In einem aktuellen Interview hat WWE-Kommentator Michael Cole umfassende Einblicke in seine Arbeit gegeben. Dabei lobte er Gunther und reflektierte prägende WrestleMania-Momente. Neben persönlichen Erfahrungen sprach er über spontane Reaktionen am Kommentatorenpult, eigene Fehler und Kritik an seinem Stil. Seine Aussagen verdeutlichen, welchen starken Einfluss seine Rolle auf die Wahrnehmung von WWE-Geschichten hat.
Michael Cole bezeichnet Gunther als besten Wrestler der Welt
Im Gespräch äußerte sich Michael Cole äußerst positiv über Gunther und machte deutlich, welche Bedeutung der WWE-Star aktuell für ihn hat. Als er nach dem besten Match aller Zeiten gefragt wurde, wich er der Frage bewusst aus und nutzte stattdessen die Gelegenheit, um Gunther besonders hervorzuheben. Dabei machte Cole deutlich, dass ihn dessen Auftritte im Ring regelmäßig beeindrucken und emotional bewegen.
Cole erklärte, dass er jedes Mal Gänsehaut bekomme, wenn Gunther im Ring stehe, und es für ihn eine besondere Freude sei, dessen Matches zu kommentieren. Darüber hinaus beschrieb er Gunther als einen Wrestler, der stark von klassischen Einflüssen geprägt sei. In diesem Zusammenhang zog er Parallelen zu Legenden wie Bruno Sammartino und Superstar Billy Graham und unterstrich, wie außergewöhnlich Gunthers Präsentation im modernen Wrestling sei.
Auch die Wirkung auf das Publikum hob Cole hervor. Er erklärte, dass Gunther stark polarisiere, da er entweder große Zustimmung oder klare Ablehnung hervorrufe. Genau diese Reaktionen machten ihn für das Publikum besonders interessant. Für Cole steht fest, dass Gunther aktuell der kompletteste Performer im Wrestling sei und mit seinem Stil neue Maßstäbe setze.
„The Streak Is Over“: Der Moment entstand aus echter Überraschung
Ein besonders prägender Moment in Coles Karriere ereignete sich bei WrestleMania, als Brock Lesnar die Siegesserie von The Undertaker beendete. In der „The Sal Licata Show“ schilderte Cole detailliert, wie es zu seinem berühmten Kommentar kam und welche Umstände hinter den Kulissen herrschten.
Cole machte deutlich, dass er in der Regel über viele Abläufe innerhalb eines Matches informiert sei, um die Geschichte für die Zuschauer verständlich zu vermitteln. Gleichzeitig erklärte er, dass er gerade bei WrestleMania bewusst nicht alles im Voraus wissen wolle, da Überraschungen dort eine größere Rolle spielen: „Nein, ich weiß etwa 80 % dessen, was passieren wird. Bei WrestleMania möchte ich nicht viel wissen – ich muss zwar vieles wissen, um dem Publikum die Geschichte näherzubringen. Aber bei WrestleMania möchte ich nichts wissen, wenn ich es nicht muss.“
Er beschrieb, dass im Stadion nahezu niemand damit gerechnet habe, dass The Undertaker verlieren würde. Die allgemeine Erwartung sei gewesen, dass er ungeschlagen bleibe oder höchstens gegen einen aufstrebenden Gegner verliere: „Aber was den Undertaker betrifft – es gab niemanden in diesem Gebäude, der glaubte, dass The Undertaker verlieren würde. Jeder einzelne glaubte, dass er entweder ungeschlagen in den Ruhestand gehen würde oder, falls er verlieren sollte, gegen einen aufstrebenden Kämpfer verlieren würde, dem er damit zu mehr Bekanntheit verhelfen könnte.“
Zusätzlich ging Cole auf langjährige Spekulationen ein, wonach das Match-Ende kurzfristig geändert worden sein könnte: „Keiner von uns wusste, dass Brock gewinnen würde. Tatsächlich geht die Legende so, dass das eigentliche Ende des Matches mitten im Kampf geändert wurde.“
Den entscheidenden Moment schilderte Cole besonders eindrücklich. Als Lesnar den F5 zeigte, erwartete er einen Kickout und bereitete sich bereits auf den nächsten Kommentar vor: „Jedenfalls, als Brock Taker mit dem F5 traf, glaubte ich, dass Taker sich befreien würde. Es war also fast ein beiläufiges ‚Eins, zwei‘, und ich wollte gerade ‚Kickout‘ sagen, als ich erstarrte. Und da war es einfach so – das Erste, was mir in den Sinn kam, war: Die Siegesserie ist vorbei.“
Rückblickend ist Cole überzeugt, dass gerade seine authentische Reaktion den Moment so besonders gemacht hat: „Das war einfach das Erste, was mir in den Sinn kam. Und im Nachhinein glaube ich nicht, dass ich das besser hätte machen können. Ich glaube nicht, dass es einen Kommentar gegeben hätte, der besser gewesen wäre, denn wenn ich übertrieben geschrien hätte oder so, hätte es einfach nicht dieselbe Wirkung gehabt, weil man in diesem Moment sehen konnte, dass ich wirklich schockiert war über das, was passiert war.“
Bis heute zählt dieser Moment von WrestleMania zu den meistdiskutierten Ereignissen in der Geschichte der WWE und wird eng mit Coles Kommentar verbunden. Mittlerweile hat sich auch Brock Lesnar zum Ende der Streak des Undertakers geäußert – wir berichteten.
Fehler im historischen WrestleMania-Main-Event bleibt in Erinnerung
Neben Erfolgen sprach Cole auch offen über Fehler aus seiner Karriere. Besonders ein Moment aus dem WrestleMania-Main-Event zwischen Sasha Banks und Bianca Belair sei ihm bis heute im Gedächtnis geblieben.
Cole machte deutlich, dass Fehler im Live-TV kaum zu vermeiden sind, da Kommentatoren über mehrere Stunden hinweg ununterbrochen sprechen müssen. Dabei zog er einen Vergleich zum Baseball und betonte, dass absolute Perfektion praktisch unerreichbar sei. Zwar strebe man danach, fehlerfrei zu arbeiten, doch angesichts der Vielzahl gesprochener Worte pro Show seien Versprecher oder kleinere Patzer unvermeidlich. Ein komplett makelloser Ablauf sei daher ähnlich selten wie ein perfektes Spiel in der Geschichte der Major League Baseball.
Trotz dieser grundsätzlichen Einschätzung machte er deutlich, dass ihn ein bestimmter Fehler besonders stark beschäftigt hat, weil das betreffende Match eine außergewöhnliche historische Bedeutung hatte. Zwar betonte er erneut, dass Perfektion im Live-TV kaum erreichbar sei und man sich eher an sehr guten Leistungen orientieren könne, doch gerade in diesem speziellen Moment habe ihn sein eigener Anspruch besonders eingeholt.
Er blickte auf das WrestleMania-Main-Event zwischen Sasha Banks und Bianca Belair zurück, das als erstes Main Event in der Geschichte von WrestleMania mit zwei afroamerikanischen Frauen einen besonderen Stellenwert hatte. Gerade wegen dieser Bedeutung blieb ihm ein Fehler aus diesem Moment besonders in Erinnerung. Er erklärte, dass ihn dieser Patzer im Nachhinein stark beschäftigte und ihm sehr unangenehm gewesen sei, da er genau im entscheidenden Augenblick des Matches passierte.
Der Fehler ereignete sich beim finalen Pinfall. Michael Cole ging in diesem Moment davon aus, dass es noch zu einem Kickout kommen würde, und kommentierte die Szene entsprechend. Tatsächlich war das Match jedoch bereits entschieden, sodass seine Reaktion nicht zum tatsächlichen Ausgang passte. Gerade weil dieser Moment den Abschluss eines historisch bedeutenden Matches bildete, fiel ihm dieser Fehler besonders schwer.
Cole machte deutlich, dass er unmittelbar nach der Show Verantwortung übernahm und das Gespräch mit den beiden Wrestlerinnen suchte: „Ich habe mich danach bei beiden Frauen entschuldigt. Sie verstehen, dass solche Dinge passieren. Die Fans haben mich das bis heute nicht vergessen lassen. Aber es ist etwas, das ich bereut habe. Ich würde es gerne ungeschehen machen, wenn ich könnte, aber es ist einfach einer dieser Momente, in denen man in der Hitze des Gefechts ist.“
Kritik am Kommentatorstil: Cole verteidigt seine Arbeitsweise
Auch auf Kritik an seinem Kommentatorenstil ging Cole ausführlich ein. In den sozialen Medien wird ihm häufig vorgeworfen, sich während der Übertragungen zu oft zu wiederholen. Cole erklärte, dass hinter dieser Herangehensweise ein klarer Zweck stehe.
Er betonte, dass es seine Aufgabe sei, die Geschichten für die Zuschauer verständlich zu vermitteln. Dafür müsse er genau wissen, was im Ring passiert und welche Richtung die Handlung nimmt: „Manchmal. Aber das Problem bei meiner Rolle ist – genau wie bei anderen, mit denen ich zusammenarbeite –, dass sie nicht wissen, was vor sich geht, und es auch gar nicht wissen wollen. Ich muss es jedoch wissen, denn ich muss das Publikum in eine bestimmte Richtung lenken können, in die unsere Geschichte führt.“
Michael Cole betonte, dass er den Zuschauern keine Meinung vorgeben wolle. Gleichzeitig sehe er es jedoch als seine Aufgabe, die Geschichte im Ring verständlich zu vermitteln. Deshalb müsse er wichtige Details hervorheben, da viele dieser Feinheiten sonst von einem Großteil des Publikums nicht wahrgenommen würden.
Abschließend ging er direkt auf die Kritik aus der Fan-Community ein und erklärte, warum Wiederholungen aus seiner Sicht notwendig seien: „Deshalb müssen wir auf diese Feinheiten hinweisen. Und die Fans sagen in den sozialen Medien ständig: ‚Oh, ihr hämert uns das ständig ein! Warum macht ihr das?‘ Weil 90 % unseres Publikums diese Feinheiten übersehen.“
Cole machte deutlich, dass für ihn die Balance zwischen klarer Erzählweise und Zuschauerverständnis entscheidend sei, auch wenn dies nicht bei allen Fans auf Zustimmung stoße.
Spricht irgendjemand in der WWE eigentlich noch über was anderes, als über die Vergangenheit?