Kevin Fertig, den die Fans als Ex-WWE- und ECW-Star Kevin Thorn bzw. Mordecai kennen, hat in einem Interview offen über seine schwierige Zeit nach dem Ende seiner Wrestling-Karriere gesprochen. In der Sendung The Velvet Ropes with SoCal Val sprach er über seine langjährige Wut auf die WWE, seine persönlichen Probleme und darüber, warum das Rehabilitationsprogramm des Unternehmens letztlich eine lebensverändernde Erfahrung für ihn war.
15 Jahre voller Wut und persönliche Aufarbeitung
Kevin Fertig machte deutlich, dass seine Beziehung zur WWE über viele Jahre hinweg von negativen Emotionen geprägt war. Er beschrieb, wie sehr ihn die Erfahrungen aus seiner aktiven Zeit belastet hatten und wie lange er daran festhielt.
„Ich war wahrscheinlich 15 Jahre lang stinksauer, habe die WWE gehasst, war depressiv und all das. Ich habe dort angerufen, bin in das Entzugsprogramm gegangen, und sie haben mir das Leben gerettet. Also ist die Sache so: So sehr ich sie auch hasse, so viel Groll ich auch gegen sie hatte – sie haben mir das Leben gerettet, und ohne sie wäre ich heute nicht hier. Vieles davon lag an mir, und das habe ich mittlerweile erkannt, und mir geht es dadurch viel besser. Sie haben mich dorthin geschickt, mich entgiftet und mich besser zurückgebracht, als ich je zuvor war.“
Gleichzeitig stellte er klar, dass er seine eigene Rolle in dieser Phase inzwischen anders bewertet. Die Reflexion über seine Vergangenheit habe dazu geführt, dass er heute einen anderen Umgang mit diesen Erlebnissen gefunden hat.
„Man hat all diesen Groll und all diese‚ hätte, sollte, könnte‘-Gedanken, und letztendlich lag vieles davon an mir. Das habe ich inzwischen erkannt, und es geht mir dadurch viel besser.“
WWE-Rehabilitationsprogramm als Wendepunkt
Ein zentraler Punkt des Interviews war das Rehabilitationsprogramm der WWE, das Fertig nach eigenen Angaben maßgeblich geholfen hat. Trotz seiner langjährigen negativen Einstellung gegenüber dem Unternehmen betonte er, dass ihm dort entscheidende Unterstützung geboten wurde.
„Sie haben mir großzügig die Mittel gegeben, obwohl ich sie nicht verdient hatte. So ein A*schl*ch, wie ich in den letzten 15 Jahren war, in denen ich Ihnen Groll hegte, habe ich das nicht verdient. Und Sie haben mich aufgenommen, mich wieder auf die Beine gebracht und besser gemacht, als ich je zuvor war.“
Auch an anderer Stelle unterstrich er die Bedeutung dieses Programms und fasste seine Erfahrung nochmals deutlich zusammen.
Hintergründe zur Mordecai-Figur und geplante WrestleMania-Story
Neben seinen persönlichen Erfahrungen sprach Fertig auch ausführlich über seine Zeit bei der WWE und die kreativen Pläne rund um seine damalige Rolle als Mordecai. Dabei erklärte er, dass die Figur ursprünglich mit einem klaren Ziel entwickelt wurde. Geplant war ein Match gegen The Undertaker.
„Er war ein ganz wesentlicher Bestandteil der Figur Mordecai. Ursprünglich ging es bei dem Ganzen eigentlich darum, irgendwann bei WrestleMania gegen ihn anzutreten.“
Er schilderte das persönliche Gespräch mit Vince McMahon als sehr intensive und fast einschüchternde Erfahrung. Während des Treffens versuchte er, selbstbewusst aufzutreten und seinem Gegenüber standzuhalten, hatte jedoch gleichzeitig das Gefühl, von McMahons Präsenz regelrecht durchdrungen zu werden. Als er schließlich seine Idee präsentierte und erklärte, dass er sie gemeinsam mit (Tyson) Tomko umsetzen wolle, wurde diese jedoch direkt abgelehnt, da McMahon zu diesem Zeitpunkt kein Interesse an Tag Teams hatte und stattdessen den Fokus auf Einzelwrestler legen wollte.
Leben für das Gimmick und kreative Konflikte
Fertig erklärte, dass er großen Aufwand betrieben habe, um seine Rolle möglichst authentisch wirken zu lassen. Dafür habe er nicht nur viel Zeit investiert, sondern auch beträchtliche Summen ausgegeben, um sein Erscheinungsbild konsequent an das Gimmick anzupassen. Er habe nahezu ausschließlich weiße Kleidung getragen, vom Trainingsanzug bis hin zu Anzügen, und dabei viel Geld in entsprechende Outfits gesteckt. Gleichzeitig räumte er ein, dass dies im Alltag, etwa beim Sauberhalten der Kleidung, nicht immer einfach gewesen sei.
Sein Anspruch sei es gewesen, die Figur nicht nur im Ring, sondern auch außerhalb vollständig zu verkörpern. Als Inspiration nannte er dabei The Undertaker, der über Jahre hinweg auch abseits der Shows ein klares, zu seiner Rolle passendes Erscheinungsbild gepflegt habe.
Er berichtete zudem von kreativen Differenzen während seiner WWE-Zeit, die bei ihm für erheblichen Frust sorgten. Besonders irritiert zeigte er sich über eine Situation, in der Inhalte, die er selbst für Promos erarbeitet hatte, plötzlich von einem anderen Performer im TV verwendet wurden.
Als er dies bemerkte, versuchte er umgehend, von den Verantwortlichen eine Erklärung zu erhalten. Für ihn war klar, dass es sich um seine eigenen Ideen handelte, da er diese zuvor gemeinsam mit Dusty Rhodes entwickelt und intern weitergegeben hatte. Um die Hintergründe zu klären, suchte er schließlich persönlich das Gespräch vor Ort, da er nicht nachvollziehen konnte, warum seine ausgearbeiteten Inhalte ohne seine Beteiligung von jemand anderem präsentiert wurden.
WWE-Abgang, verpasste Chancen und Blick auf die Gegenwart
Auch sein Abgang aus der WWE kam im Interview zur Sprache. Fertig erklärte, dass er sich letztlich aus Frustration zu diesem Schritt entschlossen hatte.
Er erklärte, dass er schließlich aus Frust die Entscheidung traf, WWE zu verlassen. Nachdem er viel Einsatz gezeigt hatte, um rechtzeitig wieder fit zu werden, sah er sich dennoch erneut mit denselben Problemen konfrontiert. Diese Situation führte dazu, dass er das Gespräch suchte, seinem Vorgesetzten mitteilte, dass es für ihn nicht mehr weitergeht, und schließlich um seine Entlassung bat.
Mit Blick auf seine Karriere sprach er auch über ein Match, das aus seiner Sicht nie zustande kam, obwohl es für ihn eine besondere Bedeutung gehabt hätte.
„Eddie Guerrero wäre der Richtige gewesen. Er wäre der Richtige gewesen, und ich hätte als Mordecai gegen ihn antreten sollen. Es ist einfach nie dazu gekommen. Ich glaube, mit Eddie hätte es Spaß gemacht. Mit ihm hätte es richtig Spaß gemacht.“
Zum Abschluss äußerte er sich auch zu aktuellen Entwicklungen im Wrestling und nannte einen Namen, der ihn derzeit besonders beeindruckt.
„Logan Paul ist wahrscheinlich derjenige, der mich derzeit am meisten beeindruckt, denn er geht da raus und wirkt jedes Mal wie ein erfahrener Veteran.“
Neben diesen Themen sprach Fertig im Interview außerdem über seine schwierige Zusammenarbeit mit Shelly Martinez sowie seine heutige Tätigkeit im Immobilienbereich.
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