Was als offizielle Ehrung eines Wrestling-Veteranen geplant war, hat unmittelbar nach der Zeremonie eine öffentliche Kontroverse ausgelöst. Gunnar Eudy, Sohn des verstorbenen WWE-Stars Sid Eudy, hat die Aufnahme seines Vaters in die Hall of Fame 2026 in einer ausführlichen Facebook-Stellungnahme scharf kritisiert. Der Sohn bezeichnet die Umsetzung der Ehrung als enttäuschend und respektlos und listet konkrete Vorwürfe gegen die WWE auf.
Ehrung ohne Bühne und ohne Stimme
Sid Eudy, den Fans vor allem unter den Ringnamen Sycho Sid und Sid Vicious bekannt, wurde gemeinsam mit Bad News Brown im Rahmen der sogenannten Legacy Wing der WWE Hall of Fame geehrt. Diese Kategorie existiert seit 2016 und ist für Wrestler vergangener Generationen vorgesehen, die posthum oder ohne reguläre Zeremonie aufgenommen werden. Auffällig: Weder Sids Familie noch die von Bad News Brown wurden auf die Bühne gebeten oder erhielten die Möglichkeit, eine Rede zu halten. Angehörige wurden lediglich kurz im Publikum eingeblendet, nachdem ein Video ausgestrahlt worden war.
Scharfe Worte in einer öffentlichen Stellungnahme
In seinem Facebook-Post begann Gunnar Eudy zunächst mit einem Dankeschön an die Fans für deren Zuspruch in dieser Phase. Dieser versöhnliche Einstieg täuschte jedoch über die Tonalität des restlichen Statements hinweg: „Vielen Dank an alle für die Liebe und Unterstützung, die ihr unserer Familie entgegengebracht habt. Das bedeutet uns unglaublich viel … Die sogenannte ‚Aufnahme in die Hall of Fame‘ … war einfach nur enttäuschend und verdammt respektlos.“
Keine Werbung, kein Merchandise
Ein konkreter Kritikpunkt war die fehlende Sichtbarkeit seines Vaters rund um das WrestleMania-Wochenende in Las Vegas. Gunnar Eudy erklärte, keinerlei Werbung für Sid in der Stadt wahrgenommen zu haben. Im Fan-Shop der Veranstaltung habe es ebenfalls keinerlei Produkte zu seinem Vater gegeben, während andere Inductees wie Dennis Rodman nach seiner Wahrnehmung deutlich prominenter vertreten gewesen seien: „Ich bin froh, dass mein Vater selbst nach seinem Tod noch eine so große Ausstrahlung hat und dementsprechend viel Aufmerksamkeit bekommt. Von der WWE kommt diese Aufmerksamkeit jedenfalls nicht. Ich habe hier in Las Vegas keine einzige Werbung für ihn gesehen. Im Hall of Fame-Souvenirladen gab es nicht ein einziges Produkt zu meinem Vater. Gar nichts. Dafür gab es dort viel Merchandise von Dennis Rodman. Es wirkte auf mich so, als hätte man ihn einfach zur Seite geschoben und möglichst schnell abgehandelt.“
Ehrung als Randnotiz
Der Eindruck, den Gunnar Eudy von der gesamten Präsentation mitnahm, war der eines schnell abgehandelten Nebenakts statt eines würdigen Moments. Er vermutete zudem, dass ungelöste Spannungen aus der Vergangenheit möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten, wie sein Vater letztendlich gewürdigt wurde. Diese Einschätzung lässt sich allerdings nicht unabhängig bestätigen.
Ein persönlicher Moment als Lichtblick
Trotz seines deutlichen Unmuts gab es für Gunnar Eudy auch einen Augenblick, der für ihn persönlich herausstach. Besonders wichtig war für ihn, dass sein eigener Sohn bei der Zeremonie dabei war und erleben konnte, wie sein Großvater geehrt wurde, den er als großes Vorbild ansieht. Gunnar machte dabei deutlich, dass dieser gemeinsame Moment für ihn letztlich das Wertvollste an dem Abend war. Aus seiner Sicht hätte Sid eigentlich eine wesentlich größere und vollwertigere Ehrung verdient gehabt, selbst wenn diese vielleicht erst viele Jahre später erfolgt wäre. Trotzdem überwog für ihn die Bedeutung, diesen Moment gemeinsam mit seinem Sohn erlebt zu haben.
Hall of Fame-Ring als greifbares Andenken
Ein weiterer positiver Aspekt war für Eudy der Erhalt des offiziellen Hall of Fame-Rings, den die Familie als greifbares Symbol der Anerkennung mit nach Hause nehmen konnte. Allerdings änderte das für ihn nichts an der Grundeinschätzung der gesamten Zeremonie: „Immerhin haben wir den echten Hall of Fame Ring bekommen. Alles andere fühlte sich für mich jedoch wie eine Demütigung an. Ruhe in Frieden, Dad, auch wenn ich das Gefühl habe, dass die WWE dich selbst bei dieser Ehrung noch einmal unfair behandelt hat.“
Grundsätzliche Fragen zur Legacy-Kategorie
Die Kritik von Gunnar Eudy lenkt den Blick auf eine strukturelle Debatte, die die Hall of Fame seit Jahren begleitet. Die Legacy Wing bietet Wrestlern vergangener Generationen zwar einen formellen Platz in der Geschichte des Unternehmens, räumt ihnen und ihren Familien aber deutlich weniger Raum als den regulären Inductees ein. In früheren Jahren wurden Namen wie Lou Thesz, Mildred Burke und Ivan Koloff auf diesem Weg geehrt. Ob diese Kategorie der Bedeutung ihrer Mitglieder gerecht wird, ist eine Frage, die durch Gunnar Eudys Statement erneut in den Vordergrund rückt.
A legacy enshrined in the #WWEHOF!
Thank you, Sycho Sid! 🙌 pic.twitter.com/t7yEsFcYlO
— WWE UK & Ireland (@WWEUK) April 18, 2026
Mal wieder typisch WWE. Verdiente Wrestler werden wie Dreck behandelt und völlig unwichtige nichtwrestler werden wie götter behandelt.🤮🤮🤦♂️🤦♂️