TKO-Fusion unter Druck: Gericht ordnet Herausgabe sensibler WWE-Dokumente an

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Ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware hat die Führungsebene von WWE dazu verpflichtet, im Rahmen eines laufenden Aktionärsverfahrens umfangreiche Unterlagen offenzulegen. Die Entscheidung betrifft Dokumente, die zuvor im Zusammenhang mit bundesstaatlichen Ermittlungen gegen Vince McMahon an das US-Justizministerium sowie an die Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission übermittelt worden waren. Das Verfahren steht im direkten Zusammenhang mit der Fusion zwischen WWE und UFC zur heutigen TKO Group Holdings.

Richter weist Einwände der WWE-Führung zurück

Der zuständige Richter J. Travis Laster vom Delaware Court of Chancery ordnete an, dass die beklagten Direktoren und Führungskräfte die angeforderten Unterlagen vorlegen müssen. Betroffen sind unter anderem WWE-Präsident Nick Khan sowie Chief Content Officer Paul Levesque. Die Argumente der Beklagten, wonach die Dokumente entweder bereits eingereicht worden seien, keinen Bezug zum Verfahren hätten oder zu spät angefordert worden seien, ließ das Gericht nicht gelten.

Nach Auffassung des Richters besteht ein enger und direkter Zusammenhang zwischen den Ermittlungen gegen Vince McMahon und der Frage, aus welchen Motiven heraus die Fusion mit Endeavor vorangetrieben wurde. In seiner schriftlichen Begründung stellte Laster fest, dass die Relevanz der Ermittlungen für McMahons persönliche Beweggründe offensichtlich sei.

Hintergrund der Bundesermittlungen gegen Vince McMahon

Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Enthüllungen aus dem Jahr 2022 über millionenschwere Geheimhaltungsvereinbarungen, die Vince McMahon mit ehemaligen Mitarbeiterinnen abgeschlossen hatte. In der Folge nahmen sowohl das US-Justizministerium als auch die Securities and Exchange Commission Untersuchungen auf. Während die SEC ihre Ermittlungen später mit einer finanziellen Einigung abschloss, führte das Verfahren des Justizministeriums zu keiner Anklage.

Im Rahmen der SEC-Untersuchung verpflichtete sich Vince McMahon, WWE einen Betrag von 1,3 Millionen US-Dollar zurückzuzahlen und zusätzlich eine Geldstrafe in Höhe von 400.000 US-Dollar an die US-Regierung zu leisten. McMahon hat sämtliche Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens stets zurückgewiesen.

Aktionäre stellen Motive der Fusion infrage

Die Kläger in dem Verfahren vertreten eine Gruppe von Aktionären, die zum Zeitpunkt der Fusion WWE-Aktien hielten. Sie argumentieren, dass die Bundesermittlungen gegen Vince McMahon eine zentrale Rolle bei der Entscheidung gespielt hätten, WWE nicht frei am Markt zu veräußern, sondern gezielt mit Endeavor zu fusionieren. Aus Sicht der Kläger sei die Transaktion so gestaltet worden, dass McMahon trotz des Skandals seine Position und seinen Einfluss innerhalb des neu gegründeten Unternehmens sichern konnte.

In der Klageschrift wird zudem auf McMahons persönliche Beziehung zu Ari Emanuel, dem heutigen CEO und Vorsitzenden von TKO, verwiesen. Diese Verbindung habe laut Klägern maßgeblich dazu beigetragen, dass McMahon auch nach der Fusion im Unternehmen verblieb. McMahon selbst weist diese Darstellung zurück.

Streit um Umfang und Besitz der Unterlagen

Im Mittelpunkt des aktuellen Verfahrens steht die Frage, welche Dokumente WWE und TKO tatsächlich vorlegen müssen. Die Beklagten erklärten, dass sie bereits eine interne Suche durchgeführt und dabei zusätzliche relevante Mitteilungen identifiziert hätten, die bislang noch nicht übermittelt worden seien. Diese sollten nach Angaben der Anwälte zeitnah eingereicht werden. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht.

Laster ordnete an, dass WWE nicht nur Unterlagen offenlegen muss, die sich unmittelbar im Besitz des Unternehmens befinden, sondern auch solche, die von externen Beratern verwahrt werden. Dazu zählen unter anderem Kanzleien und Beratungsfirmen, die sowohl an der internen Untersuchung zu Vince McMahon als auch am Fusionsprozess beteiligt waren. Sollte ein Vertreter die Kontrolle über entsprechende Dokumente oder Kommunikationsinhalte haben, seien diese ebenfalls zu beschaffen und den Klägern vorzulegen.

Gericht sieht Anträge als gerechtfertigt an

Der Richter bewertete die Einwände der WWE-Beklagten deutlich. Die Behauptung, relevante Unterlagen seien bereits vollständig vorgelegt worden, erscheine weit hergeholt. Auch das Argument, die Anträge seien verspätet gestellt worden, sei widerlegt worden. Zudem stellte Laster klar, dass der Umfang der geforderten Unterlagen weder unverhältnismäßig noch übermäßig belastend sei. Eine Anfrage diesbezüglich um Stellungnahme an die Pressestellen von WWE und TKO blieb bislang unbeantwortet.

Weitere Streitpunkte zur Beweissicherung

Unabhängig von der aktuellen Anordnung bestehen weiterhin offene Fragen zur Sicherung von Beweismitteln. Die Kläger äußerten Bedenken hinsichtlich einer möglichen Löschung oder eines Verlusts relevanter Kommunikationsdaten. Dabei wurde insbesondere die Nutzung der Messaging-App Signal thematisiert, die über eine automatische Löschfunktion verfügt.

In diesem Zusammenhang beantragten die Kläger, dass Nick Khan, Paul Levesque, Ari Emanuel sowie der frühere WWE-Offizielle Brad Blum Screenshots zur Nutzung der App vorlegen sollen, um nachvollziehen zu können, welche Kommunikationsinhalte möglicherweise nicht mehr existieren.

Verfahren mit langer Vorgeschichte

Bereits im Juni des Vorjahres hatte Richter Laster einen früheren Streit um die Offenlegung von Beweismitteln entschieden. Damals wurde Vince McMahon verpflichtet, zusätzliche Unterlagen im Zusammenhang mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens vorzulegen. Auch diese Entscheidung wurde mit der Relevanz der Dokumente für das Verständnis der Fusionsmotive begründet.

Viele der Akten in dem aktuellen Verfahren sind derzeit ganz oder teilweise versiegelt. Anfang Dezember reichte ein Reporter eine formelle Klage ein, um eine Begründung für die Geheimhaltung zu erzwingen. Das Gericht setzte Fristen, nach denen bis zum 23. Dezember 2025 öffentliche Versionen der Unterlagen vorgelegt und bis zum 30. Dezember 2025 Argumente für eine weitere vertrauliche Behandlung eingereicht werden müssen.

Ausblick auf den weiteren Verlauf

Die Hauptverhandlung in dem Aktionärsverfahren ist derzeit für Juni 2026 angesetzt. Sollte das Gericht zugunsten der Kläger entscheiden, könnte festgestellt werden, dass Vince McMahon sowie weitere damalige Vorstandsmitglieder ihre Treuepflichten gegenüber den Aktionären verletzt haben. In diesem Fall kämen finanzielle Entschädigungen oder andere rechtliche Maßnahmen in Betracht.

Parallel dazu ist weiterhin eine separate Zivilklage der ehemaligen WWE-Mitarbeiterin Janel Grant vor einem Bundesgericht in Connecticut anhängig. In diesem Verfahren wirft sie Vince McMahon unter anderem Sexhandel vor und beschuldigt WWE, sein Verhalten ermöglicht zu haben. Eine Entscheidung über den Zugang zu Beweismitteln im Zusammenhang mit einer Schlichtungsklausel steht dort noch aus.