Die Diskussion über die mögliche Fusion zwischen Paramount und Warner Bros. Discovery hat neue Fragen über die zukünftige Medienlandschaft rund um All Elite Wrestling ausgelöst. Hintergrund ist ein Übernahmeangebot von Paramount Skydance, das von Warner Bros. Discovery inzwischen als überlegenes Angebot bewertet wird. In diesem Zusammenhang wird analysiert, welche Auswirkungen eine solche Unternehmensstruktur auf bestehende Programme haben könnte.
Im „Wrestling Observer Radio“ befasste sich Dave Meltzer mit den möglichen Konsequenzen dieser Entwicklung. Ein zentraler Punkt seiner Analyse war die geplante Zusammenlegung mehrerer Streamingdienste zu einer gemeinsamen Plattform. Demnach könnten Pluto, Paramount+, HBO Max, BET+ und Discovery+ künftig Teil eines gemeinsamen Angebots werden, das weltweit rund 200 Millionen Abonnenten erreichen könnte.
Auf den ersten Blick erscheint eine solche Bündelung als Erweiterung der Reichweite für verschiedene Inhalte unter dem Dach der neuen Plattform. Meltzer verwies in diesem Zusammenhang auf die potenziellen Vorteile für Kampfsportformate: „Auf dem Papier ist das eine gute Sache für AEW und für UFC, da sich die Abonnentenbasis von HBO Max und Paramount Plus kaum überschneidet.“
Er erläuterte, dass Paramount+ weltweit etwa 79 Millionen Abonnenten zählt, während HBO Max nach seinen Angaben zwischen 135 und 140 Millionen Nutzer erreicht. Da sich die Zielgruppen beider Dienste nur in geringem Umfang überschneiden, könnte eine Zusammenführung der Plattformen theoretisch eine größere Gesamtreichweite ermöglichen.
Unterschiedliche Einordnung von AEW und UFC in strategischen Gesprächen
Im Verlauf der Diskussion verwies Meltzer auf einen Punkt, der aus seiner Sicht besonders bemerkenswert war. Während Führungskräfte in Gesprächen über Sportrechte mehrfach die Ultimate Fighting Championship erwähnten, sei All Elite Wrestling nicht im gleichen Zusammenhang genannt worden: „Als sie über die UFC sprachen, sprachen sie nicht über AEW. Sie sprachen über Sport. Und AEW wird als Unterhaltung aufgeführt, nicht als Sport.“
Diese Unterscheidung spielt laut Meltzer eine wichtige Rolle bei strategischen Entscheidungen über Programminhalte.
Ein weiterer Aspekt der Diskussion betraf die Möglichkeit, UFC-Inhalte wieder verstärkt im Kabelfernsehen zu platzieren. In diesem Zusammenhang wurde konkret über TNT und ein mögliches Programm am Samstagabend gesprochen: „Als sie über die UFC sprachen, war eines der Themen, dass sie die UFC wieder ins Kabelfernsehen bringen könnten.“
Meltzer deutete diese Aussage als mögliches Zeichen dafür, dass innerhalb des Unternehmens bereits Zweifel an der bisherigen Streamingstrategie aufgekommen sein könnten. Nach seiner Einschätzung könnte man aus der Diskussion herauslesen, dass Verantwortliche möglicherweise erkannt haben, dass die ursprüngliche Vereinbarung nicht optimal gewesen sei.
Diskussion über mögliche Auswirkungen auf AEW Collision
Die Überlegungen rund um mögliche UFC-Programme im Kabelfernsehen betreffen insbesondere einen Sendeplatz, der derzeit von All Elite Wrestling genutzt wird. Die Show AEW Collision wird aktuell samstags auf TNT ausgestrahlt, genau zu dem Zeitpunkt, der in den Gesprächen über mögliche UFC-Ausstrahlungen genannt wurde.
Vor diesem Hintergrund beschrieb Meltzer ein Szenario, das aus seiner Sicht eine besonders weitreichende Veränderung darstellen könnte: „Das schlimmste Szenario wäre, dass sie einfach sagen: ‚Hey, wir zeigen die UFC. Das wird mehr Zuschauer anziehen als AEW‘, und Collision abschaffen.“
Neben dieser Möglichkeit nannte Meltzer auch andere Varianten, etwa eine Kombination aus UFC-Programmen und anschließenden AEW-Ausstrahlungen oder eine Verlegung von Collision auf einen anderen Sendetag wie Donnerstag oder zu einem anderen Sender wie TBS. Gleichzeitig verwies er darauf, dass Unternehmensfusionen häufig mit Kostensenkungen und einer Konsolidierung von Programmen verbunden sind. In solchen Phasen geraten Sendungen mit niedrigeren Einschaltquoten stärker unter Beobachtung.
Meltzer hob jedoch auch hervor, dass AEW profitabel arbeitet und Paramount im Zuge der Fusion über Warner Bros. Discovery eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen erhalten würde. Diese Faktoren könnten Entscheidungen über das Programm komplexer machen. Dennoch wies er darauf hin, dass die öffentliche Priorisierung der UFC durch Führungskräfte Aufmerksamkeit erregt habe.
Die geplante Fusion könnte somit zwar die Reichweite von Streamingangeboten erweitern, gleichzeitig jedoch einen Wettbewerb um attraktive Sendeplätze im Kabelfernsehen auslösen. In diesem Zusammenhang könnte auch die zukünftige Position von AEW Collision bewertet werden.
Interne Reaktionen bei AEW nach Paramount-Angebot
Während öffentlich über mögliche Auswirkungen der Medienfusion diskutiert wird, zeichnet sich hinter den Kulissen von All Elite Wrestling ein vergleichsweise ruhiges Bild ab. Sean Ross Sapp von Fightful Select berichtete nach Gesprächen mit Personen innerhalb des Unternehmens, dass derzeit keine weitverbreitete Besorgnis über eine mögliche Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount herrscht.
Nach seinen Informationen betrachten viele Beteiligte den bestehenden Medienvertrag von AEW als wichtigen Stabilitätsfaktor. Dieser garantiert der Promotion noch für mehrere Jahre eine feste TV-Präsenz. Laut Sapp spielt vor allem die Laufzeit des aktuellen Vertrags eine entscheidende Rolle, da AEW vertraglich bis 2027 abgesichert ist und anschließend noch ein weiteres Optionsjahr besteht. Erst gegen Ende dieses Zeitraums dürfte entschieden werden, ob Warner Bros. Discovery und Paramount die Zusammenarbeit fortsetzen oder auslaufen lassen.
Dieser Zeitrahmen trägt laut Sapp dazu bei, dass die aktuelle Situation intern mit einer langfristigen Perspektive betrachtet wird. Entscheidungen über neue Medienrechte werden häufig erst gegen Ende eines laufenden Vertragszyklus getroffen: „Aber diese Entscheidung fiel relativ spät im Verlauf der letzten Verhandlungen. Ich gehe davon aus, dass dies auch hier der Fall sein wird, da sie zunächst alle Vorbereitungen treffen müssen.“
Vertrauen in den Programmwert von AEW
Neben der vertraglichen Absicherung spielt nach Angaben von Sapp auch die wirtschaftliche Bewertung des Programms eine Rolle. AEW liefere weiterhin solide Ergebnisse für seinen Medienpartner Warner Bros. Discovery und sei im Vergleich zu anderen Formen von Fernsehproduktionen eine relativ kostengünstige Programmoption.
Sapp erklärte außerdem, dass AEW weiterhin solide Einschaltquoten für Warner Bros. Discovery liefert. Seiner Einschätzung nach könnten nach dem Ende des aktuellen Medienvertrags in einigen Jahren im Wesentlichen zwei realistische Szenarien im Raum stehen. Eine Möglichkeit wäre eine Zusammenarbeit mit Amazon Prime, da bereits eine gute Beziehung zwischen beiden Seiten bestehe. Gleichzeitig hält er es auch für denkbar, dass Paramount+ und HBO Max künftig enger zusammenarbeiten und dabei verschiedene TV-Sender wie TBS, TNT oder Paramount eingebunden werden. In diesem Umfeld sieht Sapp weiterhin gute Chancen für eine Vertragsverlängerung von AEW, da das Programm im Vergleich zu vielen anderen Formen von wöchentlichem Fernsehinhalt als relativ kostengünstig gilt.
Sapp äußerte zudem Zweifel daran, dass eine mögliche Übernahme durch Paramount automatisch negative Folgen für AEW haben würde. In seiner Einschätzung hätten andere Szenarien sogar größere Risiken enthalten können: „Das ist böswillig. Es ist definitiv nicht schlimmer als Netflix, das möglicherweise eine Exklusivvereinbarung mit der WWE hat, wodurch AEW ausgeschlossen würde. Wir wissen, dass Paramount keine Exklusivvereinbarung mit der WWE hat.“
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