CM Punk rechnet mit Fan-Kultur ab und spricht über John Cena, WWE Unreal und die Grenzen der Öffentlichkeit

CM Punk blickt in die Kamera und spricht Klartext

CM Punk hat sich in mehreren aktuellen Interviews ungewöhnlich offen über moderne Fan-Kultur, den Umgang mit Wrestling-Stars, soziale Medien und die wachsende Vermischung von Realität und Inszenierung geäußert. In Gesprächen bei „Busted Open Radio“ sowie „My Mom’s Basement“ sprach der WWE-Star über Online-Wut, unrealistische Erwartungen vieler Fans, den Abschied von John Cena, das umstrittene Match-Finish gegen GUNTHER sowie über seine Haltung zur WWE-Reality-Serie WWE Unreal. Dabei machte Punk deutlich, dass Transparenz für ihn klare Grenzen hat.

Kritik an extremer Online-Negativität

Im Interview bei „Busted Open Radio“ vom 7. Januar 2026 wandte sich CM Punk deutlich gegen die zunehmende Schwarz-Weiß-Mentalität vieler Online-Diskussionen. Seiner Ansicht nach werde Wrestling kaum noch differenziert betrachtet, sondern fast ausschließlich in Extreme eingeteilt: „Heutzutage ist alles entweder ‚das Beste, was es je gab‘ oder ‚das Schlimmste, was es je gab‘. Es ist so, als würde man sagen: ‚Ich mag es nicht, also darfst du es auch nicht mögen.‘“

Punk erklärte, dass diese Haltung nicht nur konstruktive Gespräche verhindere, sondern gezielt einzelne Performer treffe, unabhängig davon, wie sie live vom Publikum wahrgenommen würden.

Jey Uso und die Kluft zwischen Arena und Internet

Als konkretes Beispiel führte Punk Jey Uso an. Während er in den Arenen konstant starke Reaktionen erhalte, werde er online häufig massiv kritisiert: „Jey Uso und ich kämpfen in jeder Arena mit John Cena darum, wer an einem bestimmten Abend mehr T-Shirts verkauft. Alle sind verrückt nach seiner Musik. Sie jubeln ihm zu. Sie wollen, dass er wieder antritt. Aber wenn man ins Internet geht, heißt es: ‚Oh, er ist der schlechteste Wrestler überhaupt.‘“ Ist er das? Oder wird einfach nur extrem übertrieben?“

Punk betonte, dass er selbst versuche, sich von dieser Negativität nicht beeinflussen zu lassen: „Mag, was dir gefällt. Steh dazu. Ich versuche, mich von Negativität fernzuhalten.“

Öffentliche Personen und digitale Schadenfreude

Darüber hinaus sprach Punk über den besonderen Druck, dem Wrestler und andere öffentliche Personen ausgesetzt seien. Fehler oder Schwächen würden online nicht relativiert, sondern bewusst ausgeschlachtet: „Wir leben einfach ein Leben, das so öffentlich ist, dass jeder mit dem Finger auf uns zeigen und lachen will, wenn wir auf einer Bananenschale ausrutschen oder einen Fehler machen.“

Diese Beobachtung zog sich wie ein roter Faden durch seine Aussagen und bildet auch die Grundlage für seine Kritik an aktuellen Fan-Dynamiken.

Wut über Fantasie-Bookings und Gerüchte

In einem weiteren Gespräch bei „My Mom’s Basement“ kritisierte CM Punk Fans, die sich über Inhalte empören, nur weil diese nicht ihren eigenen Vorstellungen entsprechen. Dabei zog er Vergleiche zu anderen Popkultur-Fandoms, unter anderem rund um „Stranger Things“.

„Ich weiß nicht, ob das einfach nur eine Art Fan-Kultur ist oder ob ich einfach zu alt geworden bin, um das zu verstehen. Ich verstehe es jedenfalls nicht. Ich sehe das beim Wrestling. Ich sehe das bei Fandoms wie Stranger Things. Die Leute scheinen einfach über alles wütend sein zu wollen, weil es nicht so gekommen ist, wie sie es sich in ihrer Fantasie ausgemalt haben. Das ist eine leichte psychische Störung.“

Besonders kritisch äußerte er sich über Fans, die angeblichen Insider-Informationen blind vertrauen: „Hey, ich habe Tickets für diese Wrestling-Show gekauft, dann schaue ich auf X und Wrestling-Journalist 345678910 berichtet, dass es einen großen Überraschungsgast geben wird, und ich gehe zu dieser Show und es gibt keinen großen Überraschungsgast und ich verbringe ungesund viel Zeit damit, mich online darüber zu beschweren.“

Verteidigung von John Cenas letztem Match

Im selben Zusammenhang äußerte sich Punk auch zum umstrittenen letzten WWE-Match von John Cena gegen GUNTHER. Das Finish hatte unter Fans intensive Diskussionen ausgelöst, die Punk nur teilweise nachvollziehen konnte: „Ich fand es großartig. Ich war extrem glücklich darüber, aber die Leute haben nun mal ihre Meinungen.“

Über die Kritik an der Inszenierung sagte er: „Es ist genauso wie beim Finish von John Cena gegen Gunther. Bei manchen Leuten glaube ich ehrlich gesagt, dass sie gar nicht verstehen, was sie da sehen.“

CM Punk machte deutlich, dass ein Teil der Kritik seiner Ansicht nach daraus entsteht, dass manche Zuschauer vor allem auf das Ergebnis oder auf bestimmte Erwartungen an ein Match schauen und dabei übersehen, was mit der Inszenierung und dem Finish eigentlich erzählt werden sollte. Er betonte jedoch gleichzeitig, dass es völlig legitim sei, wenn einem diese Art des Storytellings trotzdem nicht gefällt. Auch wer die Idee hinter dem Finish versteht, muss es nicht automatisch gut finden.

Unverständnis zeigte Punk jedoch für die Intensität der Reaktionen.

„Aber es über Nacht zu deiner gesamten Persönlichkeit zu machen und ungesund viel Zeit damit zu verbringen, darüber zu reden. Ich sage es mal so: Hätte John gewonnen, wären sie darüber genauso wütend gewesen. Aber wir würden heute nicht mehr darüber sprechen.“

Für Punk war gerade das Ende ein passender Schlusspunkt: „Aber genau das tun wir. Das Lächeln. Das Abklopfen. ‚Oh mein Gott!‘ Der Typ, der immer gesagt hat: ‚Gib niemals auf‘, hat aufgegeben. Aber hat er das wirklich? Ich empfand es als wunderschön.“

WWE Unreal und persönliche Grenzen hinter den Kulissen

Im Interview bei „Busted Open Radio“ sprach CM Punk auch über seine Haltung zur Reality-Serie WWE Unreal, die Fans Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Dabei machte er deutlich, dass es Situationen gebe, die nicht für Kameras bestimmt seien: „Es gibt definitiv Aspekte, die ich nicht möchte, dass andere sehen. Deshalb sage ich ihnen, dass sie das nicht filmen sollen. Ich gehe in einen Raum und sage: ‚Nicht jetzt.‘“

Punk unterstrich damit seinen Anspruch, selbst über seine Privatsphäre zu entscheiden.

Lob für die Darstellung von Charlotte Flair

Trotz seiner Vorbehalte fand Punk positive Worte für einzelne Elemente der Serie, insbesondere für die Darstellung von Charlotte Flair: „Was meiner Meinung nach in der ersten Staffel besonders gut gelungen ist, war, einige der Figuren menschlicher zu machen. Ich finde, Charlotte wurde in der ersten Staffel wirklich sehr gut menschlich dargestellt.“

Dabei hob er hervor: „Sie steht im Rampenlicht und ist wie wir alle. Wir machen Fehler, und diese werden sehr öffentlich gemacht.“

Realität, Rollenbilder und soziale Medien

Punk kritisierte zudem, dass viele Fans Schwierigkeiten hätten, zwischen TV-Charakter und realer Person zu unterscheiden: „Wenn ich als CM Punk im Fernsehen gemeine Dinge getan habe, drehen sich die Leute im echten Leben zu mir um und sagen es mir, so als wäre es eine Art Entlarvung. Und ich denke mir nur: Das ist eine TV-Show.“

Er nahm zudem erneut selbst ernannte Insider ins Visier: „Viele Fans regen sich heutzutage auf und glauben jemandem, der sich als Journalist oder Insider bezeichnet und genauso viel weiß wie sie selbst.“

Er ergänzte: „So nach dem Motto: ‚Oh, ich kenne die Fachsprache.‘ Das bedeutet aber nicht, dass man mit uns reden kann.“

Abstand von Social Media als Konsequenz

Als persönlichen Umgang mit dieser Entwicklung nannte Punk einen bewussten Rückzug aus sozialen Netzwerken: „Bleibt Twitter/X fern. So wie ich.“

Damit machte CM Punk deutlich, dass er bestimmte Teile seines Lebens schützen möchte und erwartet, dass Fans Wrestler als Menschen wahrnehmen und nicht ausschließlich als Figuren zur öffentlichen Analyse.

3 Kommentare

  1. Zustimmung zu 100%

    „Heutzutage ist alles entweder ‚das Beste, was es je gab‘ oder ‚das Schlimmste, was es je gab‘. Es ist so, als würde man sagen: ‚Ich mag es nicht, also darfst du es auch nicht mögen.“

    Nährboden für Gewissen Parteien.. die freut es

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