AJ Styles betrachtet WWEs jüngste Personalentscheidungen mit wachsender Skepsis. Der frühere WWE Champion bezweifelt, dass die Company zahlreiche erfahrene Wrestler innerhalb kurzer Zeit durch jüngere Talente ersetzen kann, und stellt besonders die Abgänge von The New Day und den Motor City Machine Guns infrage.
In einer aktuellen Ausgabe von „The AJ Styles Show“ sprach Styles mit Co-Host Tony Giles über die umfangreiche Entlassungswelle vom April 2026. Dabei ging er unter anderem auf Kairi Sane, Santos Escobar, Aleister Black, Zelina Vega und die Wyatt Sicks ein, bevor er die grundsätzliche Ausrichtung des WWE-Rosters thematisierte.
Styles erkennt eine neue personelle Ausrichtung bei WWE
Nach Einschätzung von Styles deuten die zahlreichen Abgänge darauf hin, dass WWE künftig verstärkt auf jüngere Wrestler setzen möchte. Grundsätzlich habe er nichts dagegen, neuen Talenten größere Chancen einzuräumen. Problematisch könne es jedoch werden, wenn die Company gleichzeitig zu viele langjährige und erfahrene Performer verliere.
Erfahrung im Wrestling lasse sich nicht allein durch Athletik oder technische Fähigkeiten ersetzen. Nur wenigen Wrestlern gelinge es, innerhalb von zwei oder drei Jahren sämtliche Anforderungen zu verstehen, die mit einer Position an der Spitze einer großen Promotion verbunden seien.
Dazu gehörten neben den Leistungen im Ring auch Matchpsychologie, Timing, Charakterarbeit und das Verständnis dafür, wie ein Wrestler als glaubwürdiger Topstar auftreten müsse. Styles zeigte sich deshalb unsicher, ob WWEs aktueller Kurs langfristig funktionieren werde, sollte die Company weiterhin zahlreiche etablierte Namen gleichzeitig verlieren.
Das schnelle Ende der Wyatt Sicks sorgt für Unverständnis
Besonders verwundert zeigte sich Styles über den Umgang mit den Wyatt Sicks. Die Gruppierung um Bo Dallas, Erick Rowan, Joe Gacy, Dexter Lumis und Nikki Cross war mit einer auffälligen Präsentation und deutlichen Verbindungen zum verstorbenen Bray Wyatt gestartet.
Aus Sicht des früheren WWE Champions verfügte die Gruppierung zu Beginn über zahlreiche vielversprechende Elemente. Die Musik, die düstere Inszenierung und die Verbindung zu Wyatts Vermächtnis hätten den Wyatt Sicks eine besondere Identität verliehen.
Umso weniger könne er nachvollziehen, weshalb die anfängliche Dynamik so schnell verloren gegangen und das Konzept schließlich nicht mehr weiterverfolgt wordensei. Styles machte jedoch deutlich, keine internen Kenntnisse über die Gründe für das Scheitern der Gruppierung zu verfügen.
Styles stellt die Abgänge zweier erfahrener Tag Teams infrage
Besonders deutlich fiel seine Reaktion auf die Abschiede von The New Day und den Motor City Machine Guns aus. Mit Kofi Kingston und Xavier Woods verbindet Styles eine langjährige Freundschaft, während er Alex Shelley und Chris Sabin bereits aus seiner gemeinsamen Zeit bei TNA kennt.
Styles räumte offen ein, bei seiner Bewertung aufgrund dieser persönlichen Beziehungen nicht vollkommen unvoreingenommen zu sein. Dennoch bezweifelt er, dass WWE mit der Trennung von beiden Teams die richtige Entscheidung getroffen hat.
Kingston, Woods, Shelley und Sabin seien nicht nur Teil zweier erfahrener und eingespielter Tag Teams. Alle vier könnten ebenso als Singles Wrestler eingesetzt werden und verfügten über Fähigkeiten, die für jede andere Promotion eine deutliche Bereicherung darstellten.
Styles erwartet deshalb, dass The New Day und die Motor City Machine Guns auch außerhalb von WWE erfolgreich sein werden. Eine andere Company habe durch die Entscheidungen von WWE nicht nur vier starke Wrestler erhalten, sondern zugleich jahrzehntelange Erfahrung und zwei Teams mit bewährter Chemie.
Bei den Motor City Machine Guns hat sich die Frage nach ihrer nächsten Station inzwischen beantwortet. Shelley und Sabin debütierten am 30. Juli 2026 bei AEW Collision in ihrer Heimatstadt Detroit und bestätigten dort, fortan zur Promotion zu gehören. Für Kingston und Woods war zuletzt noch kein neues Unternehmen offiziell bestätigt worden.
Matchpsychologie lässt sich nicht kurzfristig ersetzen
Als größten Wert der vier Wrestler hob Styles deren Verständnis für den Aufbau und die Dramaturgie von Matches hervor. Besonders im Tag-Team-Wrestling hätten Shelley, Sabin, Kingston und Woods ihre Fähigkeiten über viele Jahre hinweg perfektioniert.
Diese Erfahrung könne nicht kurzfristig durch jüngere Athleten ersetzt werden. Wrestler müssten nicht nur Aktionen sicher ausführen, sondern ebenso verstehen, wann bestimmte Momente eingesetzt werden und wie ein Match aufgebaut werden müsse, damit das Publikum emotional mitgerissen werde.
Gerade dieses Wissen mache langjährige Wrestler auch hinter den Kulissen wertvoll. Sie könnten jüngere Talente unterstützen und Erfahrungen weitergeben, die sich nicht allein im Training oder durch wenige Jahre im Ring erwerben ließen.
Styles geht davon aus, dass alle vier Wrestler unabhängig von ihrem nächsten Arbeitgeber Aufmerksamkeit erhalten und sich erfolgreich behaupten werden. Besonders bei Shelley und Sabin dürfte sich nun zeigen, welche Rolle AEW für das erfahrene Tag Team vorgesehen hat.
Kairi Sanes Abgang überrascht Styles
Auch die Trennung von Kairi Sane hatte Styles nach eigener Aussage nicht erwartet. Als mögliche Erklärung brachte er ihre familiäre Situation und die große Entfernung zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ins Gespräch.
Dabei handelte es sich jedoch ausdrücklich um eine persönliche Vermutung. Styles erklärte, die genauen Hintergründe ihres WWE-Abschieds nicht zu kennen. Er könne sich vorstellen, dass Sane mehr Zeit in ihrer Heimat verbringen wolle, nachdem sie bereits während ihrer ersten WWE-Zeit mit der Trennung von ihrer Familie umgehen musste.
Ein Ende ihrer Wrestlingkarriere erwartet Styles dennoch nicht. Sane könne zu dem Schluss gekommen sein, ihre wichtigsten Ziele bei WWE erreicht zu haben, ohne deshalb dauerhaft aus dem Ring verschwinden zu wollen.
Kairi Sane ist inzwischen Free Agent und soll bereits das Interesse mehrerer Unternehmen geweckt haben. Eine neue Verpflichtung wurde bislang jedoch nicht offiziell bekannt gegeben.
Styles erwartet weitere Möglichkeiten für Santos Escobar
Bei Santos Escobar zeigte sich Styles ebenfalls verwundert über die Entscheidung von WWE. Er hält den früheren Anführer von Legado del Fantasma für einen außergewöhnlich talentierten Wrestler, der sowohl durch seine Leistungen als auch durch seine äußere Präsentation überzeugen könne.
Styles rechnet deshalb nicht damit, dass Escobar lange ohne eine größere Bühne bleiben wird. Als mögliche Ziele brachte er unter anderem AEW und CMLL ins Gespräch. Besonders im mexikanischen Wrestling könne Escobar nach seiner Zeit bei WWE erneut eine wichtige Rolle einnehmen.
Für eine mögliche Zusammenarbeit mit CMLL gibt es einen konkreten Hintergrund. Die mexikanische Promotion soll bereits vor Escobars letzter Vertragsverlängerung bei WWE Interesse an einer Verpflichtung gezeigt haben. Nach seinem Abschied wurde erwartet, dass entsprechende Gespräche erneut aufgenommen werden könnten.
Escobar kündigte für den nächsten Abschnitt seiner Karriere außerdem den Ringnamen Romeo Malverde an. Eine feste Verpflichtung durch AEW, CMLL oder AAA wurde bisher jedoch nicht bestätigt.
