Neben dem Duell gegen John Cena (wir berichteten) hat Gunther in der „WWE Retrospective“ auch seine Abschieds-Matches mit AJ Styles und Goldberg eingeordnet. Der Ring General überrascht dabei mit einer klaren Einordnung. Der Abschied von Styles war für ihn persönlich sogar bedeutender als derjenige von Cena, während das Duell mit Goldberg einen fast surrealen Charakter besaß.
AJ Styles als der persönlich wichtigste Abschied
Auch wenn John Cena ohne Zweifel der prominenteste unter den drei verabschiedeten Stars ist, besitzt das Duell mit AJ Styles für Gunther einen besonderen Stellenwert. Intern hatte sich in der WWE längst herumgesprochen, dass Styles auf das Ende seiner Laufbahn zusteuert. Gunther machte in der Retrospektive deutlich, dass es hinter den Kulissen praktisch ein offenes Geheimnis war: Irgendwann stünde das Karriereende von „The Phenomenal One“ an, und genau diese Rolle habe er selbst übernehmen wollen.
Styles als Generationenvorbild
Anders als bei Cena, der als Synonym für die WWE steht, oder Goldberg, der als Ikone der WCW gilt, sieht Gunther bei Styles klare Parallelen zu seiner eigenen Karriere. Seine weltweite Präsenz und die zahlreichen Stationen außerhalb der WWE hätten ihn persönlich besonders beeinflusst.
„Bei AJ ist es irgendwie anders: Da gibt es zum einen die WCW-Legende Goldberg, dann den Typen, der für die WWE steht, und dann AJ, der mir irgendwie ähnlicher ist, weil er hier eine großartige Karriere hatte. Aber vieles von dem, wofür die Leute ihn lieben, passierte schon vor seiner Zeit bei der WWE.“
Er gehört zu den Leuten, zu denen wir in unserer Wrestling-Generation aufgeschaut haben – Leute wie AJ Styles. Ich erinnere mich noch daran, als er bei New Japan war. Wir haben uns dort immer seine großen Matches angesehen, die fantastisch waren. Es gab eine Zeit, in der ich wirklich hart an mir gearbeitet und mich weiterentwickelt habe. Da gab es Sachen (von Styles), die ich mir immer wieder angesehen habe.“
Abschied zu eigenen Bedingungen
Aus Sicht eines eingefleischten Wrestling-Anhängers, wie Gunther sich selbst beschreibt, wiegt der Abschied von Styles für ihn sogar schwerer als das Ende der Laufbahn von Cena. Zugleich habe es ihm als Darsteller einen besonderen Reiz bereitet, seinem einstigen Vorbild den letzten großen Lauf auf der WWE-Bühne gezielt zu erschweren.
Er betonte, dass er die Arbeit von AJ Styles immer besonders respektiert habe. Aus der Perspektive eines leidenschaftlichen Wrestling-Fans sei dieses Match für ihn beinahe bedeutender gewesen als das Duell mit Cena. Im Fernseh-Kontext habe er sich jedoch mit sichtlichem Vergnügen in die Rolle des Störfaktors begeben und versucht, den geplanten Abschluss zu sabotieren. Genau dieser Kontrast zwischen persönlicher Wertschätzung und erzählerischer Provokation habe ihm riesigen Spaß gemacht.
Ein weiterer Grund für die Sonderstellung des Styles-Duells lag in der Unvorhersehbarkeit. Während Cena und Goldberg offiziell als Abschieds-Matches angekündigt waren, blieb bei Styles bis zum Schluss offen, ob es tatsächlich sein finales Auftreten sein würde:
„Das ist das Schöne daran, denn bei Goldberg und Cena wusste jeder, dass es ihr letztes Match war, und ich glaube, bei AJ waren sich die Leute nicht so sicher, ob es sein letzter Kampf sein würde. Ein Großteil von ihnen rechnete damit, dass AJ gewinnen und seine Karriere fortsetzen würde, aber er ist zu seinen eigenen Bedingungen gegangen – das ist etwas, was viele Wrestler nicht schaffen. Es ist immer am besten, an einem Punkt aufzuhören, an dem die Leute dich noch vermissen werden, und nicht an einem Punkt, an dem die Leute sagen: ‚Ach, es war Zeit.'“
Zum Schluss fand Gunther eine charakteristisch trockene Pointe für seinen Sieg über Styles. Er zollte seinem Kontrahenten Respekt, würdigte die herausragende Karriere und dessen Rang als fantastischer Wrestler, ließ sich von dieser Anerkennung jedoch nicht von der eigenen Bilanz abbringen. Am Ende habe er Styles schlicht den Titel abgenommen, und daran ändere die aufrichtigste Wertschätzung eben nichts.
Surreales Erlebnis gegen Goldberg
Für Gunther hatte das Duell mit Goldberg, das im vergangenen Juli bei Saturday Night’s Main Event stattfand, einen ganz anderen Charakter. In der Rückschau erinnerte er sich daran, dass Triple H ihn bereits fast ein Jahr zuvor auf die Idee angesprochen hatte. Für den Österreicher war dieses Angebot zugleich eine sportliche Herausforderung und ein merkwürdig nostalgischer Moment, da ein Match gegen die WCW-Ikone nie Teil seiner eigenen Karriereplanung gewesen war.
Gunther schilderte, dass Triple H rund ein Jahr im Voraus schlicht nachgefragt habe, ob er das Match bestreiten wolle. Seine Antwort sei ohne Zögern ausgefallen. Er habe sofort zugestimmt und sich zum Ziel gesetzt, Goldberg das beste Match seiner Karriere zu liefern. In einer solchen Situation könne er nur sein Bestes geben und alles daran setzen, dem Rahmen gerecht zu werden.
Zugleich beschrieb er die Gesamtkonstellation als surreal. Ein Match gegen Goldberg sei nie Teil seiner beruflichen Agenda gewesen. Stattdessen habe er es eher als theoretische Möglichkeit betrachtet, sollte es je dazu kommen. Besonders schmunzeln ließ ihn dabei der Rückblick auf seine eigene Kindheit, als er den Wrestler Goldberg gemeinsam mit Freunden auf dem N64 gespielt hatte. Sich viele Jahre später tatsächlich in einer solchen Situation wiederzufinden, empfand er zugleich als kurios und bewegend.
Karriereschub durch den Goldberg-Moment
Rückblickend ist Gunther überzeugt, dass ihm das Match gegen die WCW-Legende Goldberg spürbar geholfen hat. Zugleich hofft er, dass Goldberg mit seinem letzten großen Auftritt zufrieden ist: „Ich glaube, dieses Match hat meiner Karriere sehr geholfen. Ich hoffe, er kann mit seiner Leistung an diesem Abend zufrieden sein. Wie ich bereits gesagt habe, war ich mit diesem Match sehr zufrieden, und er hat die Erwartungen definitiv übertroffen.“
Familiäre Perspektive auf die Zukunft
Der frühere WWE World Heavyweight Champion lobte zudem die subtilen Feinheiten, die Goldberg im Ring noch immer abrufen konnte, und hob die besondere Atmosphäre von „Saturday Night’s Main Event” hervor. Zugleich richtete er einen persönlichen Gruß an Goldbergs Sohn, der offenbar ebenfalls eine Karriere als Profi-Wrestler anstrebt. Er hofft, dass dieser die Familiengeschichte irgendwann im Ring fortsetzen kann.
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