Im Wrestling werden viele Vorstellungen über die richtige Arbeitsweise von Generation zu Generation weitergegeben. Samoa Joe hat im Gespräch mit SHAK Wrestling mehrere dieser ungeschriebenen Regeln eingeordnet und dabei sowohl über die Darstellung im Ring als auch über den Umgang miteinander hinter den Kulissen gesprochen.
Samoa Joe kritisiert zu auffällige Thigh Slaps
Ein Thema des Interviews waren die sogenannten Thigh Slaps. Dabei schlagen Wrestler mit der Hand gegen den eigenen Oberschenkel, um einem Tritt ein deutlich hörbares Geräusch zu verleihen. Joe bewertete diese Bewegung vor allem danach, ob sie vom Publikum bemerkt wurde: „Wenn die Leute es sehen, sollte man es wahrscheinlich nicht machen“, so seine Meinung.
Der Interviewer griff daraufhin den Gedanken auf, dass die Illusion erhalten bleiben müsse und Zuschauer möglichst nicht erkennen sollten, wie das Geräusch entsteht. Joe stimmte dieser Einordnung ausdrücklich zu. Schon die Tatsache, dass über die sichtbare Ausführung gesprochen werde, empfand er als bedauerlich.
Seine Kritik richtete sich damit gegen eine Umsetzung, bei der der technische Kniff zu offensichtlich wird. Ein grundsätzliches Verbot von Thigh Slaps formulierte er nicht. Entscheidend ist für ihn in dieser Antwort, dass die zusätzliche Handbewegung nicht die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Aktion ablenkt.
Beim Schutz von Finishers lehnt Joe pauschale Vorgaben ab
Auch zur Frage, wie konsequent ein Finisher geschützt werden sollte, vertrat Joe keine starre Position. Gemeint ist die verbreitete Vorstellung, dass eine Abschlussaktion möglichst zuverlässig zum Sieg führen müsse. Entkommt ein Gegner nach einem solchen Treffer immer wieder dem anschließenden Cover, kann die Aktion an Bedeutung verlieren.
Joe hielt es jedoch für zu einfach, daraus eine verbindliche Regel für jeden Wrestler abzuleiten. Nach seiner Einschätzung hängt die passende Vorgehensweise vom jeweiligen Akteur ab. Er habe erfolgreiche Wrestler erlebt, die ihren Finisher sehr konsequent geschützt und dessen Wirkung bestmöglich genutzt hätten. Ebenso kenne er ausgesprochen erfolgreiche Kollegen, die anders damit umgegangen seien.
Deshalb bezeichnete er eine kompromisslose Haltung in dieser Frage als wenig sinnvoll. Statt nur eine bestimmte Philosophie zu vertreten, würde er die tatsächlichen Ergebnisse betrachten: Welche Wrestler wurden mit einem stark geschützten Finisher erfolgreich, und welche erreichten denselben Erfolg ohne diesen Ansatz?
Eine Führungsrolle entsteht für Joe durch Vertrauen
Ausführlicher äußerte sich Joe zum Begriff des „Locker Room Leaders“. Er stellte zunächst klar, dass er eine solche Rolle nicht grundsätzlich ablehne. Problematisch sei vielmehr, wie sie teilweise beschrieben werde.
Eine anerkannte Persönlichkeit in der Umkleide zeichne sich seiner Ansicht nach durch professionelles Verhalten und einen fairen Umgang mit unterschiedlichen Situationen aus. Hinzu komme die Bereitschaft, Entscheidungen zum Wohl der Kollegen und des Unternehmens zu treffen. Auch der gemeinsame wirtschaftliche Erfolg gehöre zu diesen Überlegungen.
Menschen würden einer solchen Person folgen, weil sie deren Wissen schätzten und ihre Meinung ernst nähmen. Für Joe beginnt das mit gegenseitigem Respekt und einem guten Verhältnis zu den anderen Beteiligten. Wenn daraus eine besondere Stellung entstehe, sei diese das Ergebnis der Beziehungen innerhalb der Gruppe.
Einschüchterung ist für Joe keine Grundlage für Führung
Deutlich kritischer bewertete Joe das Bild eines körperlich überlegenen Veteranen, der anderen mit beruflichen Nachteilen droht, wenn sie sich nicht an ungeschriebene Regeln halten. Diese Vorstellung bezeichnete er als eine „lächerliche Ideologie“.
Er selbst sei nie in einer solchen Situation gewesen und habe sich deshalb auch nie unter Druck gesetzt gefühlt. Als im Gespräch der Undertaker angesprochen wurde, unterstrich Joe diese Unterscheidung noch einmal. Seiner Ansicht nach respektierten viele Wrestler den Undertaker als Mensch. Diese Anerkennung beruhe jedoch nicht darauf, dass sie negative Folgen für ihre Karriere befürchteten.
Joe verband seine Vorstellung von Führung somit mit fachlicher Kompetenz, Verlässlichkeit und persönlicher Wertschätzung. Eine besondere Position in der Umkleide ergibt sich für ihn dadurch, dass andere einem Kollegen freiwillig zuhören und dessen Urteil vertrauen.
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