Steve Austin hat in mehreren Interviews ausführlich über sein Leben nach dem Wrestling, seine Gesundheit und das Vermächtnis von „Austin 3:16“ gesprochen. Der WWE Hall of Famer machte deutlich, dass er die „Stone Cold“ Figur inzwischen hinter sich gelassen hat, keinen Drang zu einem weiteren Match verspürt und die Entwicklung der WWE seit der Attitude Era sehr genau beobachtet. Gleichzeitig schilderte er, wie sehr ihn Erinnerungen an seine Karriere noch immer begleiten.
Steve Austin hat die „Stone Cold“ Figur hinter sich gelassen
Im „Busted Open Podcast“ sprach Austin darüber, wie er sein Leben nach dem Rückzug aus dem Wrestling gemeistert hat. Während viele Legenden auch im Alltag eng mit ihrer bekannten Bildschirmfigur verbunden bleiben, erklärte Austin, dass es ihm gelungen sei, die überlebensgroße „Stone Cold“ Persönlichkeit von seinem normalen Leben zu trennen. Trotzdem schaut er sich bis heute gerne Fanbeiträge im Netz an, die ihn an frühere Zeiten erinnern.
Dazu sagte Austin: „Versteh mich nicht falsch, Mann. Auf Instagram werden all diese Memes gepostet und ich teile dann mal eins in meinen Stories, damit ich das Ganze noch einmal erleben kann. Und ich mache das nicht, um ein Egozentriker zu sein, aber die Leute machen sie nun mal, weißt du, und dafür war ich bekannt. Ich poste sie auf meinem Instagram.“
Für Austin sind diese Clips und Fan-Montagen eng mit den intensiven Jahren seiner größten WWE-Zeit verbunden. Er erinnerte sich an die Reaktionen der Zuschauer, an die Atmosphäre jener Zeit und an den besonderen Lebensstil seiner Karrierephase: „Es ist toll, sich das anzusehen und sich an die guten Zeiten, die Partys, den Zusammenhalt und einfach den Lebensstil zu erinnern. Mann, das war der beste Job, den ich je hatte.“
Gleichzeitig machte er unmissverständlich klar, dass diese Phase für ihn abgeschlossen ist: „Und es ist vorbei, und zwar schon seit langer Zeit, also habe ich es hinter mir gelassen. Aber es ist schön, zu sehen, was sie da zusammengestellt haben, und sich an die guten Zeiten zu erinnern.“ Danach fügte er hinzu: „Im Moment genieße ich das Leben auf eine andere Art und Weise.“
Damit beschrieb Austin sehr deutlich, dass er zwar mit großer Wertschätzung auf seine Karriere blickt, seinen Alltag aber inzwischen bewusst auf andere Art gestaltet. Dazu zählen Rennsport, geschäftliche Projekte und Zeit mit der Familie. Seine Vergangenheit bleibt präsent, bestimmt aber nicht mehr sein heutiges Leben.
Kein Wunsch nach einem weiteren Match und Update zur Knie-Operation
Austin sprach auch darüber, warum er keinen Drang zu einem weiteren Match verspürt. Im Gespräch kam es über AJ Styles zu einer grundsätzlichen Diskussion darüber, dass viele Wrestler nach einiger Zeit wieder Lust auf ein Comeback verspüren. Austin erklärte, dass er zwar bestimmte große Wrestling-Momente vermisse, aber eben nicht den Wunsch habe, noch einmal ein komplettes Match zu bestreiten.
Dazu sagte er: „Nein, ich würde nur gerne zu einem dieser Momente zurückkehren. Es ist kein Drang, wieder in den Ring zu steigen. Denn mit einem … ja, ich habe mir vor etwas mehr als einem Jahr ein künstliches linkes Kniegelenk einsetzen lassen, und mein Bein fühlt sich gut an – ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Aber ja, in bestimmten Momenten verspüre ich schon diesen Drang, aber zu versuchen, wieder ein Match zu bestreiten – nein.“
Im weiteren Verlauf sprach Austin auch über AJ Styles und machte deutlich, dass Erfahrung im Wrestling enorm wertvoll ist: „Aber ich freue mich, dass du sagst, AJ Styles sei mit 48 oder wie alt er auch immer ist, noch jung – denn in gewisser Weise ist er das auch. Er hat seine besten Jahre hinter sich und wird älter werden, aber so viele Leute verstehen nicht, dass man seinen Höhepunkt erst später erreicht.“
Anschließend lobte Austin Styles ausdrücklich: „Wie ich schon sagte, seine besten Jahre hat er hinter sich, aber was für eine unglaubliche Karriere er hinter sich hat! Er ist einer der fleißigsten Wrestler, die ich je gesehen habe, und ich mag den Kerl einfach total. Ich kenne ihn persönlich nicht besonders gut – wir unterhalten uns nur ab und zu –, aber er hat eine phänomenale Laufbahn hinter sich.“
Austin geht davon aus, dass Styles irgendwann selbst wieder dieses Verlangen spüren wird, von dem viele zurückgetretene Wrestler sprechen. Er formulierte das knapp mit den Worten: „Er wird noch einen (Run) beanspruchen. Er wird wieder Lust darauf bekommen.“ Für sich selbst zog Austin anschließend einen grundsätzlichen Vergleich zwischen körperlicher und geistiger Blütezeit im Wrestling: „Mit 38 bin ich in den Ruhestand gegangen, und genau dann fügt sich alles zusammen. Man hat vielleicht seine besten Jahre hinter sich, aber geistig ist man dann in Bestform, weil man so viel erlebt und aufgenommen hat und all das nun anwenden kann.“ Ergänzend sagte er: „Ich habe manchmal Lust auf kurze Momente, aber keine Lust auf ein ganzes Match.“
Austin über Erfolg in jeder Ära und den Wandel des Wrestlings
In einem weiteren Gespräch wurde Austin gefragt, ob jemand mit seiner Persönlichkeit und seinem Stil auch in der heutigen Wrestling-Landschaft denselben Erfolg haben könnte. Austin zeigte sich überzeugt, dass große Talente in jeder Zeit bestehen würden. Um das zu veranschaulichen, zog er einen Vergleich mit einem Sportstar aus einer früheren Generation.
Seine Antwort lautete: „Nun, ich hätte es wohl machen müssen. Und es ist ein bisschen so, als würde man sich alte Aufnahmen von Jim Brown ansehen, dem großartigen Runningback. Es sieht so aus, als wäre er gar nicht so schnell gewesen, aber das war er. Und er war groß und ist einfach über alle hinweggelaufen. Die Leute fragen also: ‚Könnte Jim Brown in der heutigen NFL bestehen?‘ Ja, das könnte er. Er war einfach so verdammt gut.“
Anschließend übertrug Austin diese Sichtweise direkt auf das Wrestling und sagte: „Ja, natürlich glaube ich, dass ich mich dort behaupten könnte, denn das Talent ist nun einmal vorhanden und das Niveau ist hoch. Aber wenn man es in irgendeiner Ära schaffen konnte, dann kann man es meiner Meinung nach auch in der heutigen Zeit schaffen.“
Im selben Themenfeld sprach Austin auch darüber, wie sehr sich die WWE und die gesamte Branche seit seiner aktiven Zeit verändert haben. Er verwies auf die Attitude Era als eine Phase, in der die Darsteller mehr kreative Freiheit hatten, Risiken eingingen und am Mikrofon improvisieren konnten. Austin sagte dazu: „Das war wirklich die letzte Ära der Wilden Zeiten, in der man noch auf eigene Faust handeln, alles geben, Risiken eingehen und Grenzen ausloten konnte. Man ging einfach raus und tat es, ohne Angst davor zu haben. Die Branche hat sich zu dem entwickelt, was sie heute ist.“
Austin blickte zudem auf die Zeit zurück, als er nach einer Operation an der Halswirbelsäule Anfang der 2000er Jahre zur WWE zurückkehrte. In diesem Zusammenhang berichtete er, dass sich hinter den Kulissen inzwischen einiges verändert hatte und Promos stärker vorbereitet wurden. Er schilderte, wie ihm damals erstmals ein Zettel mit einem vorgegebenen Text überreicht wurde, was ihn überraschte, da er zuvor daran gewöhnt war, seine Promos frei zu halten. Austin erinnerte sich: „Ich erinnere mich noch daran, als ich nach meiner Halswirbelsäulenversteifung zurückkam und mir jemand einen Zettel in die Hand drückte. Ich war etwa ein Jahr lang weg gewesen und fragte: ‚Mann, was ist das denn?‘ Was zum Teufel ist das denn? So was mache ich nicht.‘“
Wie Austin 3:16 entstand und warum es bis heute weiterlebt
Ein weiteres großes Thema war die bis heute legendäre „Austin 3:16“-Promo. Austin erklärte im „Busted Open Podcast“, dass er nie erwartet habe, dass dieser Satz über Jahrzehnte hinweg weiterleben und von Fans wie ein inoffizieller Feiertag gefeiert würde. Er machte deutlich, dass die Bezeichnung nicht als durchgeplanter Marketingbegriff entstanden sei, sondern ganz organisch aus der Reaktion der Fans.
Austin machte deutlich, dass ihn die Geschichte rund um „Austin 3:16“ bis heute selbst beeindruckt. Aus seiner Sicht war dieser Satz nie etwas, das gezielt als Marke, Spitzname oder großer Plan aufgebaut wurde. Vielmehr entstand die Bedeutung dieses Ausspruchs erst dadurch, dass die Fans ihn aufgegriffen und ihm diesen Status verliehen haben. Genau darin liegt für ihn auch der eigentliche Kern dieser Entwicklung. Er betonte, dass man sich einen legendären Spitznamen oder ein kulturell so prägendes Motto nicht einfach selbst geben könne.
Solche Dinge würden erst dann wirklich groß, wenn das Publikum sie annimmt, weiterträgt und mit einer Person verbindet. Austin stellte deshalb heraus, dass „3:16“ für ihn nicht nur ein bekannter Spruch ist, sondern etwas, das von den Wrestling-Fans selbst zu einem festen Bestandteil der Wrestling-Kultur gemacht wurde. Dass dieser Satz heute für viele Fans fast wie ein inoffizieller Feiertag wirke, sehe er als große Ehre und als etwas, für das er aufrichtig dankbar sei.
Gleichzeitig erklärte Austin, dass die berühmte Promo nicht das Ergebnis einer langen Vorbereitung oder einer ausgearbeiteten Strategie gewesen sei. Nach seiner Darstellung entstand dieser Moment vielmehr aus der Situation heraus. Er bekam die Gelegenheit, eine Promo zu halten, ließ seiner Kreativität freien Lauf und sprach so, wie es sich in diesem Augenblick richtig anfühlte.
Gerade diese Spontaneität sei rückblickend ein entscheidender Faktor gewesen. Austin verdeutlichte, dass er damals nicht ahnte, welche Tragweite diese Worte einmal bekommen würden. Für ihn war es in diesem Moment einfach eine Gelegenheit, etwas Eigenes daraus zu machen. Erst mit den Jahren wurde daraus einer der bekanntesten und beständigsten Sprüche der Wrestling-Geschichte. Dass dieser Moment auch mehr als drei Jahrzehnte später noch immer präsent ist und weiterhin zitiert, gefeiert und mit ihm verbunden wird, empfindet er selbst als bemerkenswert.
Darüber hinaus ging Austin auch auf die konkreten Umstände ein, unter denen diese Rede entstand, und machte klar, dass die Situation damals alles andere als gewöhnlich war. Während des Turniers hatte er sich tatsächlich verletzt und musste medizinisch versorgt werden. Er schilderte, dass er nach der Behandlung im Krankenhaus direkt wieder zurückkehrte und praktisch ohne lange Vorbereitung in diese entscheidende Szene ging.
Dadurch bekam die Promo aus seiner Sicht zusätzlich einen rohen und ungefilterten Charakter. Austin stellte heraus, dass mehrere äußere Faktoren zusammenkamen, die diesen Moment überhaupt erst möglich machten. Einerseits spielte die Verletzung und die unmittelbare Rückkehr in die Halle eine Rolle. Andererseits verwies er darauf, dass auch das, was zuvor im Segment vorgefallen war, den Boden für diese Worte bereitet hatte. Am Ende sei er einfach hinausgegangen, habe das Risiko angenommen und aus dem Moment heraus gesprochen. Genau diese Mischung aus Druck, Improvisation, Timing und spontaner Eingebung machte die Rede für ihn im Nachhinein so besonders.
Austin unterstrich in diesem Zusammenhang auch seine Stärke beim Improvisieren. Er formulierte es so: „Eine Sache, in der ich gut war – und ich will mich hier nicht selbst aufbauschen –, war das Improvisieren. Immer wenn ich die Gelegenheit hatte, etwas zu tun, das nicht im Drehbuch stand, blühte ich richtig auf, denn ich habe es immer gehasst, einem Drehbuch zu folgen oder mir irgendetwas merken zu müssen.“

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