Führungskräfte von Endeavor rechneten früh mit Vince McMahons Rückkehr

Vince McMahon im WWE-Hauptquartier

Führungskräfte des Medienkonzerns Endeavor gingen bereits früh davon aus, dass Vince McMahon nach seinem öffentlichen Rücktritt im Jahr 2022 zur WWE zurückkehren würde. Das geht aus einem ausführlichen Bericht von Brandon Thurston hervor, der über POST Wrestling veröffentlicht und später von Fightful aufgegriffen wurde. Demnach sei intern bereits während des Übernahmeprozesses im Jahr 2023 damit gerechnet worden, dass McMahon wieder eine aktive Rolle einnehmen werde.

Interne Einschätzung nach McMahons Rücktritt 2022

Nachdem Vince McMahon im Jahr 2022 infolge von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, soll ein hochrangiger Endeavor-Manager seinen Kollegen noch am selben Tag signalisiert haben, dass dieser Rückzug lediglich vorübergehend sei. Diese Einschätzung spiegelte offenbar die Erwartung wider, dass McMahon langfristig wieder Einfluss auf das Unternehmen nehmen würde, unabhängig von seiner öffentlichen Abwesenheit.

Textnachricht von Mark Shapiro an die Endeavor-Spitze

Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine Textnachricht von Mark Shapiro, Präsident von Endeavor und Chief Operating Officer von TKO Group Holdings, die nach McMahons Rücktritt an Ari Emanuel sowie weitere Führungskräfte gesendet wurde. In dieser Nachricht wurde ausgeführt, dass Nick Khan und Stephanie McMahon die WWE für mehrere Monate führen würden, ehe Vince McMahon entweder mit einem neuen Vorstand zurückkehren, das Unternehmen privatisieren oder einen Verkauf vorantreiben werde. POST Wrestling legte im Zuge der Berichterstattung fotografische Belege dieser Nachricht vor.

Rückkehr in den Vorstand und Rolle als Mehrheitsaktionär

Weniger als sechs Monate nach seinem Rücktritt kehrte Vince McMahon offiziell in den WWE-Vorstand zurück. Dies geschah, nachdem er seine überlegenen Stimmrechte als Mehrheitsaktionär genutzt hatte, um sich erneut in eine Führungsposition zu bringen. Dieser Schritt markierte den Beginn des Verkaufsprozesses, der schließlich zur Übernahme der WWE durch Endeavor führte.

Offenlegung im Rahmen der Aktionärsklage

Die Textnachricht von Mark Shapiro wurde im Zuge einer Aktionärsklage vor dem Delaware Chancery Court öffentlich gemacht. Die Kläger werfen Vince McMahon vor, seine rechtlichen und ethischen Pflichten gegenüber den Aktionären verletzt zu haben, indem er den Verkaufsprozess primär dazu genutzt habe, seine eigene Machtposition zu sichern. Nach Darstellung der Kläger habe McMahon nicht im besten Interesse der Aktionäre gehandelt.

Kontakte zwischen Vince McMahon und Ari Emanuel

Im Verlauf des Jahres 2022 standen Vince McMahon und Ari Emanuel weiterhin in regelmäßigem Kontakt. In einer bekannten Textnachricht erklärte Emanuel gegenüber McMahon, er werde dessen „bester Partner“ sein. Die Kläger sehen hierin einen Beleg für eine enge Beziehung, die McMahons Verbleib im Unternehmen nach dem Verkauf an Endeavor begünstigt habe. McMahon wies diese Darstellung zurück und bestritt, dass persönliche Beziehungen den Verkaufsprozess beeinflusst hätten.

Rolle von Nick Khan, Paul Levesque und weiteren Führungskräften

Neben Vince McMahon werden auch WWE-Präsident Nick Khan und Chief Content Officer Paul Levesque sowie die früheren Vorstandsmitglieder George Barrios und Michelle Wilson in der Klage genannt. Ihnen wird vorgeworfen, McMahons Vorgehen zur Sicherung seiner Macht unterstützt zu haben. Alle genannten Personen werden von einem externen Anwalt im Auftrag von TKO vertreten, während McMahon einen eigenen Rechtsbeistand hat. Anfragen von POST Wrestling an WWE, TKO und McMahons Vertreter blieben unbeantwortet.

Dokumentierte kreative Diskussionen innerhalb der WWE

Teil der Gerichtsunterlagen ist auch ein Textnachrichten-Austausch, den Vince McMahon an Nick Khan weiterleitete. Darin ging es um kreative Planungen für das Match um die Undisputed WWE Championship zwischen Roman Reigns und Cody Rhodes bei WrestleMania 39. Die Nachrichten zeigen eine interne Abstimmung zwischen McMahon, Paul Levesque und Bruce Prichard über den Informationsstand der beteiligten Wrestler.

Kritik an Nutzung der Messenger-App Signal

Im Fokus der Kläger steht weniger der kreative Einfluss McMahons, sondern vielmehr die Verlagerung sensibler Führungskommunikation auf die Chat-App Signal, die über eine automatische Löschfunktion verfügt. Nach Auffassung der Aktionäre könnten dadurch relevante Inhalte nicht ordnungsgemäß archiviert worden sein, was im Kontext von Fusionen und Übernahmen problematisch wäre. Das Gericht soll daher mehrere Führungskräfte angewiesen haben, vorhandene Nachrichten zu sichern. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.

Boni nach Abschluss des TKO-Deals

Nach dem Abschluss des TKO-Deals im September 2023 erhielten Nick Khan und Paul Levesque Bonuszahlungen in Millionenhöhe. Die Kläger argumentieren, diese finanziellen Anreize hätten dazu beigetragen, McMahons Plan zur Sicherung seiner Position aktiv zu unterstützen.

Rücktritt 2024 nach weiterer Klage

Die Fusion von WWE und UFC unter dem Dach von TKO sicherte Vince McMahon zunächst eine lebenslange Position im Unternehmen zu. Diese endete im Januar 2024, als McMahon erneut zurücktrat. Auslöser war eine Klage der ehemaligen WWE-Mitarbeiterin Janel Grant, die schwere Vorwürfe gegen McMahon, WWE und John Laurinaitis erhob. Laurinaitis wurde später aus dem Verfahren ausgeschlossen, nachdem er sich bereit erklärt hatte, Beweise für Grants Klage vorzulegen.

Ausblick auf den weiteren Verlauf des Rechtsstreits

Sollten die Kläger in der Aktionärsklage Erfolg haben, könnten finanzielle Schadensersatzforderungen im Namen der betroffenen Aktionäre und Finanzinstitute geltend gemacht werden. Die Verhandlung zur Fusionsklage ist derzeit für Juni 2026 angesetzt.

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