Wie bereits in früheren Berichten mehrfach thematisiert, arbeiten WWE und TNA Wrestling seit Mai 2024 enger zusammen. Anfangs begann die Kooperation auf informeller Basis, bevor sie im Januar 2025 offiziell bestätigt und strukturell festgelegt wurde. Diese Partnerschaft ermöglicht es beiden Unternehmen, Talente in wechselnden Rollen auftreten zu lassen und neue Zuschauergruppen zu erschließen. Seitdem kam es zu mehreren Cross-Promotion-Momenten, die sowohl in den Shows von WWE NXT als auch bei TNA für Aufmerksamkeit sorgten.
Für beide Seiten bot diese Zusammenarbeit einen Mehrwert. WWE konnte dadurch jungen NXT-Wrestlern zusätzliche Ringzeit und Erfahrungen außerhalb der eigenen Umgebung ermöglichen, während TNA von der globalen Reichweite und dem medienwirksamen Namen der WWE profitiert. Gleichzeitig schuf die Kooperation neue kreative Möglichkeiten, um talentierte Wrestler stärker in Szene zu setzen und ungenutzte Synergien auszuschöpfen.
Doch während diese Partnerschaft nach außen als zukunftsweisend präsentiert wird, herrscht im Hintergrund nicht überall Einigkeit über die Bedingungen und die interne Umsetzung.
Unterschiedliche Vergütungsmodelle zwischen WWE und TNA
Wie bereits berichtet, zahlt die WWE den NXT-Talenten, die im Rahmen dieser Kooperation bei TNA Wrestling auftreten, keine zusätzliche Vergütung. Im Gegensatz dazu erhalten TNA-Wrestler, die in NXT-Shows eingesetzt werden, eine Bezahlung pro Auftritt. Dieses Ungleichgewicht wurde von Beobachtern bereits mehrfach thematisiert. WWE begründet dies damit, dass die NXT-Wrestler durch ihre festen Verträge ohnehin über garantierte Einkünfte verfügen, die alle möglichen Einsätze abdecken.
Dave Meltzer führte dazu aus, dass die WWE diese Praxis auf die derzeitige Struktur der Verträge und den veränderten Arbeitsumfang zurückführt. Seit Jahren haben sich die wöchentlichen Auftritte und Houseshows drastisch reduziert, was die Arbeitsbelastung vieler Wrestler erheblich verringert hat. Infolgedessen sieht das Unternehmen keine Notwendigkeit, für Auftritte in Partnerorganisationen wie TNA oder AAA gesonderte Zahlungen zu leisten.
Meltzer erklärte wörtlich: „Wenn WWE-Talente für AAA antreten, das ohnehin ein Partnerunternehmen ist, oder wenn sie für TNA auftreten, bekommen sie keine zusätzliche Bezahlung. Jeder verfügt über einen garantierten Vertrag, der eine feste Summe vorsieht. Das Unternehmen entscheidet dann, wie oft und wo die Wrestler eingesetzt werden. Im Vergleich zu früheren Generationen oder auch nur zu den Jahren 2022 und 2023 haben die meisten inzwischen deutlich weniger Termine.“
Er ergänzte: „Da WWE die Zahl der Houseshows massiv reduziert hat, werden viele nur noch einmal pro Woche eingesetzt. Wenn sie dann für ein TNA-Taping oder eine AAA-Veranstaltung eingeplant werden, ändert sich für sie dadurch kaum etwas. Die Anzahl der gebuchten Tage liegt ohnehin unter dem, was ursprünglich in ihren Verträgen vorgesehen war.“
Die Entwicklung nach der Fusion mit TKO Group Holdings
Diese Veränderungen hängen auch mit der Übernahme und Umstrukturierung unter der TKO Group Holdings zusammen. Nach der Fusion von WWE und UFC unter dem Dach der TKO Holding im Jahr 2023 wurde das Geschäftsmodell der WWE stärker auf Profitabilität und mediale Präsenz als auf eine hohe Anzahl von Live-Events ausgerichtet. Die Zahl der sogenannten „Houseshows“ – also nicht im Fernsehen ausgestrahlter Live-Veranstaltungen – wurde weiter reduziert.
Während Wrestler früher häufig an mehreren Tagen pro Woche aktiv waren, liegt der Fokus heute stärker auf hochwertige TV-Produktionen und Premium Live Events. Dies hat zur Folge, dass WWE trotz weniger Veranstaltungen höhere Ticketpreise verlangt, was sich in den vergangenen Jahren in einer deutlichen Preissteigerung bei Großveranstaltungen widerspiegelte. Für viele Talente bedeutet das zugleich weniger Arbeitstage, aber stabile oder sogar steigende Grundgehälter.
Aus dieser Perspektive betrachtet die WWE Auftritte bei TNA oder AAA nicht als Zusatzbelastung, sondern als strategische Nutzung bestehender Vertragsbedingungen. Durch diese Cross-Promotion sollen sowohl die Markenpräsenz der WWE-Talente als auch die Bekanntheit der Partnerligen gestärkt werden – ohne dass daraus eine finanzielle Mehrbelastung für das Unternehmen entsteht.
Wie TNA auf die NXT-Erfolge reagierte
Während WWE die Kooperation betriebswirtschaftlich als Erfolg betrachtet, sorgten die Auftritte von NXT-Stars bei TNA für Unruhe im dortigen Locker Room. Besonders Anfang 2025, als NXT-Wrestler begannen, mehrere TNA-Championships zu gewinnen, entstand intern Frust. Zu den bekanntesten Beispielen zählen Trick Williams, Jacy Jayne und Kelani Jordan, die jeweils bedeutende TNA-Titel errangen.
Mike Santana, selbst TNA-Veteran und inzwischen mehrfacher Champion, sprach in der No-Contest Wrestling Show mit O’Shea Jackson Jr. und TJ Henderson über die Reaktionen hinter den Kulissen. Er schilderte, dass viele langjährige TNA-Wrestler die Erfolge der WWE-Gäste als respektlos empfanden, insbesondere, weil sie das Gefühl hatten, ihre eigene Promotion werde dadurch entwertet.
„Es war keine lockere Stimmung. Viele waren wütend, das war kein Spaß“, erinnerte sich Santana. „Vor allem die Jungs, die schon lange dabei sind, wie Eddie Edwards, Moose oder Kazarian. Wir haben das sehr ernst genommen und gesagt: ‘So können wir das nicht hinnehmen.’“
Enttäuschung und Stolz im TNA-Locker Room
Santana beschrieb weiter, dass es für viele TNA-Wrestler ein schmerzhafter Moment gewesen sei, zu sehen, wie externe Talente mit den TNA-Titeln posierten. Dennoch verwandelte sich diese Enttäuschung in eine Art Antrieb. „Man hört vieles und versucht, es zu ignorieren, aber es trifft einen trotzdem. Am Ende hat uns das alle motiviert“, erklärte Santana. „Hinter den Kulissen entstand plötzlich eine neue Energie. Wir wollten beweisen, dass wir immer noch die Besten in unserem Haus sind.“
Diese kollektive Haltung führte laut Santana zu einer regelrechten Aufbruchsstimmung. TNA habe sich wieder stärker auf seine eigenen Stars und seine Identität konzentriert. Das Ziel war klar: Die Titel sollten zurück in die Hände derjenigen gelangen, die TNA über Jahre hinweg getragen haben. „Wir haben uns zusammengetan und beschlossen, das zu ändern. Von diesem Moment an war klar, dass wir das Ruder wieder übernehmen“, sagte Santana.
Wendepunkt bei Bound For Glory
Ein Symbol für diesen Wandel war Santanas Sieg über Trick Williams bei TNA Bound For Glory. Mit diesem Match gelang es ihm, die TNA World Championship zurück in die eigene Promotion zu holen. Für viele Beobachter markierte dieser Moment den emotionalen Höhepunkt der Rivalität zwischen den NXT-Gästen und den TNA-Stammkräften.
Santana erinnerte sich an den entscheidenden Augenblick: „Ich habe Trick bei NXT kennengelernt und ihm damals gesagt: ‘So können wir nicht weitermachen.’ Als ich ihn dann bei Bound For Glory besiegte, fühlte es sich an, als hätten wir unser Zuhause zurückerobert. Es war kein Hass, sondern Stolz. Wir wollten zeigen, dass TNA noch immer eine starke Marke ist.“
Wie es mit der Partnerschaft weitergeht
Trotz der Spannungen hinter den Kulissen wird die Kooperation zwischen WWE und TNA von beiden Seiten fortgesetzt. Die Partnerschaft gilt weiterhin als strategisch bedeutend, da sie neue Zuschauergruppen erschließt und beiden Promotions Vorteile verschafft. WWE kann dadurch die Reichweite ihrer NXT-Marke erweitern, während TNA von der medialen Präsenz und den zusätzlichen Zuschauerzahlen profitiert.