Chris Jericho denkt auch mit 55 Jahren bisher nicht daran, einen festen Termin für das Ende seiner Wrestlingkarriere festzulegen. Der AEW-Star räumt zwar ein, seine aktive Laufbahn nicht unbegrenzt fortsetzen zu wollen, sieht derzeit jedoch keinen Grund für einen kurzfristigen Abschied.
Im ausführlichen Gespräch mit Beef Vegan bei Rock 102.1 KFMA sprach Jericho nicht nur über seine Zukunft im Ring. Auch seine Familie und seine zweite große Karriere mit Fozzy kamen zur Sprache. Dabei wurde deutlich, dass der langjährige Wrestler sein weiteres Leben nicht anhand eines festgelegten Zeitplans organisieren möchte.
Jericho setzt sich keine Frist für sein Karriereende
Auf die Frage, wie lange er noch wrestlen möchte, erklärte Jericho, dass er darüber nicht in Form einer bestimmten Zahl nachdenke. Dass er mit 55 Jahren noch regelmäßig im Ring stehen würde, habe er früher selbst nicht erwartet. Gleichzeitig empfinde er sein Alter heute nicht als Grund, automatisch aufzuhören.
Als aktuelles Beispiel verwies Jericho auf sein No Holds Barred Match gegen Tommaso Ciampa bei AEW Redemption. Die Begegnung sei zwar extrem ausgefallen, habe beim Publikum jedoch eine der stärksten Reaktionen der Veranstaltung ausgelöst. Solange er also noch in der Lage sei, solche Matches zu bestreiten, und selbst Freude daran habe, erschließe sich ihm nicht, weshalb er allein aufgrund seines Alters zurücktreten sollte.
Jericho lässt deshalb bewusst sämtliche Möglichkeiten offen. Sein Karriereende könne theoretisch kurzfristig kommen. Ebenso könne er sich jedoch vorstellen, noch zwei oder drei Jahre aktiv zu bleiben. Entscheidend seien für ihn andere Faktoren: Er müsse mit seiner eigenen Arbeit zufrieden sein, dürfe nicht beginnen, seine Leistungen ständig infrage zu stellen, und müsse weiterhin das Gefühl besitzen, dem Publikum etwas bieten zu können.
Kritik an seinem Alter beeinflusst ihn nicht
Dass ein Teil der Wrestlingfans seit einiger Zeit seinen Rücktritt fordert, ist Jericho bewusst. Während seiner vorherigen AEW-Phase waren entsprechende Reaktionen sogar Bestandteil der Shows geworden. Jericho betrachtet diese Kritik jedoch nicht als Maßstab für seine Entscheidung.
Wer lange genug im Showgeschäft tätig sei, werde zwangsläufig eines Tages mit Menschen konfrontiert, die einen nicht mehr sehen wollten. Für ihn sei das kein Phänomen, das ausschließlich Wrestling betreffe.
Als Vergleich zieht Jericho seit Jahren immer wieder Bands und Musiker heran. Besonders The Rolling Stones dienen ihm als Beispiel dafür, dass Künstler ihre Karriere nicht deshalb beenden müssen, weil Außenstehende sie irgendwann für zu alt halten.
Die entscheidende Frage sei vielmehr, ob die eigene Arbeit weiterhin den persönlichen Ansprüchen entspreche und kreative Befriedigung bringe. Diese Einstellung prägt auch Jerichos Tätigkeiten außerhalb des Wrestlings.
Reduzierter AEW-Zeitplan verändert die Belastung
Nach seinem Match gegen Ciampa erklärte Jericho außerdem, körperlich zwar angeschlagen, aber nicht ernsthaft verletzt zu sein. Schmerzen nach einem solchen Match empfinde er inzwischen als normalen Bestandteil seines Berufs. Entscheidend sei für ihn, dass es sich lediglich um die übliche Belastung nach einem intensiven Auftritt handle und nicht um Beschwerden, die eine medizinische Behandlung erforderlich machten. Dabei profitiert Jericho von seinem heutigen Zeitplan.
In früheren Phasen seiner Karriere absolvierte er teilweise weit über hundert Matches pro Jahr und war nahezu ständig unterwegs. Diese Belastung besteht mittlerweile nicht mehr. Zwischen seinen heutigen AEW-Matches liegen deutlich längere Abstände. Jericho kann diese Zeit nutzen, um sich körperlich zu regenerieren, bevor die nächste größere Begegnung ansteht. Dieser Rhythmus könnte letztlich auch dazu beitragen, dass seine Karriere länger dauert, als er selbst früher erwartet hatte.
Seine Kinder sollen ihren eigenen Weg gehen
Während Jericho selbst Wrestling und Musik seit Jahrzehnten miteinander verbindet, zeichnet sich bei seinen drei Kindern bislang keine ähnliche Karriere ab. Jericho erklärte im Beef-Vegan-Interview, dass keines seiner Kinder momentan ernsthafte Ambitionen verfolge, selbst ins Wrestling oder ins Musikgeschäft einzusteigen.
Am nächsten an der Unterhaltungsbranche befinde sich derzeit seine Tochter Sierra, die sich für Werbung und Marketing interessiere. Damit könnte sie zwar beruflich mit Menschen aus dem Showgeschäft arbeiten, würde jedoch nicht zwangsläufig selbst vor einem Publikum stehen. Jericho sieht darin kein Problem.
Er möchte seinen Kindern nach eigener Darstellung nicht vorgeben, welchem Beruf sie nachgehen sollen. Entscheidend sei vielmehr, dass sie etwas finden, für das sie selbst Leidenschaft entwickeln. Dabei greift Jericho auch auf seine eigene Familiengeschichte zurück.
Sein Vater Ted Irvine war professioneller Eishockeyspieler. Dadurch sei bei Jericho selbst früher durchaus ein gewisser Erwartungsdruck entstanden, ebenfalls diesen Weg einzuschlagen. Jericho erkannte jedoch, dass seine eigenen Stärken und Interessen woanders lagen. Statt einer Karriere im Eishockey entschied er sich für professionelles Wrestling und später zusätzlich für die Musik. Seinen Kindern möchte er deshalb dieselbe Freiheit ermöglichen.
Dass sie bislang weder Wrestling noch Rockmusik als Beruf gewählt haben, enttäusche ihn nicht. Beide Branchen seien schwierig und verlangten enorme persönliche Opfer. Sollte sich eines seiner Kinder später doch dafür entscheiden, würde er dies unterstützen. Ebenso könne er vollkommen damit leben, wenn sämtliche Kinder andere Wege einschlagen.
Auch Fozzy verändert die langfristige Strategie
Jerichos eigene Musikkarriere ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Im selben Interview sprach er über die Zukunft von Fozzy und eine Veränderung, die sich bereits seit einiger Zeit abzeichnet. Die Band entfernt sich zunehmend vom klassischen Albumformat.
Fozzys bislang letztes vollständiges Studioalbum „Boombox“ erschien 2022. Seitdem veröffentlichte die Gruppe neue Musik hauptsächlich als einzelne Songs. Dazu gehörten unter anderem „Spotlight“, „Fall In Line“ und zuletzt „I Know Evil“.
Jericho sieht darin Vorteile. Bei einem traditionellen Album würden zahlreiche Songs gleichzeitig veröffentlicht, obwohl anschließend häufig nur wenige davon als Singles ausgekoppelt oder dauerhaft bei Konzerten gespielt würden. Durch einzelne Veröffentlichungen könne dagegen jeder Song für sich selbst stehen und entsprechend beworben werden.
Die Entwicklung ist inzwischen auch anhand der Veröffentlichungen der Band erkennbar. Nach „Boombox“ folgte bislang kein neues vollständiges Studioalbum, während Fozzy kontinuierlich neue Singles herausbrachte. „I Know Evil“ erschien Ende April 2026 und stellt derzeit die jüngste reguläre Veröffentlichung der Band dar.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar