Austin Aries über seine WWE-Zeit: Überraschende Entlassung, kreative Konflikte und der Kampf um Kontrolle über seine eigene Darstellung

Austin Aries bereit für eine Promo am WWE Mikrofon

Austin Aries gehört zu den Wrestlern, von denen sich viele Fans in ihrer Zeit bei der WWE deutlich mehr erhofft hatten. Trotz seiner Erfolge bei Ring of Honor, TNA Wrestling und in der Independent-Szene hatte er bei der WWE nur eine relativ kurze, aber intensive Phase. Vor allem während der 205 Live-Ära war er eine wichtige Persönlichkeit, doch gleichzeitig blieb vieles hinter den Erwartungen zurück – sowohl bei den Fans als auch bei ihm selbst.

In mehreren aktuellen Interviews blickte Aries sehr offen auf seine Erfahrungen zurück. Dabei sprach er über kommunikative Probleme, kreative Differenzen, seine Sicht auf die Cruiserweight-Division und darüber, weshalb es für ihn bis heute unverständlich ist, dass er nie den Cruiserweight Championship gewann.

Im Zentrum seiner Aussagen steht dabei immer wieder eine deutliche Kritik an der internen Arbeitsweise der WWE. Aries macht klar, dass sich für ihn viele Entscheidungen weder nachvollziehbar noch transparent angefühlt haben. Diese Einschätzung zieht sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Darstellung seiner Zeit im Unternehmen und zeigt, wie sehr ihn diese Phase auch Jahre später noch beschäftigt.

Warum Aries nie Cruiserweight Champion wurde

Im Gespräch mit Got Mitch Enterprises wurde Aries gefragt, warum er trotz mehrerer Titelchancen nie die Cruiserweight Championship gewinnen konnte. Aries antwortete ungewöhnlich direkt und räumte ein, dass er die Gründe bis heute nicht kenne. Er erklärte, dass die WWE eine Umgebung sei, in der sich Meinungen sehr schnell verändern könnten und es kaum vorhersehbar sei, wie sich die Verantwortlichen von einem Tag auf den anderen entscheiden würden.

Aries sagte wörtlich, dass er nur spekulieren könne, wie diese Entscheidungen zustande kamen. Ihm sei nie ein konkreter Grund genannt worden, weshalb er in drei Titelmatches hintereinander erfolglos blieb. Er erwähnte auch, dass zu dieser Zeit Vertragsgespräche liefen, die möglicherweise Einfluss gehabt haben könnten. Dennoch betonte er erneut, dass ihm niemand erklärt habe, warum man sich gegen einen Titelwechsel entschieden habe.

Besonders frustrierend für ihn war, dass diese Fragen nicht offen angesprochen wurden. Aries schilderte, dass es für ihn immer irritierend gewesen sei, wenn Dinge nicht direkt geklärt wurden, sondern Spannungen und Entscheidungen im Verborgenen blieben. Er beschrieb die Situation so, dass sich vieles hinter den Kulissen abspielte, ohne dass die betroffenen Wrestler vollständig einbezogen wurden.

Zusätzlich erklärte Aries, dass wiederholte erfolglose Titelmatches für die Zukunft eines Wrestlers selten positiv seien. Er betonte, dass man damit die Glaubwürdigkeit eines Babyfaces schnell schwächen könne. Aries sagte, er habe seinen eigenen Wert immer stärker in einer antagonistischen Rolle gesehen, da er dort seiner Meinung nach am besten funktionieren könne, indem er Helden glaubwürdig aufbaue und Geschichten erzähle, die auf Spannung und Reibung setzten.

Seine überraschende Entlassung im Jahr 2017, die ihn eigenen Angaben zufolge völlig kalt erwischte, ordnete er rückblickend in ein Umfeld ein, das für ihn oft widersprüchlich und unberechenbar wirkte. Er sagte, vieles habe für ihn keinen klaren Zusammenhang gehabt und viele Entscheidungen seien ohne erkennbare Begründung getroffen worden.

Kreative Konflikte über seinen Wrestling-Stil

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Aussagen betraf die kreative Ausrichtung seiner Matches. Aries erzählte während seines Auftritts in WWP Episode 2, dass die WWE ihm einen Stil aufzwingen wollte, den er in seiner gesamten Karriere zuvor nie verkörpert hatte. Er beschrieb, dass man ihn dazu bringen wollte, wie ein deutlich kleinerer Wrestler zu arbeiten, was nicht zu seinem Selbstverständnis passte.

Aries führte aus, dass er seit Beginn seiner Karriere nie wie ein klassischer Cruiserweight agiert habe, sondern seinen Stil auf Intensität, Glaubwürdigkeit und physische Überzeugungskraft aufgebaut habe. Er betonte, dass Wrestling für ihn immer dann am besten funktioniere, wenn die Darstellung authentisch und logisch nachvollziehbar sei.

Der Konflikt verschärfte sich, als er Anweisungen für ein Match gegen einen fast zwei Meter großen Gegner erhielt. Aries schilderte diese Szene sehr konkret. Produzenten, die selbst sehr groß waren, hatten ihm bestimmte Strategien empfohlen. Doch für Aries war unklar, wie diese Empfehlungen zu seiner eigenen körperlichen Situation passen sollten. Er stellte die direkte Frage, wie oft diese Produzenten, die eine Körpergröße zwischen etwa 1,98 Metern und 2,03 Metern hatten, schon gegen jemanden gekämpft hätten, der dreißig Zentimeter größer war als sie selbst. Damit wollte er verdeutlichen, dass bestimmte Vorschläge aus seiner Sicht keinen realistischen Bezug zur tatsächlichen Ringpsychologie hatten.

Anschließend erklärte Aries, dass eine Strategie, die für einen großen Wrestler funktioniere, nicht automatisch für jemanden mit seiner Körpergröße geeignet sei. Realismus im Ring sei für ihn eng mit Logik verbunden und er sehe es als problematisch an, wenn Entscheidungen ausschließlich auf äußeren Faktoren wie der Körpergröße basierten.

Der Moderator des Podcasts erwähnte Chris Benoit als Beispiel. Trotz seiner vergleichsweise geringen Größe galt er als glaubwürdiger und intensiver Wrestler. Aries stimmte diesem Vergleich zu und führte aus, dass Präsenz und Ausstrahlung entscheidender seien als die Körpergröße. Er betonte, dass viele größere Wrestler nicht dieselbe Überzeugungskraft hätten wie manche kleinere Athleten, die mit Intensität und realistischer Darstellung arbeiteten.

Mangelnde Kommunikation als wiederkehrendes Problem

Mehrfach ging Aries darauf ein, dass es für ihn schwierig war, in einem Umfeld zu arbeiten, das seiner Wahrnehmung nach nur selten klare Rückmeldungen gab. Er erklärte, dass er es immer als Grundproblem empfand, wenn Wrestler nicht direkt erfuhren, was hinter Entscheidungen stand. Für ihn wäre es deutlich besser gewesen, wenn man Gespräche offen geführt hätte, statt Spannungen oder Unklarheiten zu verschweigen.

Aries formulierte, dass er sich einen Umgang gewünscht hätte, der auf direkter Kommunikation basiert. Er sagte, man solle „Menschen einfach in einen Raum ziehen“ und ihnen die Situation erklären. Dies sei in seiner Erfahrung nur selten geschehen, stattdessen habe es informelle Spannungen gegeben, die nicht mit ihm persönlich geklärt wurden. Dies war für Aries einer der belastendsten Aspekte seiner WWE-Karriere.

Kritik an seiner öffentlichen Darstellung auf Wikipedia

Neben dieser Kritik äußerte sich Aries auch ausführlich über Probleme mit seiner Darstellung im Internet, vor allem auf Wikipedia. Während seines Interviews in WWP Episode 2 wurde ein Abschnitt seiner Biografie erwähnt, in dem seine Trainer Eddie Sharkey und Terry Fox genannt wurden. Aries bestätigte die Angaben, nutzte die Gelegenheit jedoch, um über seine Schwierigkeiten mit der Plattform zu sprechen.

Er erklärte, dass auf Wikipedia vieles korrekt sein könne, er aber gleichzeitig das Gefühl habe, keine Kontrolle über seine eigene Darstellung zu haben. Aries schilderte, dass er erlebt habe, wie seine sachlichen Korrekturen von fremden Nutzern überschrieben worden seien, obwohl diese Personen ihn persönlich nicht kennen und keinerlei direkten Bezug zu seiner Karriere haben.

Für ihn ist dies ein Beispiel dafür, wie schnell sich Fehlinformationen oder ungenaue Angaben im Internet dauerhaft festsetzen können. Er führte aus, dass öffentliche Personen nur begrenzt Möglichkeiten haben, solche Inhalte zu korrigieren, selbst wenn es sich um objektiv überprüfbare Fakten handelt. Angesichts seiner langen Karriere in mehreren großen Promotions sei dies für ihn ein besonders sensibles Thema.

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