MVP erinnert sich an Vince McMahons verpflichtende Promo-Schulungen und thematisiert Wrestling-Psychologie und die Fehler junger AEW-Stars

Foto mit MVP (links) und Vince McMahon (rechts)

In seinem Podcast „Marking Out“ wirft MVP einen seltenen und sehr detaillierten Blick auf eine Phase der WWE, über die nur wenige mit ähnlicher Klarheit sprechen können. MVP war viele Jahre lang im Unternehmen aktiv und beschreibt ausführlich, wie Vince McMahon damals arbeitete und welchen Stellenwert er der Kunst der Promo beimaß.

MVP erinnert sich daran, dass WWE über einen längeren Zeitraum verpflichtende Promo-Kurse einführte, die Vince persönlich leitete. Für die Talente bedeutete das, früh am Morgen mit Notizblock und Stift in einem Raum zu sitzen, während Vince genau erklärte, welche Anforderungen er an jeden einzelnen stellte. Es spielte keine Rolle, ob jemand ein Veteran oder ein Neuling war. Alle mussten teilnehmen. Einige Wrestler waren überrascht, dass diese Schulungen nicht freiwillig waren, doch Vince stellte sofort klar, dass diese Einheiten ein fester und wichtiger Teil ihrer Ausbildung sein sollten.

MVP beschreibt die Atmosphäre dieser Schulungen sehr eindrücklich. Vince leitete die Sessions mit einer Intensität, die an eine Mischung aus Theaterunterricht, rhetorischer Feinarbeit und militärischer Disziplin erinnerte. Schon zu Beginn stellte er deutlich klar, dass eine Promo für ihn kein beiläufiges Werkzeug war. Sie war das Herzstück eines Wrestling-Charakters. Laut MVP war Vince überzeugt, dass Worte dieselbe emotionale Kraft entfalten können wie spektakuläre Aktionen im Ring. Jeder Wrestler, der diese Fähigkeit nicht beherrschte, konnte in seinen Augen keinen echten Star darstellen.

MVP schildert, wie Vince die Talente anwies, jede seiner Erklärungen mitzuschreiben. Zwar dachten viele zunächst, sie könnten sich die Strukturen merken, doch Vince bestand darauf, dass alles dokumentiert wurde. MVP erinnert sich daran, wie Vince während der Sessions durch die Reihen ging, sich über die Schultern der Talente beugte und prüfte, ob sie tatsächlich Notizen machten. Wenn jemand nur wenige Worte festhielt, unterbrach er und forderte mehr Mitschriften. Für MVP war klar, dass Vince nicht nur unterrichtete, sondern gleichzeitig die Ernsthaftigkeit seiner Schüler testete.

Ein Satz blieb MVP besonders in Erinnerung, den er im Podcast mehrfach wiederholte. Vince formulierte ihn immer wieder mit derselben Überzeugung: „Eine Promo ist ein Match und ein Match ist eine Promo.“

Für viele Talente wirkte dieser Satz zunächst ungewöhnlich. Doch MVP erläutert, warum darin ein Grundprinzip der gesamten Wrestlingpsychologie steckt.

Sowohl eine Promo als auch ein Match sind dramaturgische Konstruktionen. Beide benötigen einen klaren Anfang, eine Steigerung, emotionale Höhepunkte und ein sorgfältig gesetztes Ende. Vince bestand darauf, dass jeder Wrestler diese Struktur verinnerlicht, um ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man eine Geschichte erzählt, Spannung erzeugt und den Charakter zum Leben erweckt.

MVP erinnert sich an zahlreiche Momente, in denen Vince verlangte, eine Promo vollständig zu überarbeiten, wenn der Aufbau nicht stimmte. Das war für einige Talente frustrierend, doch langfristig haben sie enorm davon profitiert. Denn so lernten sie, eine Botschaft zu vermitteln, ihren Charakter zu schützen und eine Geschichte klar zu strukturieren.

Er beschreibt diese Phase als eine der wertvollsten seines Berufslebens. Obwohl er bereits Erfahrung im Sprechen vor der Kamera hatte, zeigte ihm Vince erstmals die psychologische Tiefe einer richtig aufgebauten Promo.

Wie die Kurse abliefen und warum sie zu legendären WWE-Momenten führten

MVP erinnert sich, dass die Promo-Sessions oft früh am Tag begannen und mehrere Stunden dauerten. Die Talente mussten nacheinander vor die Gruppe treten, ihre vorbereitete Promo vortragen und anschließend das direkte Feedback von Vince entgegennehmen. Dieses Feedback war klar, ehrlich und manchmal schonungslos, aber für die Entwicklung der Talente entscheidend.

Vince forderte die Wrestler häufig dazu auf, ihre Promo ohne Mikrofon zu halten. Dadurch sollten sie lernen, ihren Körper und ihre Stimme bewusster einzusetzen, statt sich auf technische Hilfsmittel zu verlassen. Laut MVP legte Vince großen Wert darauf, dass jede Formulierung eine gezielte Wirkung hatte. Pausen, Betonungen, Gesten und sogar der Winkel, in dem man in die Kamera schaute, hatten aus seiner Sicht eine Bedeutung.

MVP ist überzeugt, dass viele der legendären Promos der WWE in genau diesen Räumen entstanden sind. Dort fanden Talente ihre Identität, entwickelten ihre Stimme und schärften ihre Persönlichkeit so stark, dass ihre Figuren später generationenübergreifend in Erinnerung blieben.

Warum MVP findet, dass viele junge AEW-Wrestler die Matchdramaturgie falsch anwenden

Im zweiten Teil des Podcasts wendet sich MVP einem Thema zu, das ihn seit längerer Zeit beschäftigt. Er beobachtet, dass viele junge Wrestler, besonders bei AEW, ihre Matches mit zu vielen False Finishes anreichern. Ein False Finish ist ein inszenierter Moment, der so wirkt, als würde das Match unmittelbar enden, obwohl es tatsächlich weitergeht. Dazu gehören Situationen wie ein Cover nach einer großen Aktion, aus dem der Gegner im letzten Augenblick auskickt, oder ein Submission-Hold, aus dem er plötzlich entkommt. Diese Momente sollen eigentlich die Spannung steigern und das Publikum überraschen. Nach Ansicht von MVP verlieren sie jedoch ihre Wirkung, wenn sie zu häufig eingesetzt werden. Dadurch geht der dramaturgische Effekt verloren und die emotionale Reaktion des Publikums fällt mit jeder Wiederholung deutlich schwächer aus.

Er beginnt mit einer Beobachtung, die jedem Wrestlingfan bekannt ist. Das Publikum reagiert emotional auf große False Finishes, aber nur begrenzt oft. MVP beschreibt diese Reaktionen sehr präzise: „Beim ersten False Finish drehen die Zuschauer durch. Beim zweiten reagieren sie ähnlich. Beim dritten hört man schon weniger. Beim vierten ist der Effekt praktisch weg.“

Laut MVP liegt die häufigste Fehlannahme junger Talente darin, dass sie glauben, mehr Dramatik führe automatisch zu mehr Emotionen. In Wahrheit sei jedoch das Gegenteil der Fall. Je öfter man den großen Moment künstlich verlängert, desto geringer ist seine Wirkung.

Er betont, dass es nicht darum geht, die Kreativität zu beschneiden. Stattdessen wolle er den Talenten vermitteln, wie wichtig es ist, den richtigen Abschluss zu wählen und ein Match genau in seinem Höhepunkt zu beenden. Wird der Höhepunkt überschritten, verliert das Match an Energie und Wirkung.

Die Lektion von Kyle Fletcher lautet: Erfahrung zählt

Um seine Gedanken zu verdeutlichen, berichtet MVP von einem Gespräch mit Fletcher. Er habe Fletcher nach einem Match Hinweise gegeben. Einige Zeit später kam Fletcher noch einmal auf ihn zu und bestätigte: „Ich habe genau verstanden, was du meinst. Die Reaktion war wirklich anders.“

Für MVP zeigt dieser Moment, dass viele Lektionen erst dann vollständig verstanden werden, wenn man sie selbst erlebt hat. Ein erfahrener Wrestler gibt einen Ratschlag nicht, um jemanden einzuschränken, sondern um ihn weiterzubringen.

MVP über sein berufliches Vermächtnis

Zum Abschluss erklärt MVP, dass er seine Rolle als Mentor versteht. Er wolle nicht als Gatekeeper auftreten, sondern als jemand, der seine Erfahrungen aus WWE, Japan, TNA und AEW an die nächste Generation weitergibt. Wrestling sei am stärksten, wenn verschiedene Generationen miteinander arbeiten und voneinander lernen.

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