TKO-Chef Mark Shapiro offen zur WWE-Strategie: Fan-Frustration eingeräumt, Wachstum betont und Prominenten-Auftritte verteidigt

TKO-Chef Mark Shapiro spricht über das Geschäft

TKO-Präsident Mark Shapiro hat sich in einer Fragerunde mit Studenten der University of Alabama so offen wie selten zuvor zur Strategie des Unternehmens geäußert. Seine Aussagen liefern einen der klarsten Einblicke in die Denkweise hinter der aktuellen WWE-Ausrichtung, einschließlich des Eingeständnisses, dass das aggressive Wachstum nicht alle Fans überzeugt.

TKO hat die volle Kontrolle über die WWE

Eine der eindeutigsten Aussagen der Fragerunde betraf die Machtstruktur hinter der WWE. Auf die Frage, ob TKO tatsächlich Einfluss auf kreative Entscheidungen habe, ließ Shapiro keinen Zweifel aufkommen: „Ich werde Ihnen das mal kurz erklären. Zunächst einmal haben wir die volle Kontrolle, also tragen wir die Verantwortung.“

Er erläuterte, dass die Transparenz der WWE seit dem Börsengang unter Vince McMahon deutlich gestiegen sei und mit der Entstehung von TKO durch die Fusion mit der UFC nochmals zugenommen habe.

Shapiro beschrieb, wie das Unternehmen lange Zeit nach außen hin eine Art Blackbox gewesen sei. Die Stärke der Marke und die Größe der Fangemeinde seien zwar allgemein bekannt gewesen, doch die konkreten Mechanismen des Geschäfts und die tatsächlichen Umsatzzahlen seien der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben. Erst der Börsengang habe diesen Schleier gelüftet und erstmals belastbare Einblicke in die wirtschaftliche Seite der WWE ermöglicht.

Mit der anschließenden Fusion von UFC und WWE unter dem gemeinsamen Dach von TKO habe sich dieser Transparenzgrad nochmals erhöht, da das neue Unternehmen den Berichtspflichten eines börsennotierten Konzerns unterliege.

Zuschauerzahlen sollen sich verdreifacht haben

Auf Kritik an der Multi-Plattform-Strategie reagierte Shapiro mit Zahlen. Er verwies auf das massive Wachstum seit der Fusion und hob dabei besonders den Netflix-Deal als entscheidenden Wendepunkt hervor: „Die WWE ist in jeder Hinsicht gewachsen. Die Finanzergebnisse steigen, aber was noch wichtiger ist: Die Zuschauerzahlen sind gestiegen, die Präsenz in den sozialen Medien hat zugenommen, es gibt immer mehr Stars, die Klickzahlen, Aufrufe und die Zahl der Kurzvideos steigen. Ich meine, das Ganze ist regelrecht explodiert.

Shapiro führte das Wachstum der Zuschauerzahlen vor allem auf den Wechsel der Übertragungsrechte zurück. Zuvor sei Raw in den USA ausschließlich über den Streaming-Dienst Peacock abrufbar gewesen, was die potenzielle Reichweite naturgemäß auf die dortige Abonnentenbasis begrenzt habe. Mit dem neuen Medienvertrag, der Raw auf Netflix überführte, habe sich diese Ausgangslage grundlegend verändert. Durch die deutlich größere globale Nutzerbasis von Netflix habe sich die Zuschauerzahl der Sendung seitdem nach Shapiros Angaben auf das Dreifache erhöht.

Als weitere Bausteine der Reichweitenstrategie nannte Shapiro SmackDown auf dem USA Network sowie den Wechsel von NXT zum Sender The CW: „Wir strahlen ‚SmackDown‘, unsere Freitags-Show, auf USA Network aus und unsere Nachwuchsliga ‚NXT‘ auf CW, das 100 Millionen Haushalte erreicht. Das hat ‚NXT‘ wirklich groß gemacht.“

Wachstum bedeutet auch: Manche Fans werden verprellt

Shapiro räumte offen ein, dass die Expansionsstrategie nicht ohne Kollateralschäden vonstattengeht. Auf die zunehmende Fan-Frustration über die Verteilung der WWE-Inhalte auf mehrere kostenpflichtige Plattformen antwortete er ehrlich: „Wir geben viel mehr Geld aus, um die Marke und die Inhalte zu vermarkten … und wenn man das tut, gewinnt man zwar einige Leute für sich, vertreibt aber auch andere.“

Zum Thema Mehrfach-Abonnements zog er einen Vergleich mit der Baseball-Übertragungslage in den USA und verwies auf die gesamte Unterhaltungsbranche: „Man kann sich wirklich schnell Feinde machen … Wenn man sich die Spiele der Yankees in diesem Jahr ansehen will – die gesamte Saison bis hin zu den Playoffs –, muss man sie auf zehn verschiedenen Plattformen verfolgen. Das kostet insgesamt 1.000 Dollar, wenn man alles zusammenrechnet, was man kaufen muss, um sie zu sehen. So läuft es heute nun einmal. Und damit werden einige Fans vergrault. Das ist also nicht gut, aber so läuft es nun einmal.“

WrestleMania 42 als lebendiger Beweis

Shapiros Äußerungen erhielten durch ein Ereignis vom WrestleMania-Wochenende eine besondere Brisanz. Als Roman Reigns in der Post-Show über das Wachstum der WWE sprach und dabei TKO und Endeavor namentlich erwähnte, schlug die Stimmung im Publikum plötzlich um. Anti-TKO-Chants überlagerten die Podiumsdiskussion und Reigns versuchte zunächst, mit Humor gegenzusteuern – wir berichteten. Die Fans ließen sich jedoch nicht beruhigen, was diesen Moment zu einem der unangenehmsten der gesamten Post-Show machte und Shapiros Aussagen über die Risiken aggressiver Wachstumsstrategien auf sehr direkte Weise veranschaulichte.

Prominenten-Auftritte als fester Bestandteil der Strategie

Auf die Kritik mancher Fans an der wachsenden Zahl von Celebrity-Gastauftritten bei der WWE reagierte Shapiro ebenfalls unbeeindruckt. Er stellte klar, dass dieser Ansatz für die WWE keine neue Erfindung sei, sondern lediglich in größerem Maßstab betrieben werde: „Dass es Verbindungen zu Hollywood gibt, Prominente und Stars wie Logan Paul, Pat McAfee und Mark Wahlberg auftauchen und ihr Ding machen, oder dass Tyrese Halliburton letztes Jahr im Ring in einen Brawl verwickelt war … das ist nichts Neues. Es findet nur auf einer größeren Bühne statt, und wir geben viel mehr Geld aus, um die Marke und die Inhalte zu vermarkten.“

Als Beleg für den langfristigen Mehrwert von Crossover-Strategien nannte er Dwayne „The Rock“ Johnson als prominentestes Beispiel: „The Rock ist der größte Star der Welt, oder? Er war jahrelang Wrestler bei der WWE, bevor er zum Jumanji-Star wurde.“

Siehe auch: Gerichtsunterlagen enthüllen: WWE-Talente erhielten 2022 nur 15 Prozent des Umsatzes und liegen weit unter NFL-Niveau

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