Öffentlich eingereichte Gerichtsunterlagen aus der laufenden Aktionärsklage gegen die WWE-Fusion gewähren erstmals konkrete Einblicke in die Vergütungsstruktur des Unternehmens. Die Dokumente wurden ursprünglich für eine WWE-Vorstandssitzung Anfang 2023 erstellt und waren als vertraulich eingestuft. Was sie zeigen, wirft Fragen auf, die in der Wrestling-Community seit Jahren diskutiert werden.
15 Prozent des Umsatzes für alle Talente
Dem Material zufolge wendete die WWE im Jahr 2022 insgesamt 195 Millionen Dollar für Talente auf. Bei einem Gesamtumsatz von 1,29 Milliarden Dollar in jenem Jahr entspricht das einem Anteil von rund 15 Prozent. Die Unterlagen deuten darauf hin, dass die WWE diesen Anteil langfristig stabil halten möchte: Eine Folie gibt an, dass auch bis 2028 voraussichtlich etwa 15 Prozent des Umsatzes für die Vergütung der Talente aufgewendet werden sollen.
Durchschnittlich 1,5 Millionen Dollar pro Hauptkader-Talent
Für die rund 130 Wrestler im Main Roster wurden 2022 insgesamt 175 Millionen Dollar aufgewendet, für 2023 wurde ein Anstieg auf 195 Millionen Dollar erwartet. Daraus ergibt sich ein Durchschnittswert von rund 1,5 Millionen Dollar pro Talent. Dieser Wert hatte sich zwischen 2020 und 2022 nahezu verdoppelt, was die Unterlagen unter anderem auf Bieterwettbewerbe durch AEW zurückführen.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich dabei um einen Durchschnitt handelt, der durch die Spitzengehälter weniger Top-Stars erheblich verzerrt sein kann. Der Median dürfte deutlich niedriger liegen.
Konkrete Vertragsverlängerungen bekannter Namen
Die Unterlagen enthalten keine vollständige Gehaltsliste, geben aber Hinweise auf konkrete Vertragsverlängerungen. Roman Reigns, Bray Wyatt, Logan Paul, Cody Rhodes und Braun Strowman erhielten Verlängerungen im Gesamtwert von 15 Millionen Dollar. Brock Lesnars Verlängerung belief sich auf 4 Millionen Dollar. Bianca Belair, die Street Profits, Rhea Ripley, Asuka und Baron Corbin erhielten jährliche Erhöhungen im Gesamtwert von 2 Millionen Dollar.
Nachwuchs und Prominente in eigenen Kategorien
Die Vergütungsstruktur wird in drei Kategorien aufgeschlüsselt. Im Nachwuchsbereich wurden 2022 bei rund 150 Talenten insgesamt 14 Millionen Dollar aufgewendet, was einem Durchschnitt von etwa 107.000 Dollar pro Talent entspricht. Die Ausgaben für Prominente als gesonderte Kategorie sanken von 6 Millionen Dollar im Jahr 2022 auf geplante 3 Millionen Dollar 2023, da Logan Paul aus dieser Kategorie in den Hauptkader wechselte.
Deutlicher Abstand zu klassischen Sportligen
Der Vergleich mit anderen Sportligen macht das Ausmaß der Differenz sichtbar. NFL, NBA, MLB und NHL zahlen ihren Spielern laut geltenden Tarifverträgen rund 50 Prozent der Einnahmen. Die WNBA einigte sich zuletzt auf eine Umsatzbeteiligung von 20 Prozent. Die UFC liegt bei rund 16,8 Prozent. Die WWE liegt mit 15 Prozent am unteren Ende dieser Skala.
Keine Gewerkschaft, keine Tarifverhandlungen
Ein wesentlicher struktureller Unterschied zu klassischen Sportligen besteht darin, dass WWE-Talente als unabhängige Auftragnehmer eingestuft werden und keine Spielergewerkschaft haben, die Tarifverhandlungen führen könnte. Zudem tragen sie einen Teil ihrer Reisekosten selbst, wobei Flugreisen davon ausgenommen sind. Dadurch können die ausgewiesenen Bruttovergütungen den tatsächlich verbleibenden Verdienst tendenziell höher erscheinen lassen.
AEW zum Vergleich
Aus einer eidesstattlichen Erklärung im Rahmen einer anderen laufenden Klage geht hervor, dass AEW über einen Zeitraum von rund zwei Jahren 60 Millionen Dollar für insgesamt 290 Personen aufwendete, darunter sowohl Wrestler als auch Nicht-Wrestler. Ein direkter Vergleich mit den WWE-Zahlen ist aufgrund der unterschiedlichen Zeiträume und Berechnungsgrundlagen nur eingeschränkt möglich.
Steigende Talentkosten trotz allem
Die Unterlagen bilden nur einen historischen Ausschnitt ab. TKO hat in seinen vierteljährlichen Berichten zuletzt wiederholt auf „höhere Talentkosten“ als relevanten Kostenfaktor hingewiesen, zuletzt noch im Ergebnisbericht zum Jahresende 2025. Die absolute Vergütung der WWE-Talente dürfte seitdem weiter gestiegen sein, auch wenn der prozentuale Anteil am Gesamtumsatz offenbar stabil gehalten werden soll.
Zahlen mit Signalwirkung
Die veröffentlichten Unterlagen liefern erstmals eine konkrete Grundlage für eine Debatte, die in der Wrestling-Community seit Jahren geführt wird: Wie fair werden WWE-Talente im Verhältnis zum Unternehmenserfolg entlohnt? Die Antwort, die die Dokumente implizieren, fällt je nach Vergleichsmaßstab unterschiedlich aus.
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