Stevie Richards hat in seiner „The Stevie Richards Show“ deutliche Kritik an der Vertragspraxis der WWE geäußert. Im Mittelpunkt standen dabei der Status der WWE-Wrestler als sogenannte selbstständige Auftragnehmer („Independent Contractors“) sowie die 90-tägige Konkurrenzklausel, die nach einer Entlassung oder Vertragsauflösung greift. Richards machte klar, dass er beide Regelungen für problematisch hält und sparte dabei nicht mit deutlichen Worten.
Richards: WWE-Wrestler sind keine echten Selbstständigen
Richards ist der Ansicht, dass die Bezeichnung „Independent Contractor” nicht der Realität entspricht. Er erklärte, dass es zahlreiche rechtliche Kriterien gebe, die erfüllt sein müssten, damit jemand als Selbstständiger gelte.
Von insgesamt 19 dieser Kriterien würden WWE-Wrestler seiner Einschätzung nach lediglich zwei oder drei teilweise erfüllen. Das Verhältnis zwischen WWE und ihren Talenten sei deshalb in Wahrheit deutlich näher an einem klassischen Arbeitsverhältnis als an einer selbstständigen Tätigkeit.
Zur Begründung führte Richards an, dass WWE ihren Wrestlern in nahezu allen Bereichen klare Vorgaben mache. Ihnen werde vorgeschrieben, wann sie zu erscheinen hätten, wann sie arbeiten müssten, wie sie sich zu kleiden hätten und zunehmend auch, wie ihre Matches aufgebaut und durchgeführt werden sollten.
Dabei gehe es nicht nur um das Endergebnis eines Matches, sondern teilweise um den kompletten Ablauf im Ring. Für Richards sind das typische Merkmale eines Arbeitgebers, der seinen Angestellten genaue Anweisungen erteilt.
Als weiteres Beispiel nannte er die fehlende berufliche Freiheit der Wrestler. Ein echter Selbstständiger könne nach Abschluss eines Auftrags sofort den nächsten Kunden annehmen. Ein Handwerker könne beispielsweise am Montag einen Auftrag beenden und bereits am Mittwoch für einen anderen Kunden arbeiten.
Ein WWE-Wrestler könne das nach einer Vertragsbeendigung oder Entlassung jedoch häufig nicht, weil er zunächst an die vertraglichen Regelungen gebunden sei. Genau dieser Umstand widerspreche nach Ansicht von Richards dem Grundgedanken einer selbstständigen Tätigkeit.
90-Tage-Klausel dient laut Richards vor allem der WWE
Besonders scharf kritisierte Richards die 90-tägige Konkurrenzklausel. Diese Regelung verhindert, dass entlassene WWE-Talente unmittelbar nach ihrem Ausscheiden für eine konkurrierende Wrestling-Promotion auftreten können.
Während dieser Zeit erhalten die Wrestler zwar weiterhin ihr vertraglich vereinbartes Gehalt, doch Richards sieht darin kein großzügiges Entgegenkommen seitens der WWE.
Aus seiner Sicht verfolgt die Klausel vor allem einen strategischen Zweck. Sie verschafft der WWE genügend Zeit, damit das öffentliche Interesse an der entlassenen Person nachlässt. Wenn ein Wrestler schließlich nach Ablauf der 90 Tage bei einer anderen Promotion debütiert, ist der Überraschungseffekt deutlich geringer und viele Schlagzeilen sind längst wieder verschwunden.
Dadurch verliere der Wechsel einen erheblichen Teil seines medialen Wertes und der Wrestler wichtige Aufmerksamkeit sowie Momentum. Dass WWE während dieser Zeit weiterhin das Gehalt zahle, ändere für Richards nichts daran, dass der eigentliche Schaden bereits entstanden sei.
Richards fordert die komplette Abschaffung der Regelung
Richards machte deutlich, dass er keine Überarbeitung oder Verkürzung der Konkurrenzklausel fordert. Seiner Meinung nach sollte sie vollständig abgeschafft werden.
Sobald sich ein Unternehmen dazu entscheide, einen Wrestler zu entlassen, verliere es gleichzeitig auch das Recht, dessen weitere berufliche Zukunft zu kontrollieren. Ob der Wrestler während der 90 Tage weiterhin bezahlt werde, spiele dabei für ihn keine entscheidende Rolle.
Zwar nannte Richards in seiner Kritik keine konkreten Namen, doch seine Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere bekannte WWE-Stars das Unternehmen verlassen haben oder entlassen wurden. Z
Zuletzt sorgten unter anderem Sheamus sowie die Mitglieder von The New Day für Schlagzeilen. In all diesen Fällen spielte die 90-tägige Konkurrenzklausel eine Rolle, weshalb Richards‘ Aussagen im aktuellen Kontext besondere Aufmerksamkeit erhalten.

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