich schlechtes Glück.
Hinter dem humorvollen Kommentar steckt eine lange Entfremdung. AJ war nach ihrem Abschied nicht sofort bereit, die guten Seiten ihrer Laufbahn von den belastenden Erfahrungen zu trennen. Dass sie Jahre später wieder zuschauen und schließlich sogar selbst zurückkehren konnte, beschreibt daher einen größeren inneren Wandel als eine gewöhnliche Ringpause.
Ihre Reaktion auf die heutige Women’s Division spielte dabei eine wichtige Rolle. AJ sah nicht nur mehr Frauen in prominenten Positionen, sondern unterschiedliche Persönlichkeiten, Stile und Lebensgeschichten. Diese Entwicklung vermittelte ihr, dass frühere Forderungen nach mehr Raum tatsächlich Spuren hinterlassen hatten. Das Zuschauen wurde dadurch weniger zu einer Reise zurück in die eigene belastende Vergangenheit und stärker zu einem Blick auf eine veränderte Gegenwart.
Ihre Diagnose hielt sie während der gesamten ersten WWE-Karriere geheim
Besonders persönlich wurde AJ bei ihrer bipolaren Störung. Die Diagnose erhielt sie nach eigener Darstellung ungefähr im Alter von 19 Jahren und damit noch vor ihrer großen Wrestling-Karriere. Während ihrer gesamten damaligen Zeit bei WWE sprach sie darüber jedoch nicht offen. Scham und die damalige Kultur hätten ihr das Gefühl vermittelt, diese Seite von sich verbergen zu müssen.
Die Belastung verschwand dadurch nicht. AJ erinnerte sich an Phasen, in denen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam trainierten, während sie im Auto sitzen blieb. An anderen Tagen zog sie sich in Toilettenkabinen zurück, um unbemerkt zu weinen. Nach außen musste sie dennoch funktionieren und die Erwartungen an eine öffentlich bekannte Performerin erfüllen.
In ihrer Kindheit habe es kaum Zugang zu geeigneter Behandlung gegeben. Auch das Verständnis dafür, was ihre Diagnose praktisch bedeutete, sei begrenzt gewesen. Erst nach ihrem Rückzug aus dem Fernsehen begann sie, verschiedene Therapeuten und Behandlungsformen auszuprobieren. Dieser Weg verlief nicht geradlinig, half ihr aber dabei, eine Sprache für ihre Erkrankung und verlässlichere Strategien im Alltag zu entwickeln.
Offenheit wurde nach der Karriere zu einem Teil ihrer Arbeit
Später verarbeitete AJ ihre Erfahrungen in ihrer Autobiografie und engagierte sich öffentlich für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen. Dabei präsentiert sie ihre Geschichte nicht als vollständig abgeschlossene Heilung. Entscheidend ist für sie vielmehr, Unterstützung anzunehmen, Warnzeichen zu erkennen und schwierige Tage nicht länger geheim halten zu müssen.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar