Einbruch, Trauma und ein geplatzter Plan: Sonya Deville über die schwierigste Phase ihrer Karriere

Sonya Deville greift sich fassungslos mit beiden Händen an den Kopf

Im Sommer 2020 befand sich Sonya Deville an einem Wendepunkt ihrer WWE-Karriere. Die langjährige Storyline mit Mandy Rose gipfelte in einem Hair vs. Hair Match bei WWE SummerSlam, das den Höhepunkt einer monatelangen Rivalität darstellen sollte. Deville hatte über Wochen hinweg intensiv an ihrer Figur gearbeitet und sah das bevorstehende Match als Gelegenheit, eine neue, ernstere Charakterentwicklung einzuschlagen. Alles deutete darauf hin, dass sie dort einen wichtigen Karriereschritt machen würde.

Der ursprüngliche Plan war klar. Deville sollte das Match verlieren, sich die Haare rasieren lassen und anschließend mit einem völlig neuen Look und einem neu gestalteten Gimmick zurückkehren. Diese neue Version ihrer Figur beschrieb sie rückblickend als eine Art militärisch geprägte, kompromisslose Persönlichkeit. Im Interview sagte sie, dass sie bereit gewesen sei, diesen tiefgreifenden Wandel umzusetzen, da sie das Potenzial dahinter erkannte. Doch dann ereignete sich etwas, das alle Pläne abrupt zum Stillstand brachte.

Der traumatische Einbruch kurz vor SummerSlam

In CJ Perrys Sendung „Identity Crisis” schilderte Deville ausführlich, wie der Albtraum begann. Nur wenige Nächte vor dem Live-Premium-Event drang ein Stalker in ihr Haus ein. Die Situation eskalierte so sehr, dass Deville um ihr Leben fürchten musste. Sie erzählte, wie sie in dieser Nacht innerhalb von Sekunden vom konzentrierten Training für ihren großen Auftritt in den reinen Überlebensmodus wechseln musste.

Sie sagte wörtlich, dass der Einbruch zwei oder drei Nächte vor dem SummerSlam passiert sei und sie sofort gewusst habe, dass sich etwas Grundlegendes ändern werde. Obwohl Vince McMahon signalisierte, dass das Match verschoben oder sogar abgesagt werden könne, bestand Deville darauf, dass die Begegnung wie geplant stattfinden müsse. Sie wollte nicht zulassen, dass ein Fremder die Kontrolle über ihre Karriere übernahm. Im Interview erinnerte sie sich deutlich an diesen Moment und sagte: „Ich wollte nicht zulassen, dass mir jemand, der in mein Haus eingedrungen ist, auch noch meinen beruflichen Weg diktiert.“

Warum der geplante Haarverlust nicht mehr infrage kam

Trotz ihres Entschlusses, weiterhin aufzutreten, war Deville sich bewusst, dass die ursprüngliche Matchstipulation emotional nicht mehr zu dem passte, was sie gerade erlebt hatte. Sie betonte, dass es sich nicht richtig anfühle, sich direkt nach diesem traumatischen Erlebnis den Kopf rasieren zu lassen. Dieser Schritt sollte ursprünglich etwas Symbolisches darstellen und den Start eines neuen Charakters markieren. Doch nun stand er in einem unangenehmen Kontrast zu dem, was privat geschehen war.

Deville formulierte es so: „Eigentlich sollte ich meine Haare verlieren und als eine Art GI Jane zurückkehren. Aber nach dem Einbruch fühlte es sich einfach falsch an, diesen Schritt zu gehen. Ich wusste, dass ich dafür nicht die nötige mentale Verfassung hatte.“ Diese Ehrlichkeit gegenüber sich selbst führte dazu, dass sie gemeinsam mit dem WWE-Management nach einer neuen Lösung suchte.

Die Idee einer neuen Stipulation

Deville kam selbst auf die Idee, das Hair vs. Hair Match durch eine andere, ähnlich dramatische Bedingung zu ersetzen. Sie suchte nach einer Möglichkeit, den emotionalen Wert der Storyline zu erhalten, ohne etwas machen zu müssen, das sich für sie persönlich unpassend anfühlte. So schlug sie ein Match vor, bei dem die Verliererin die WWE verlassen muss.

Diesen Vorschlag hatte sie sehr bewusst ausgearbeitet. Sie wollte eine Bedingung, die die gleiche Tragweite wie ein Haarverlust haben konnte, aber weniger belastend war. In der Show stellte dieser Vorschlag eine unerwartete Wendung dar. Hinter den Kulissen war er jedoch das Ergebnis eines sehr intensiven inneren Konflikts. Deville beschrieb den Moment wie folgt: „Ich dachte, ich brauche etwas, das mit der Emotionalität von Hair vs. Hair mithalten kann. Vielleicht nicht die gleiche Wirkung, aber zumindest etwas, das die Zuschauer genauso fesselt.“

Die nie verwirklichte Idee eines psychologisch gebrochenen Charakters

Besonders interessant sind die Details zu dem Charakter, den Deville für ihre Rückkehr nach einer Niederlage geplant hatte. Sie wollte als verwirrte Persönlichkeit zurückkommen, die den Verlust nicht anerkennt, sondern einfach wieder auftaucht, als wäre nichts passiert. Sie beschrieb diese Figur als eine Mischung aus Realität und Fiktion, inspiriert von ihrem eigenen Erleben nach dem Einbruch. „Ich wollte eine Frau darstellen, die so traumatisiert ist, dass sie nicht versteht, was vorgefallen ist. Sie taucht wieder auf, denkt, sie hätte das Match gewonnen, und alle anderen müssen irgendwie damit umgehen.“

Vince McMahon war von dieser Idee nach eigener Aussage begeistert. Deville erinnerte sich schmunzelnd daran, wie er ihr gegenüber sagte: „Ich liebe es. Du kannst dich an meinem Kronleuchter im Büro schwingen.“ Auch wenn dies nicht der eigentliche Kern ihrer Idee war, spürte sie, dass Vince bereit war, diesen Weg mitzugehen.

Warum Sonya Deville aktiv um eine Niederlage bat

Ein weiterer entscheidender Teil der Geschichte ist, dass der Ausgang des Matches ursprünglich anders geplant war. Mandy Rose hätte das Hair vs. Hair Match verlieren sollen. Deville erklärte jedoch, dass sie selbst zu Vince McMahon und Bruce Prichard gegangen sei, um um eine Niederlage zu bitten. Ihrer Meinung nach hätte Mandy diesen Moment dringend gebraucht, um als Babyface zu wachsen.

Sie sagte: „Ich war überzeugt, dass Mandy diesen Sieg brauchte. Und ich wusste, dass ich mit dem neuen Charakter danach mehr Tiefe hätte. Also habe ich darum gebeten, zu verlieren.“ Das Management stimmte dem Vorschlag zu. Damit begann eine Entwicklung, die im Nachhinein weitreichende Folgen haben sollte.

Die unerwartet lange Abwesenheit nach dem SummerSlam

Was danach geschah, beschreibt Deville als eine der frustrierendsten Phasen ihres gesamten Berufslebens. Sie war davon ausgegangen, dass sie kurz nach der Veranstaltung ins WWE-TV zurückkehren würde, so wie es besprochen worden war. Doch statt eines schnellen Comebacks erhielt sie wochenlang keinerlei Antwort.

Sie kontaktierte wiederholt Bruce Prichard und Vince McMahon, um nachzufragen, wie es weitergehen würde. Erst viele Wochen später wurde ihr mitgeteilt, dass die WWE die Stipulation ernst nehmen und ihre Pause vollständig ausspielen wolle. Insgesamt war sie fünf Monate lang nicht im Fernsehen zu sehen.

Sie sagte offen: „Ich war sehr enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Ich fühlte mich am Mikrofon sicher, die Produzenten und die Fans standen hinter mir. Und plötzlich war alles weg.“

Der Neustart als On-Air-Offizielle

Als sie schließlich zurückkehren durfte, gab es keine konkreten kreativen Ideen. Stattdessen war es Deville selbst, die den Vorschlag für ihren neuen On-Air-Weg machte. Sie erschien ohne Termin bei Vince McMahon im Büro, trug einen maßgeschneiderten Anzug und präsentierte ihm die Idee, eine autoritäre Figur zu spielen. Damit wollte sie eine neue, markante Rolle übernehmen, die unabhängig von ihrer vorherigen Storyline funktionieren konnte.

Vince McMahon reagierte positiv und entschied direkt, diesen Ansatz im Fernsehen umzusetzen. Deville sagte über diesen Moment: „Er sah den Anzug und sagte nur: ‚Das ist perfekt. Genau so machen wir es.“ Damit begann ihre Laufbahn als On-Air-Offizielle, die ihr langfristig eine neue Position im WWE-TV ermöglichte.

Rückblick auf eine Entscheidung, die die Weichen neu stellte

Im Nachhinein betrachtet Deville ihren Wunsch, bei SummerSlam zu verlieren, mit gemischten Gefühlen. Sie sagte, dass es einer der Momente sei, die sie rückblickend möglicherweise anders entschieden hätte. Gleichzeitig betonte sie, dass sie versuche, jede Veränderung im Leben als neue Chance zu sehen, auch wenn sie zunächst schmerzhaft sei.

„Ich kann nicht kontrollieren, was passiert, aber ich kann kontrollieren, wie ich es wahrnehme. Vielleicht sollte es genau so kommen.“