Im Rechtsstreit von Janel Grant gegen Vince McMahon, WWE und TKO sind durch neue Schriftsätze weitere Einzelheiten öffentlich geworden, die dem Fall neue Dynamik verleihen. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Frage, ob das Verfahren vor einem öffentlichen Zivilgericht verhandelt werden kann oder in ein vertrauliches Schiedsverfahren verlagert wird. Gerade diese Entscheidung ist für alle Beteiligten von großer Bedeutung, weil sie nicht nur den weiteren juristischen Weg bestimmt, sondern auch darüber mitentscheiden dürfte, wie viele interne Vorgänge und Unterlagen überhaupt öffentlich sichtbar werden.
Nach bisherigem Stand soll Richterin Sarah F. Russell nach einer Anhörung am 16. Juni über diesen zentralen Punkt entscheiden. Eine Entscheidung zugunsten eines Schiedsverfahrens würde den Fall weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung nehmen. Sollte das Gericht dagegen den Weg für ein reguläres Zivilverfahren offenhalten, könnte der Konflikt deutlich sichtbarer weitergeführt werden. Damit kreist die aktuelle Phase des Verfahrens nicht nur um die Vorwürfe selbst, sondern auch um die grundlegende Frage, unter welchen rechtlichen Bedingungen diese Vorwürfe weiter geprüft werden.
Der Streit um NDA und Schiedsklausel prägt die aktuelle Phase
Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht eine Vertraulichkeits- und Vergleichsvereinbarung aus dem Januar 2022. Dieses Dokument enthält nicht nur Regeln zur Verschwiegenheit und zu möglichen gegenseitigen Ansprüchen, sondern auch eine Schiedsklausel. Nach dem Willen der Gegenseite sollen Streitigkeiten im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung ausschließlich in einem vertraulichen Schiedsverfahren behandelt werden. Genau das greift Grants Seite nun an.
Die Klägerseite argumentiert, dass diese Vereinbarung und insbesondere die darin enthaltene Schiedsklausel aus mehreren Gründen nicht wirksam seien. Dabei wird unter anderem angeführt, dass die Unterzeichnung nicht unter freien und normalen Umständen erfolgt sei. Außerdem verweist Grants Lager auf rechtliche Veränderungen in den USA, die im Zuge der #MeToo-Bewegung entstanden sind und in bestimmten Fällen die Durchsetzbarkeit von vorab vereinbarten Schweige- und Schiedsklauseln einschränken sollen. Hinzu kommt die Argumentation, dass Teile des späteren Streitstoffs durch die Vereinbarung ohnehin nicht wirksam abgedeckt werden könnten.
Die Gegenseite hält dem entgegen, dass Grant anwaltlich vertreten gewesen sei und Einfluss auf die Ausgestaltung des Vertrags genommen habe. Besonders hervorgehoben wird dabei, dass der ursprünglich genannte Vergleichsbetrag von 1 Million US-Dollar später auf 3 Millionen US-Dollar erhöht worden sei. Aus Sicht der Verteidigung spricht das gegen die Darstellung, Grant habe keinerlei echte Handlungsmöglichkeiten gehabt. Die Klägerseite weist diese Schlussfolgerung zurück und stellt die Verhandlungen als stark von McMahon und dessen Umfeld geprägt dar.
Die Zahlungsfrage bleibt ein weiterer zentraler Konflikt
Unstreitig ist, dass in der Vereinbarung eine Summe von insgesamt 3 Millionen US-Dollar festgehalten worden war. Ebenso ist unbestritten, dass Grant eine erste Zahlung in Höhe von 1 Million US-Dollar erhalten hat. Danach wurden die restlichen Zahlungen jedoch gestoppt, und genau darüber besteht zwischen beiden Seiten ein erheblicher Streit.
McMahons Seite begründet das Aussetzen der weiteren Raten damit, dass gegen die Vertraulichkeitsregeln der Vereinbarung verstoßen worden sei. Nach dieser Darstellung sollen vertrauliche Informationen an den WWE-Aufsichtsrat und später an Dritte beziehungsweise an die Öffentlichkeit gelangt sein. Grant und ihr Rechtsbeistand bestreiten, selbst gegen die Vereinbarung verstoßen zu haben. Stattdessen wird argumentiert, dass aus ihrer Sicht vielmehr WWE beziehungsweise das Umfeld McMahons die Vertraulichkeit verletzt habe. Darüber hinaus wird angeführt, dass die Einstellung der Zahlungen selbst einen wesentlichen Bruch der Vereinbarung darstelle.
Wer interne Informationen ursprünglich weitergegeben hat, ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Genau diese offene Frage sorgt dafür, dass die Zahlungsproblematik eng mit dem Streit um die Gültigkeit und Durchsetzbarkeit des NDA verbunden bleibt. Sie ist daher nicht nur ein Nebenaspekt des Falls, sondern ein Kernpunkt der gesamten juristischen Auseinandersetzung.
Neue Berichte zeichnen den Fall über mehrere Jahre nach
Die aktuellen Berichte und Schriftsätze beschreiben eine Entwicklung, die sich nach Darstellung der Klägerseite über Jahre aufgebaut haben soll. Grant führt den Beginn ihrer Verbindung zu McMahon auf das Jahr 2019 zurück, als sie in der Rechtsabteilung der WWE tätig war. In den danach folgenden Abschnitten der Klage und der Berichterstattung wird geschildert, dass sich die Situation mit der Zeit verschärft und sich berufliche und persönliche Ebenen zunehmend miteinander vermischt hätten.
In diesem Zusammenhang tauchen auch frühere Bestandteile der Klage wieder verstärkt in der öffentlichen Diskussion auf. Dazu gehört insbesondere eine Auflistung verschiedener Geschenke und Zuwendungen, die Grant nach eigener Darstellung im Zeitraum von 2019 bis Anfang 2022 erhalten habe. Genannt werden unter anderem medizinische Leistungen, Reisevorteile, Eintrittskarten, Geschenkkarten, Blumen, Luxusartikel, Schmuck, Spa-Leistungen, private Abendessen sowie ein Fahrzeug. Aus Sicht der Klägerseite sind diese Dinge nicht als isolierte Geschenke zu betrachten, sondern als Teil eines größeren Abhängigkeits- und Kontrollverhältnisses. Dass diese Passagen nun erneut Aufmerksamkeit erhalten, zeigt, wie stark frühere Teile der Klage durch die neuen Unterlagen wieder in den Vordergrund gerückt sind.
Zugleich wird in mehreren Berichten deutlich gemacht, dass der Fall aus Sicht der Klägerin nicht mit der Unterzeichnung der Vereinbarung im Januar 2022 abgeschlossen gewesen sei. Vielmehr wird behauptet, dass problematische Vorgänge auch danach nicht einfach beendet worden seien. Genau das ist für die Klägerseite ein weiterer Ansatzpunkt, um die Reichweite und Wirksamkeit der NDA-Regelung anzugreifen.
Die Rolle der WWE-Führung wird in den Unterlagen stärker beleuchtet
Neben McMahon selbst geraten durch die neuen Unterlagen auch weitere hochrangige Personen aus dem WWE-Umfeld stärker in den Fokus. In diesem Zusammenhang fallen immer wieder die Namen John Laurinaitis, Nick Khan und Brad Blum. Grant schildert, sie habe sich von einem Kreis führender Personen innerhalb des Unternehmens beobachtet, gesteuert und für fremde Interessen benutzt gefühlt.
Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei ihre Versetzung aus der WWE-Rechtsabteilung in den Bereich Talent Relations unter John Laurinaitis. Nach Grants Darstellung handelte es sich dabei nicht bloß um eine normale interne Umstrukturierung, sondern um einen Schritt, der ihre Position innerhalb des Unternehmens grundlegend verändert habe. In einem weiteren Bericht wird ihre Behauptung hervorgehoben, McMahon habe ihr mitgeteilt, dass die Führungsebene sie als „Risiko für das Unternehmen“ angesehen habe und ihre weitere Tätigkeit in der Rechtsabteilung deshalb nicht gewollt gewesen sei. Diese Darstellung verleiht dem Streit um ihre berufliche Rolle zusätzliches Gewicht, weil sie nahelegt, dass interne Personalentscheidungen nach ihrer Sicht eng mit den übrigen Vorgängen verbunden gewesen seien.
Hinzu kommt eine weitere Passage, wonach Grant behauptet, McMahon habe ihr in Aussicht gestellt, Nick Khan könne ihr nach einem Ausscheiden aus der WWE bei der Vermittlung einer neuen Position helfen. Genannt worden seien in diesem Zusammenhang unter anderem NBC oder ESPN. Auch dieser Vorwurf ist Teil der laufenden Klage und steht bislang nicht durch eine gerichtliche Tatsachenfeststellung fest. Er zeigt aber, wie stark in den neuen Unterlagen auch angebliche Entscheidungen und Gespräche auf Führungsebene beleuchtet werden.
John Laurinaitis bleibt trotz seiner Streichung aus dem Verfahren Thema
John Laurinaitis war ursprünglich selbst Teil des Rechtsstreits, wurde jedoch im Mai 2025 aus dem Verfahren gestrichen, nachdem er sich zur Kooperation und zur Übergabe von Beweismaterial bereit erklärt hatte. Obwohl er damit formal nicht mehr zu den Beklagten zählt, taucht sein Name in den neuen Schriftsätzen weiterhin auf. Das hat zu einer öffentlichen Reaktion seines Anwalts geführt.
Edward M. Brennan, der Laurinaitis vertritt, wies die neuen Vorwürfe zurück und stellte infrage, ob diese bei einer genauen Prüfung Bestand hätten. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Laurinaitis aus seiner Sicht bereits durch eine frühere unabhängige Untersuchung entlastet worden sei und nicht mehr Teil des Verfahrens sei. Diese Entwicklung macht deutlich, dass auch Personen, die juristisch nicht mehr unmittelbar im Mittelpunkt stehen, durch neue Schriftsätze wieder stärker in die öffentliche Debatte hineingezogen werden können.
Für den Gesamtfall ist das insofern bedeutsam, weil dadurch sichtbar wird, wie weit die aktuellen Unterlagen über die Kernfrage des Schiedsverfahrens hinausreichen. Sie betreffen nicht nur die direkte Auseinandersetzung zwischen Grant und McMahon, sondern werfen auch neue Fragen zur Rolle weiterer Verantwortlicher innerhalb des Unternehmens auf.
Brock Lesnar wird in den neuen Unterlagen mehrfach genannt
Ein weiterer Punkt, der in der Berichterstattung zu den neuen Schriftsätzen stark hervorgehoben wird, betrifft Brock Lesnar. Grant behauptet, dass McMahon ihn in verschiedene Zusammenhänge einbezogen habe. In den dazugehörigen Darstellungen geht es um angebliche Nachrichtenkontakte, Kontaktanbahnungen, Reisebezüge und geplante persönliche Treffen. Die Berichte dazu sind teilweise sehr ausführlich und werden deshalb in der Öffentlichkeit besonders intensiv diskutiert.
Für eine journalistisch saubere Einordnung ist dabei entscheidend, dass es sich weiterhin um Vorwürfe der Klägerseite handelt. Eine gerichtliche Feststellung dieser einzelnen Behauptungen liegt bislang nicht vor. Dennoch sind diese Passagen wichtig, weil sie zu den Aspekten gehören, die den Fall in den vergangenen Tagen erneut stark in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt haben. Darüber hinaus spielt Lesnars Name auch deshalb eine Rolle, weil die Klägerseite daraus ein größeres Muster ableiten will, das über einzelne Vorfälle hinausgehen soll.
Da dieser Themenbereich in Teilen sehr heikle und drastische Schilderungen umfasst, wird er in einer risikoarmen Berichterstattung häufig nur verallgemeinert wiedergegeben. Für die Relevanz des Falls reicht jedoch bereits die Feststellung, dass Lesnar in den Unterlagen wiederholt genannt wird und diese Passagen zu den meistbeachteten Bestandteilen der aktuellen Schriftsätze gehören.
Das psychologische Gutachten soll die Sicht der Klägerseite stützen
Ein besonders wichtiger Baustein der neuen Gerichtsunterlagen ist das Gutachten des klinischen Psychologen Dr. Chitra Raghavan. Nach seinen Angaben führte er über viele Stunden Gespräche mit Grant, nahm psychologische Einschätzungen vor und wertete ein sehr umfangreiches Material aus Nachrichten, E-Mails, Fotos und Videos aus. Die Klägerseite nutzt dieses Gutachten, um ihre Darstellung eines langfristigen Macht- und Druckverhältnisses zusätzlich zu untermauern.
Raghavan ordnet das geschilderte Geschehen in das Konzept des sogenannten „coercive control“ ein. Gemeint ist damit ein Muster, bei dem über längere Zeit psychischer, emotionaler, wirtschaftlicher und sozialer Druck ausgeübt wird, sodass die betroffene Person zunehmend an Selbstbestimmung verliert. Nach seiner Einschätzung können unter solchen Bedingungen Bindungen entstehen, die nach außen hin wie freiwillige Beteiligung aussehen, tatsächlich aber stark durch Angst, Druck und Abhängigkeit beeinflusst sein können.
Gleichzeitig stellt der Gutachter ausdrücklich klar, dass er keine rechtliche Schuldfrage beantwortet. Seine Aufgabe besteht nicht darin, einzelne Vorwürfe juristisch zu beweisen, sondern die psychologische Plausibilität einer solchen geschilderten Lage einzuordnen. Für die Klägerseite ist dieses Gutachten dennoch von großer Bedeutung, weil es die Argumentation stützen soll, dass die Unterzeichnung des NDA nicht als freie und unbeeinflusste Entscheidung gewertet werden könne.
Die Entscheidung im Juni ist für den gesamten Fall von zentraler Bedeutung
Damit läuft derzeit vieles auf die Anhörung am 16. Juni hinaus. Die Entscheidung von Richterin Sarah F. Russell dürfte maßgeblich festlegen, ob sich der Fall in der Öffentlichkeit weiter entfaltet oder ob er weitgehend in einen nicht öffentlichen Rahmen verschoben wird. Genau das erklärt, warum die Debatte um die Wirksamkeit der Schiedsklausel im Moment fast noch wichtiger erscheint als manche Einzelheit aus den neuen Schriftsätzen.
Sollte das Gericht der Argumentation von McMahon und WWE folgen, würde ein Großteil des weiteren Verfahrens aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Sollte die Richterin dagegen zu dem Schluss kommen, dass die Schiedsklausel nicht durchgreift, könnte der Fall auf dem normalen zivilrechtlichen Weg weitergeführt werden. Das würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass weitere interne Unterlagen, Aussagen und mögliche Beweise öffentlich bekannt werden.
Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt jedoch entscheidend, dass es sich weiterhin um ein laufendes Verfahren mit widersprüchlichen Darstellungen handelt. Zahlreiche der nun diskutierten Punkte stammen aus den Schriftsätzen der Klägerseite und sind bislang nicht gerichtlich festgestellt. Eine abschließende Bewertung steht daher weiter aus. Bis zu einer rechtlichen Klärung gilt die Unschuldsvermutung zugunsten der Beklagten.
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