Nia Jax hat in den vergangenen Jahren eine tiefgreifende körperliche und persönliche Veränderung durchlaufen. Im Gespräch mit Chris Van Vliet in dessen Podcast „Insight“ sprach die WWE-Wrestlerin offen über ihre Fitnessreise, den bewussten Umgang mit ihrem Gewicht, ihre Darstellung im WWE-TV sowie über prägende Ereignisse ihrer Karriere, die bis heute diskutiert werden. Dabei gewährte Jax detaillierte Einblicke in ihre Erfahrungen und Entscheidungen, ohne Themen auszuklammern, die öffentlich teils kontrovers wahrgenommen wurden.
100 Pfund Gewichtsverlust als Teil einer dreijährigen Fitnessreise
Im Rückblick auf ihre Entwicklung erklärte Nia Jax, dass ihre körperliche Transformation bereits vor drei Jahren begann. In dieser Zeit verlor sie nach eigenen Angaben rund 100 Pfund (ca. 45 kg). Sie betonte, dass viele Menschen diesen Abschnitt ihrer Karriere nie bewusst wahrgenommen hätten, da sie während ihrer schwersten Phase weder regelmäßig im WWE-TV präsent gewesen war noch aktiv soziale Medien genutzt hatte: „Es ist lustig, denn gerade habe ich es einer der Mädchen erzählt, und sie sagten: ‚Das gibt’s doch nicht!‘, weil sie mich nie in meiner schwersten Zeit gesehen hatten. Meine Fitnessreise begann vor drei Jahren. Seitdem habe ich 100 Pfund abgenommen.“
Jax führte weiter aus, dass ihr damaliges Gewicht für viele Fans unsichtbar geblieben sei: „Nicht viele Leute haben mich gesehen, als ich so dick war, weil ich nicht wirklich hier gearbeitet und versucht habe, mich aus dem Internet fernzuhalten.“
Mittlerweile hat Nia Jax wieder ein Gewicht erreicht, das sie bereits zu Beginn ihrer WWE-Karriere bei NXT hatte. Nach eigenen Angaben schließt sich damit für sie ein persönlicher Kreis, da sie dieses Gewicht damals nie dauerhaft halten konnte und es erst jetzt stabil erreicht hat.
Warum sie kein Problem mit der öffentlichen Gewichtsansage hatte
Im weiteren Gesprächsverlauf erklärte Nia Jax, weshalb sie kein Problem damit hatte, dass WWE ihr Gewicht öffentlich ankündigte, obwohl dies bei Frauen im Wrestling eher unüblich ist. Sie stellte klar, dass diese Entscheidung nicht ohne ihr Wissen getroffen wurde und WWE sie im Vorfeld gefragt habe: „Ich weiß, dass viele Leute völlig ausgerastet sind und meinten, wie man es wagen könne, mein Gewicht anzusagen. Mir war das egal. Die Idee dahinter war einfach, zu zeigen: Sie ist schwer, aber so schwer ist sie wirklich.“
Jax erläuterte, dass sie selbst in ihrer schlankesten Phase noch ein vergleichsweise hohes Gewicht gehabt habe und dies bewusst Teil ihrer Darstellung gewesen sei: „Ich war schon immer eine schwerere Frau. Selbst auf Bildern aus meiner schlankesten Zeit würdest du nicht glauben, dass ich damals etwa 225 Pfund (ca. 102 kg) gewogen habe. Zu diesem Zeitpunkt war ich schwerer als Roman Reigns und sogar schwerer als alle Shield Mitglieder.“
Zum Zeitpunkt ihrer offiziellen Ankündigung wurde sie mit rund 270 Pfund (ca. 122 kg) vorgestellt. Ihre Athletik wurde trotz dieses Gewichts hervorgehoben: „Der Gedanke war also, dass es beeindruckend ist, dieses Gewicht zu haben und sich trotzdem so bewegen zu können.“
Als Vergleich nannte sie Yokozuna, dessen Beweglichkeit bei hohem Körpergewicht auch von Vince McMahon stets als besonders beeindruckend angesehen worden sei. Wann WWE damit aufgehört habe, ihr Gewicht anzusagen, könne sie selbst nicht mehr genau sagen. Für sie sei das Thema jedoch nie negativ gewesen.
Die überraschende Teilnahme am Men’s Royal Rumble
Einen besonderen Platz in ihren Erinnerungen nimmt ihre Teilnahme am Men’s Royal Rumble ein. Jax schilderte detailliert, wie kurzfristig sie davon erfuhr und wie ungeplant sich die Situation entwickelte: „An diesem Tag hatten wir Proben für den Women’s Rumble, denn am Ende standen Becky, Charlotte und ich auf der Bühne. Die Türen öffneten sich, und wir waren, glaube ich, in Arizona. Ich ging zurück, und Johnny Ace sagte: ‚Hey, Kleine, du musst weiter proben.‘“
Erst kurz darauf sei ihr mitgeteilt worden, dass sie Teil des Men’s Royal Rumble sein würde. Zunächst habe sie geglaubt, es handele sich um einen Scherz. Erst während der Proben mit R-Truth wurde ihr klar, dass der Plan ernst gemeint war. Sie erklärte außerdem, dass sie erst sehr spät erfuhr, mit welchen Wrestlern sie im Ring arbeiten würde: „Ja, es war Andrade. Es waren Ali, Randy, Rey und Dolph.“
Besonders nervös sei sie wegen des geplanten RKOs von Randy Orton gewesen: „Ich war nervös, denn ich wollte seinen RKO nicht vermasseln.“
Orton habe sie jedoch beruhigt und ihr genaue Anweisungen gegeben. Rückblickend bezeichnete Jax diesen Moment als einen der größten ihrer Karriere und betonte, dass keiner der beteiligten Wrestler dazu verpflichtet gewesen sei, diesen Spot mit ihr umzusetzen.
Der Ursprung des „My H*le“-Moments
Auch ein inzwischen viel zitierter Moment aus einem Tischmatch wurde thematisiert. Nia Jax erklärte, dass die entsprechende Bemerkung ursprünglich als lockerer Kommentar gedacht gewesen sei und aus einem scherzhaften Austausch im Vorfeld der Show entstanden sei. Aufgrund der besonderen Umstände während der Pandemie, als keine Zuschauer anwesend waren, sei diese Äußerung im TV deutlich zu hören gewesen.
Nach eigener Darstellung habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet, dass die Szene eine so große Aufmerksamkeit erlangen würde. Erst im Nachhinein sei ihr bewusst geworden, wie stark dieser Moment aufgegriffen und verbreitet wurde. Die anschließende Reaktion im Backstagebereich habe sie überrascht, ebenso wie die Überlegungen, diesen Moment später auch in Form von Merchandise aufzugreifen.
Die Mobbing-Storyline mit Alexa Bliss
Zur viel diskutierten Mobbing-Storyline mit Alexa Bliss erklärte Jax, dass ihr die Umsetzung trotz des schwierigen Themas wichtig gewesen sei. Sie betonte, dass beide Wrestlerinnen bewusst versucht hätten, die Geschichte glaubwürdig zu erzählen: „Ich meine, es ist schon etwas Besonderes; jeder wurde bereits einmal in seinem Leben gemobbt oder verletzt, und ich finde, dass man aus solchen Momenten etwas mitnehmen kann.“
Jax verwies darauf, dass sie selbst aufgrund ihrer Größe und ihres Aussehens schon früh Erfahrungen mit Spott gemacht habe, weshalb es ihr nicht schwergefallen sei, auf diese Emotionen zurückzugreifen.
Der Schlag gegen Becky Lynch und die Folgen
Besonders ausführlich sprach Nia Jax über den Moment, in dem sie Becky Lynch tatsächlich hart traf. Sie schilderte detailliert, wie es dazu kam und welche Unsicherheit danach folgte: „Ich habe in dem Moment, als ich sie schlug, ein leichtes [Kontaktgefühl] an meinen Knöcheln gespürt und dachte mir: Schei*e.“
Sie erklärte, dass ihr in der Hitze des Gefechts nicht bewusst gewesen sei, wen sie getroffen habe, und dass sie erst später das Ausmaß der Verletzung erkannte. Auch die Reaktion von Vince McMahon beschrieb sie ausführlich: „Das (Wrestling) ist kein Ballett, so etwas passiert eben.“
Nach eigenen Angaben sei sie davon ausgegangen, dass dieser Vorfall schwerwiegende Konsequenzen für ihre Karriere haben könnte. Letztlich sei jedoch kurzfristig sogar das Finish bei der Survivor Series geändert worden.
Aus heutiger Sicht ordnet sie diese Erfahrungen als Teil ihrer Entwicklung ein und betont, dass sie sowohl körperlich als auch mental gestärkt aus dieser Phase hervorgegangen ist.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar