David Otunga enthüllt neue Details zu WWE-Verträgen: Der Fall Andrade El Idolo zeigt die wahre Problematik

Andrade steht im WWE Backstagebereich und blickt angespannt in die Kamera

Über viele Jahre hinweg war die sogenannte 90-tägige Sperrfrist fester Bestandteil der Wrestling-Berichterstattung. Fans, Journalisten und Wrestler sprachen oft so, als sei sie ein klar definierter vertraglicher Mechanismus, der automatisch greift, sobald die WWE ein Talent entlässt. Im Interview mit Ariel Helwani zeichnete David Otunga jedoch ein völlig anderes Bild. Otunga, der als Harvard-Jurist und ehemaliger WWE-Superstar einzigartig zwischen beiden Welten steht, erklärte, dass diese Klausel in den tatsächlich vorliegenden Verträgen gar nicht so existiere, wie es die Wrestling-Welt jahrelang angenommen habe.

Er führte aus, dass er aufgrund der aktuellen Diskussionen einen modernen WWE-Vertrag genau geprüft habe. Seine zentrale Aussage lautet, dass die 90 Tage überhaupt nicht erwähnt werden. Stattdessen gebe es eine Formulierung, die ein Wettbewerbsverbot mit einer maximalen Dauer von zwölf Monaten ermögliche. Otunga formulierte dies im Interview sehr klar und unmissverständlich, was dem Thema eine neue Relevanz verleiht.

Die vertragliche Grundlage laut David Otunga

Während des Gesprächs erklärte er, dass er den Vertrag sorgfältig durchgelesen habe, um die Frage beantworten zu können, wie die weithin bekannte 90-Tage-Praxis rechtlich verankert ist. Seine Feststellung fiel eindeutig aus. Otunga formulierte es im Interview so, dass in dem Vertrag wörtlich von einem einjährigen Wettbewerbsverbot die Rede sei und es keinerlei Hinweise auf eine dreimonatige Standardfrist gebe. Für ihn sei klar, dass die WWE auf dieser Grundlage stets berechtigt sei, die volle Länge auszuschöpfen, sofern das Unternehmen dies für notwendig halte.

Diese Aussage sorgte bereits während des Interviews für sichtbare Überraschung, denn sie widerspricht dem Bild, das sowohl Fans als auch Talente und manche Medienberichte seit Jahren übernommen hatten. Zudem stellte Otunga klar, dass der Begriff der 90 Tage lediglich aus der Praxis der WWE entstanden sei, nicht aus den Verträgen selbst. Die bekannte Frist sei demnach keine juristische Pflicht, sondern eine freiwillige Handhabung, die sich im Laufe der Zeit eingebürgert habe.

Die Entstehung der 90-Tage-Praxis aus Sicht von Otunga

David Otunga erklärte weiter, wie die oft zitierte 90-Tage-Regel dennoch Teil der Wrestling-Kultur werden konnte. Die WWE habe in der Vergangenheit häufig beschlossen, entlassene Talente für etwa drei Monate weiterzubezahlen. Dieser Zeitraum diente für beide Seiten als Übergangsphase. Die Wrestler konnten sich auf ihre Zukunft vorbereiten und die WWE konnte sicherstellen, dass ehemalige Talente nicht unmittelbar nach der Entlassung bei einer direkten Konkurrenz auftauchen.

Otunga betonte jedoch mehrfach, dass diese Praxis auf der Entscheidung der WWE beruht und nicht auf einer festen vertraglichen Zusage. Für ihn sei es wichtig, festzuhalten, dass diese Regelung jederzeit abweichen könne, da ihre Grundlage nicht im Vertrag stehe. Der ehemalige WWE-Superstar machte deutlich, dass viele Talente von falschen Annahmen ausgehen und möglicherweise gar nicht wissen, welche Rechte die WWE tatsächlich besitzt.

Der Fall „Andrade El Idolo” verdeutlicht die Problematik

Besonders brisant wurde das Thema durch die Entwicklungen um ihn. Andrade wurde im September 2025 von der WWE entlassen und trat nur wenige Wochen später überraschend bei AEW auf. Dieser Auftritt sorgte für großes Interesse, wurde jedoch schnell von Berichten überschattet, dass die WWE rechtliche Schritte eingeleitet habe.

David Otunga erklärte in einem Interview, dass Andrades Vertrag der WWE die Möglichkeit einräumt, ein vollständiges, einjähriges Wettbewerbsverbot auszusprechen. Laut Otunga hat die WWE diese Option tatsächlich genutzt und die maximale Dauer gegenüber Andrade durchgesetzt. Der entscheidende Unterschied zu früheren Fällen sei jedoch, dass Andrade während dieses Zeitraums keine Bezahlung erhalte. Otunga bezeichnete diese Entscheidung als etwas, das er in seiner gesamten Zeit in der Branche noch nie erlebt habe.

Otunga sagte hierzu, dass die WWE in Andrades Fall ein Jahr ohne fortlaufende Vergütung verhängt habe. Er betonte, dass dies eine ungewöhnliche Vorgehensweise sei und er keinen früheren Präzedenzfall kenne, bei dem die WWE diesen Schritt so konsequent umgesetzt habe.

Rechtliche Einschätzungen des früheren WWE-Stars

Abgesehen von der Vertragsanalyse äußerte sich Otunga auch dazu, wie die Erfolgsaussichten eines Talents aussehen könnten, das eine verhängte Sperre juristisch anfechten möchte. Er sagte, dass Andrade vermutlich gute Chancen hätte, den Fall vor Gericht zu gewinnen. Gleichzeitig betonte er jedoch, wie schwierig ein solcher Prozess sei. Für Wrestler sei es finanziell riskant und organisatorisch belastend, da die WWE in ihren Verträgen in der Regel festlege, dass Streitigkeiten nicht vor einem öffentlichen Gericht, sondern im Rahmen eines privaten Schiedsverfahrens geklärt werden müssten.

Otunga beschrieb diese Struktur als großen Nachteil für Talente, da Schiedsverfahren häufig teurer, langwieriger und weniger transparent sind. Außerdem räume sich die WWE durch diese Regeln deutliche Vorteile ein. Für Wrestler bedeutet dies, dass sie zunächst sehr hohe Summen investieren müssen, um sich gegen eine solche Sperre zu wehren. Otunga führte aus, dass allein dieser Umstand viele Talente davon abhält, eine Anfechtung überhaupt in Erwägung zu ziehen.

4 Kommentare

  1. Drum prüfe wer sich ewig bindet…

    Oder… lies den scheiß Vertrag bevor du ihn unterschreibst.

    Die 90 Tage Klausel existiert also gar nicht und ist sogar ein „Entgegenkommen“ weil die Klausel eigentlich sogar ein ganzes Jahr gilt. Das ist schon mal sehr sehr interessant und haben wir „Zuschauer“ so nicht gewusst, keiner von uns.

    Ich gehe jetzt auch mal davon aus das sich Ortunga das nicht ausdenkt. (warum sollte er?)

    Diese Klausel existiert scheinbar bei praktisch jedem Vertrag der WWE für „on-air“ Charaktere, also schonmal alle Wrestler… Da muss man sich doch die Frage stellen, wie kann es diese Klausel zu so einem Standard geschafft haben? Mal ganz im ernst, ich würde niemals so einen Knebelvertrag unterschreiben. Auf gar keinen Fall.

    Aber alle Wrestler taten dies, auch Andrade. Wenn die Mehrheit sich mit einem kompetenten Partner (Berater/Anwalt) bei der Vertragsunterzeichn ung mal die Klauseln genauer angeschaut hätte, hätten doch fast alle mal darauf kommen können zu sagen:

    „äääähhh…. jo…. erm… die Klausel da… also wenn ich mein Job verlier, hätte ich schon gern die Möglichkeit relativ kurzfristig woanders arbeiten zu dürfen… ich muss Essen und Miete zahlen“

    Doch Alle haben da drauf gepfiffen, auch ein Andrade? Ja… also liebe Leute…

    Wenn alle solchen Klauseln zustimmen braucht man WWE da aber keinen Strick draus drehen. Wenn alle so eine Klausel ablehnen würden, gäbe es diese Klausel auch nicht. Arbeitsrechts-technisch ist die auch mehr als fragwürdig, wobei das in den USA und im Showbusiness immer sowieso etwas anders ist… Dagegen klagen mag Aussicht auf Erfolg haben, in… Jahren… nach sehr teurem Prozess für den man das Geld erstmal selber aufwenden muss.

    Das WWE so eine Klausel in ihre Vertäge baut kann ich sogar nachvollziehen, das alle das unterschreiben hingegen nicht. Und würde das keiner so unterschreiben, würde die WWE die Klausel auch nicht einbauen. Denn auch die WWE braucht Wrestler.

  2. Aber alle Wrestler taten dies, auch Andrade. Wenn sich die Mehrheit mit einem kompetenten Partner (Berater/Anwalt) bei der Vertragsunterzeichnung. Das Problem ist: Alle Wrestler wollten schon seit ihrer Kindheit immer bei der WWE arbeiten. Deshalb schauen sie dem Vertrag nicht genauer auf den Grund. Er ist kompliziert und nicht jeder versteht ihn. Sie unterschreiben einfach und schon sind sie bei der WWE angestellt.

    • Ja aber das ist ja ihre eigene Schuld, und Andrade war ja schon vorher bei WWE angestellt, ist also schon das zweite mal gewesen das er so einen vertrag unterschrieben hat, da sollte man doch davon ausgehen das er weiß was er da unterzeichnet.

      Das ein „Frischling“ sowas vor lauter Vorfreude ungesehen unterschreibt kann ich ja noch irgendwo nachvollziehen… aber das trifft ja auf Andrade (und viele andere) nicht zu. Und dann diese Klausel volles Rohr auch noch zu missachten wie Andrade es tat… ja sorry, kein Wunder das WWE dann hier mal zeigt wo der Hase lang läuft.

      Ansonsten… wird Zeit das sich Wrestler mal anständig beraten lassen, siehe Ortunga der genau in diesem Feld arbeitet und an der Law School von Havard war. Den jungen Mann anrufen „ey, kannste dir den Vertrag mal durchlesen und kann man auch ohne Klauseln nen anständigen Vertrag kriegen?“ Und dann wird sich da recht schnell auch so einiges ändern wenn das alle machen.

      Naja ist wie so oft, man steckt in einer blöden Situation die man sich zu großen Teilen selbst zuzuschreieben hat, aber die Verantwortung dafür übernehmen fällt dann schwer, die kann man ja Prima auf andere abschieben, samt der Schuld.

  3. Das hat sich Andrade selber zuzuschreiben.

    1. Überprüfe genau, was du unterschreibst.

    2. Er hätte WWE ja nicht reizen müssen und taucht da nach seiner Entlassung einfach bei AEW auf. Ist doch logisch, dass WWE dann von dieser Klausel Gebrauch macht. Sonst würden sich ja alle, welche unzufrieden sind, so aus dem Staub machen.

    In dem Fall hat WWE die Muskeln spielen lassen und hat gesagt, du willst uns verarschen, dann sieh was du davon hast. Hätte er sich 90 Tage ruhig verhalten, wäre er evtl. wie alle anderen sauber aus seinem Vertrag herausgekommen. Bisher hat WWE das ja laut Bericht noch nie so knallhart durchgezogen mit einem Jahr ohne Bezahlung.

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