Rhea Ripley hat in einem ausführlichen Auftritt beim Podcast „Pod Meets World“ offen über ihre Essstörung gesprochen, den Druck sozialer Medien auf ihre psychische Gesundheit beschrieben und Spekulationen über ihren Körperwandel direkt zurückgewiesen. Das Interview liefert einen seltenen persönlichen Einblick in die Belastungen hinter einer öffentlichen Wrestling-Karriere.
Öffentliches Bekenntnis als bewusste Entscheidung
Ripleys Bekenntnis zur Essstörung kam nicht aus dem Nichts. Auslöser war unter anderem ein Post einer Fitness-Influencerin auf Instagram, in dem öffentlich spekuliert wurde, ob Ripley ihr Training verändert habe und dadurch Muskelmasse verloren sei. Ripley stellte in einem Kommentar klar, dass bei ihr eine Essstörung vorliege, an deren Bewältigung sie arbeite. Im Podcast sprach sie nun ausführlicher darüber, warum sie sich entschlossen hatte, dieses Thema öffentlich zu machen, obwohl sie es zunächst für sich behalten wollte: „Ich habe eine Zeit lang versucht, meine Essstörung geheim zu halten, weil ich noch dabei bin, damit klarzukommen. Ich versuche, so offen wie möglich über meine Probleme zu sprechen, denn wenn es jemandem helfen kann, warum sollte ich dann nicht darüber reden?“
Botschaft an jüngere Fans
Ripley verband ihre Offenheit mit einem persönlichen Rückblick auf ihre eigene Kindheit und machte deutlich, warum ihr die Sichtbarkeit dieses Themas so wichtig ist: „Das hätte ich gebraucht, als ich als Kind schwierige Zeiten durchgemacht habe. Wenn ich gewusst hätte, dass meine Vorbilder dieselben Kämpfe durchstehen, sich durchbeißen und dabei großartig sind und ich zu ihnen aufschaue und sie für stark und überlebensgroß halte, dann hätte ich es auch geschafft.“
Stress und Kontrollverlust als Auslöser
Ripley beschrieb ausführlich, was ihrer Essstörung zugrunde liegt. Sie sieht sich selbst als einen Menschen, der stark auf Kontrolle angewiesen ist, und erklärte, wie mehrere Faktoren gleichzeitig auf sie einwirkten und diese Kontrolle unterminierten: „Was mein Essverhalten angeht, liegt das definitiv am Stress und daran, dass ich die Kontrolle verliere. Das ist mein größtes Problem, denn ich habe gerne die Kontrolle. Aber wenn ich weder meine Arbeit noch meinen Zeitplan oder mein Privatleben kontrollieren konnte – mit einer mittlerweile ehemaligen Freundin, die mein Leben terrorisierte, dann nach Australien ging und ich nicht kontrollieren konnte, wie die Menschenmassen auf meine Kollegen reagierten, oder den Druck, unter dem sie rund um die Uhr standen, und dann auch noch in all diese Medienberichterstattung hineingeworfen wurde, dann war das einfach zu viel auf einmal. Das hat mich für eine Weile ziemlich fertig gemacht.“
X als unentrinnbare Negativitätsquelle
Ein weiterer Belastungsfaktor, den Ripley ausführlich thematisierte, ist die Plattform X. Sie beschrieb, wie sie trotz bewusstem Umgang mit sozialen Medien kaum der negativen Berichterstattung über ihre Person entkommen kann.
Ripley schilderte, dass X für sie eigentlich ein Arbeitswerkzeug sein sollte, sich in der Praxis jedoch als nahezu unzumutbar erwiesen habe. Sobald sie die App öffne, werde ihr Feed unmittelbar mit negativen Inhalten über sie geflutet, ohne dass sie aktiv danach suchen müsse. Das Algorithmus-System der Plattform sorge dafür, dass diese Beiträge automatisch auf ihrer persönlichen Startseite erscheinen, was ihr keinerlei Möglichkeit lasse, dem auszuweichen.
Besonders belastend empfinde sie dabei, dass sie nicht einmal die Nachrichten entspannt konsumieren könne, ohne auf Kommentare über ihr Äußeres, ihre Rolle im WWE-Programm oder ihre Persönlichkeit zu stoßen. Was sie dabei besonders schmerze, sei die Tatsache, dass Menschen, die sie persönlich nicht kennen, vermeintlich fundierte Urteile über sie als Mensch fällten.
Stabiles Umfeld als Gegenpol
Ripley beschrieb, welche Menschen ihr dabei helfen, schwierige Phasen zu überbrücken. Ihr Unterstützungsnetzwerk bestehe vor allem aus ihrem Ehemann Buddy Matthews, ihren Hunden und einem engen Freund namens Tommy, mit dem sie täglich trainiert: „Es gibt Phasen, in denen es wirklich schwer ist, und dann wieder Phasen, in denen es ganz leicht ist. Das letzte Jahr war wirklich schwer, denn ich merke: Wenn mein Umfeld zu Hause nicht im Reinen ist, dann habe ich es besonders schwer. Deshalb versuche ich, mich mit Menschen zu umgeben, von denen ich weiß, dass sie für mich da sind. Mein Mann ist meine Stärke. Meine Hunde sind meine Stärke. Mein Freund Tommy, der jeden Tag bei uns zu Hause ist – wir trainieren zusammen, das ist ein positives Umfeld.“
Klare Worte zu Steroid-Spekulationen
Auf die im Netz kursierenden Theorien, ihr Gewichtsverlust hänge mit Rückenproblemen oder dem Absetzen von Steroiden zusammen, antwortete Ripley direkt und ohne Umschweife.
Sie machte deutlich, dass ihr die Kommentare dieser Art nicht verborgen geblieben seien und sie diese sehr wohl zur Kenntnis genommen habe. Zwei Erklärungsversuche nannte sie dabei stellvertretend für das gesamte Spektrum der Spekulationen: Einerseits die Behauptung, sie habe aufgrund von Rückenproblemen Gewicht verloren, andererseits die Annahme, ihr Körper habe sich verändert, weil sie keine leistungssteigernden Mittel mehr nehme.
Beide Behauptungen wies sie klar zurück. Ripley betonte, dass WWE-Talente regelmäßig auf verbotene Substanzen getestet werden und sie selbst nichts dergleichen einnehme. Die eigentliche Ursache ihres veränderten Erscheinungsbildes habe sie in Form ihrer Essstörung bereits öffentlich benannt.
Hinweis: Wer selbst von einer Essstörung betroffen ist oder sich Sorgen um jemanden macht, findet in Deutschland folgende Anlaufstellen:
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter www.bzga-essstoerungen.de umfangreiche Informationen sowie Online- und Telefonberatung für Betroffene und Angehörige.
ANAD Versorgungszentrum Essstörungen bietet kostenlose Telefon- und Onlineberatung für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte. Weitere Informationen unter www.anad.de
Das Therapienetz Essstörung (tness) bietet kostenlose und auf Wunsch anonyme Beratung in Beratungsstellen sowie online unter www.tness.de
Die Telefonseelsorge ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
Beratungsstellen in deiner Nähe findest du über das Suchverzeichnis der BZgA unter www.bzga-essstoerungen.de/hilfe-finden
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