NXT befindet sich seit Monaten im Umbruch. Zahlreiche bekannte Namen haben die Marke verlassen, während neue Talente größere Rollen übernehmen und auch das Kreativteam vor neuen Herausforderungen steht.
Shawn Michaels hat nun erklärt, wie WWE mit dieser Phase umgeht, welche Erwartungen er an aufgestiegene Talente stellt und warum NXT bewusst anders funktionieren soll als Raw oder SmackDown.
Shawn Michaels spricht über außergewöhnlich großen Umbruch bei NXT
Im Gespräch mit „Busted Open“ erklärte Michaels, dass regelmäßige Wechsel zu Raw und SmackDown zum Konzept von NXT gehörten. Eine der wichtigsten Aufgaben der Marke bestehe schließlich darin, zukünftige WWE-Stars auf den nächsten Karriereschritt vorzubereiten.
Der Umfang der jüngsten Veränderungen sei allerdings ungewöhnlich groß gewesen. Michaels könne sich kaum an einen Zeitraum erinnern, in dem NXT innerhalb von rund acht Monaten so viele Wrestler an das Main Roster verloren habe. Zwar sei man auf einen gewissen Neuaufbau vorbereitet, dieses Mal habe die Situation jedoch eine außergewöhnliche Leistung des gesamten Teams verlangt.
Als Beispiel verwies Michaels auf die Entwicklung zwischen dem Great American Bash und Heatwave. Trotz der zahlreichen Veränderungen habe NXT schnell wieder Stabilität und neues Momentum aufgebaut. Dabei hätten auch Cruz Montana, Grayson Waller und Zilla Fatu eine wichtige Rolle gespielt.
Ihre Präsenz habe die Card verstärkt und zugleich den Druck auf die übrigen Männer im NXT-Roster sowie das Kreativteam erhöht. Michaels zeigte sich überzeugt, dass die Talente die zusätzliche Verantwortung verstanden hätten. Gegen Ende 2026 und mit Blick auf 2027 erwartet er, dass NXT wieder vollständig seinen Rhythmus findet.
Tony D’Angelo sollte NXT durch schwierige Phase führen
Im selben Interview sprach Michaels auch über Tony D’Angelo und dessen Rolle während des Umbruchs. Der amtierende NXT Champion sei nach Michaels’ Darstellung bewusst als einer der Wrestler ausgewählt worden, die in dieser Phase besondere Verantwortung übernehmen sollten. Er habe mit D’Angelo auch persönlich über Kritik an dessen Titelregentschaft gesprochen.
Michaels erinnerte den NXT Champion dabei an seine eigene Zeit an der Spitze der damaligen WWF in den 1990er-Jahren. Auch er habe Phasen erlebt, in denen die äußeren Umstände schwierig gewesen seien und nicht jede Entwicklung ausschließlich an der Person des Champions festgemacht werden könne. D’Angelo sei für Michaels und sein Team der richtige Mann gewesen, um die Männer-Division während einer Phase mit zahlreichen Abgängen und neuen Gesichtern zu tragen.
Main Roster gibt offenbar weiterhin Feedback zu früheren NXT-Talenten
Besonders interessant waren Michaels’ Aussagen über ehemalige NXT-Talente. Der WWE Hall of Famer erklärte, dass er weiterhin Rückmeldungen aus dem Main Roster erhalte, in denen unter anderem festgehalten werde, in welchen Bereichen einzelne Wrestler noch Verbesserungspotenzial hätten.
Solche Hinweise versuche sein Team an die betreffenden Talente weiterzugeben. Ein Aufstieg zu Raw oder SmackDown bedeute daher nicht, dass die Verbindung zum Performance Center vollständig ende. Die Trainingsmöglichkeiten stünden weiterhin zur Verfügung, sodass frühere NXT-Wrestler jederzeit zurückkehren könnten, um gezielt an bestimmten Schwächen zu arbeiten.
Nach einem Call-up verlagere sich die Verantwortung jedoch stärker auf die Wrestler selbst. Niemand werde dazu gezwungen, zusätzliche Arbeit zu investieren. Michaels’ Rat lautet deshalb, sich weniger mit anderen zu vergleichen und den Fokus stärker auf die eigene Entwicklung zu richten.
Harte Arbeit garantiert laut Michaels keinen größeren WWE-Push
Dabei sprach Michaels auch einen Punkt an, den er als Realität des Wrestling-Business betrachtet. Es könne immer Wrestler geben, die weniger trainieren oder weniger investieren und trotzdem schneller vorankommen. Harte Arbeit allein garantiere nicht automatisch eine größere Position innerhalb einer Show.
Genau deshalb hält Michaels wenig davon, wenn sich Talente permanent mit ihren Kollegen vergleichen. Seiner Ansicht nach können Wrestler letztlich nur ihre eigene Leistung beeinflussen. Wer sich zu stark darauf konzentriert, welche Chancen andere erhalten, verliert den Blick auf die eigene Weiterentwicklung. Das Performance Center und die Trainer seien bereit, Talente auch nach einem Main Roster-Aufstieg weiter zu unterstützen. Die Initiative müsse jedoch von den Wrestlern selbst kommen.
NXT soll bewusst keine kleinere Version von Raw oder SmackDown sein
Michaels äußerte sich zudem zu seiner kreativen Vorstellung von NXT und stellte klar, dass die Show keine abgeschwächte Version von Raw oder SmackDown sein solle. NXT müsse eine eigene Identität besitzen und sich sowohl beim Aufbau der Shows als auch im Wrestling-Stil unterscheiden.
Als Beispiel verwies Michaels auf seine legendären Matches gegen The Undertaker. Junge Wrestler könnten deren Aufbau zwar studieren und Elemente übernehmen, würden damit aber nicht automatisch dieselben Publikumsreaktionen erzeugen. Michaels und Undertaker hätten damals bereits jahrelange Charakterentwicklung, gemeinsame Geschichte und eine starke Verbindung zu den Zuschauern aufgebaut.
Unerfahrene Talente könnten deshalb nicht einfach lange Pausen oder ruhige Matchphasen kopieren und identische Reaktionen erwarten. Michaels bevorzuge bei ihnen zunächst mehr Action und ein höheres Tempo. Erst mit wachsender Publikumsbindung und einer passenden Storyline könnten emotionale Momente stärker ausgespielt und das Tempo gezielt reduziert werden.
Auch während seiner eigenen Karriere sei Michaels häufig empfohlen worden, langsamer zu wrestlen. In seiner frühen Phase habe er jedoch bewusst ein höheres Tempo gewählt, weil ihm dieser Stil geholfen habe, sich beim Publikum zu etablieren.
Warum NXT laut Michaels einzigartig ist
Für Michaels liegt genau darin eine der Besonderheiten von NXT. Andere Wrestling-Promotions versuchen normalerweise, erfolgreiche Wrestler langfristig aufzubauen und anschließend um diese Namen herum ihre Shows zu strukturieren. NXT verfolgt dagegen ein vollkommen anderes Modell. Sobald ein Talent erfolgreich genug entwickelt wurde, besteht die Möglichkeit, dass es die Marke verlässt und zu Raw oder SmackDown aufsteigt.
NXT baut seine eigenen Stars damit gewissermaßen mit dem Wissen auf, dass deren Erfolg ieines Tageseinen erneuten Neuaufbau erforderlich machen könnte. Michaels bezeichnete diesen Prozess als ständigen Balanceakt zwischen Entwicklung, Unterhaltung und den Anforderungen einer wöchentlichen TV-Show.

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