Nach John Cenas finalem Match ist eine der bedeutendsten In-Ring-Karrieren der WWE-Geschichte zu Ende gegangen. Während Fans und Wegbegleiter auf Titelgewinne, Rekorde und ikonische Momente zurückblickten, richtete sich der Fokus vieler WWE-Talente auf einen anderen Teil seines Vermächtnisses. Aussagen von Finn Bálor und Kendall Gray machten deutlich, dass Cenas Einfluss weit über das Geschehen im Ring hinausging und vor allem im täglichen Umgang hinter den Kulissen spürbar war.
Finn Bálor über John Cena als Anführer im WWE-Locker Room
Finn Bálor, der 2016 von NXT in das Main Roster berufen wurde, erinnerte sich nach Cenas Karriereende offen an seine ersten Eindrücke bei WWE. Rückblickend erklärte er, dass er Cenas Verhalten zunächst für den allgemeinen Standard hielt: „Was mir an John und den ersten Jahren bei der WWE am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist, dass ich dachte, das sei ganz normal“, sagte Bálor. „Ich kam mit viel Wrestling-Erfahrung zur WWE, hatte aber keine WWE-Erfahrung und verstand nicht wirklich, wie hart und rücksichtslos es hinter den Kulissen zugehen kann.“
Besonders prägend sei für ihn gewesen, wie Cena seine Rolle an der Spitze ausfüllte: „Als ich 2016 aufgenommen wurde, war John natürlich an der Spitze und er war so etwas wie der Anführer in der Umkleidekabine und hinter den Kulissen. Er ging mit gutem Beispiel voran und nicht mit Angst und Drohungen. Er war einfach ein wirklich, wirklich guter Anführer, zu dem alle aufschauten und den sie für seine Arbeitsmoral respektierten und bewunderten.“
Mit zunehmender Zeit bei WWE habe Bálor erkannt, dass diese Erfahrung keineswegs selbstverständlich gewesen sei: „Ich dachte: Wow, diese WWE-Jungs sind wirklich sehr, sehr professionell. Ich kann kaum glauben, dass es so einfach ist. Ich komme hierher als Neuling, der möglicherweise eine Bedrohung für ihre Position darstellt, und der Hauptdarsteller ist einfach so cool. Wow, ich kann es kaum glauben.“
Bálor erklärte, dass er zunächst davon ausgegangen sei, dass es bei WWE Intrigen oder politische Spielchen gebe. Er habe zuvor viele negative Geschichten gehört, doch seine ersten Eindrücke hätten dieses Bild nicht bestätigt. Erst später habe er erkannt, dass diese Erfahrung vor allem an John Cena gelegen habe. Rückblickend stellte er klar, dass sich seine Annahme als falsch herausgestellt habe und dieser respektvolle Umgang keineswegs überall üblich sei, sondern im Wesentlichen auf Cena zurückzuführen war.
Im Rückblick wurde ihm bewusst, wie außergewöhnlich Cenas Haltung tatsächlich war: „Es gibt nur einen John Cena. Es gibt nur einen 17-fachen Champion, zukünftigen Hall of Famer. Aber niemand genießt so viel Respekt wie er und gibt gleichzeitig so viel Respekt zurück. Ich habe naiv gedacht, dass alle WWE-Superstars so sein würden, aber nach 10 oder 11 Jahren habe ich festgestellt, dass das nicht der Fall ist.“
Bálor betonte abschließend, wie dankbar er für den Umgang Cenas mit ihm sei: „Das hat mich noch dankbarer dafür gemacht, wie John mich behandelt hat, als ich zur WWE kam, und dafür werde ich ihm immer dankbar sein.“
Gemeinsame Abschiedsmomente als besondere Karrierehöhepunkte
In den letzten Monaten vor Cenas endgültigem Abschied stand Bálor mehrfach gemeinsam mit ihm im Ring. Dazu zählte auch Cenas letztes Match im Madison Square Garden: „Ich war total überrascht, dass ich an seinem letzten Match im M.S.G. teilnehmen durfte. Das war eine große Ehre und hat mir viel Spaß gemacht, vor allem, weil drei irische Jungs in New York City dabei waren.“
Auch Cenas letzter Auftritt bei einem Premium Live Event im Rahmen der Survivor Series WarGames blieb Bálor besonders in Erinnerung: „Bei Survivor Series dabei zu sein und daran teilzunehmen, war nicht nur für John ein großer Moment, da es sein letztes Premium Live Event Match war, sondern auch für Dom, der in seiner Heimatstadt im Stadion seines Lieblingsbaseballteams gegen John Cena antrat. Es war für beide ein riesiges Ereignis.“
Bálor erklärte, dass selbst kurz vor dem Auftritt noch nichts endgültig festgestanden habe. Zwar sei er einige Tage zuvor darauf hingewiesen worden, dass ein Einsatz möglich sei, doch bei WWE könne sich bis zum letzten Moment alles ändern. Erst als der Tag näher rückte, habe er langsam realisiert, dass es tatsächlich passieren könnte und er womöglich wirklich Teil dieses besonderen Moments sein würde.
Der Abend habe für ihn einen besonderen Stellenwert behalten: „Es war ein großartiger Abend. Ich hätte nicht erwartet, wieder mit John im Ring zu stehen. Bei einem so wichtigen Moment für ihn an einem für uns historischen Ort dabei zu sein, war für mich ein echtes Karriere-Highlight.“
NXT-Star Kendall Gray und der überraschende Moment der Nominierung
Während Bálors Erinnerungen von jahrelanger Zusammenarbeit geprägt waren, schilderte Kendall Gray eine völlig andere Perspektive. Die Evolve Women’s Champion erfuhr zeitgleich mit der Öffentlichkeit, dass John Cena sie für das Women’s Iron Survivor Match ausgewählt hatte: „Als ich erfuhr, dass John Cena über mich sprach und meine Arbeit verfolgte, war das zunächst beängstigend, aber auch bestätigend. Ich arbeite hart und die Leute sehen das.“
Eine persönliche Vorabinformation habe es nicht gegeben: „Oh, das wusste ich gar nicht. Keine Ahnung. Ich war wirklich schockiert. Schockiert. Ich dachte mir, das kann doch unmöglich wahr sein, denn ich bin noch ganz neu in diesem Bereich.“
Für Gray hatte dieser Moment auch eine emotionale Bedeutung, die bis in ihre Kindheit zurückreichte: „Zu wissen, dass ich mich von einem Kind, das John Cena zugeschaut hat, zu jemandem entwickelt habe, den John Cena für das Iron Survivor Match ausgewählt hat, war wie ein Moment, in dem sich der Kreis geschlossen hat.“
Vom Zweifel zum Selbstvertrauen im Iron Survivor Match
Trotz ihrer Unerfahrenheit war sich Gray bewusst, welche Herausforderung vor ihr lag: „Ich wusste, dass ich noch ein Neuling bin. Und das sind die vier besten Frauen bei NXT, gegen die ich antrete. Lola Vice, Sol Ruca, Kalani Jordan und Jordynne Grace. Das sind alles Topstars.“
Statt sich davon einschüchtern zu lassen, entwickelte sie eine klare innere Haltung: „Als John Cena mich ausgewählt hat, wusste ich, dass ich die Welt schockieren würde.“
Sie beschrieb, wie sie sich mental auf das Match vorbereitete: „Ich bin mit dem Wunsch aufgewacht, Champion zu werden. Ich musste meinem Prozess vertrauen, meinem Training vertrauen. Vögel denken nicht darüber nach, wie sie fliegen, sie fliegen einfach. Als ich in den Ring stieg, bin ich einfach geflogen.“
Ein Vermächtnis, das über den Ring hinaus Bestand hat
Die Aussagen von Finn Bálor und Kendall Gray zeigten nach John Cenas letztem Match deutlich, dass sein Einfluss nicht allein an Erfolgen messbar ist. Sein Umgang mit Kollegen, seine Führungsrolle und sein Vertrauen in andere prägten sowohl etablierte Stars als auch aufstrebende Talente.