Als Torrie Wilson im Juni 2001 ihr WWE-Debüt gab, war der Einstieg alles andere als gewöhnlich. An ihrem allerersten Arbeitstag fand sie sich mitten in einer der aufsehenerregendsten Storylines der damaligen Zeit wieder. Ihre Figur wurde in eine angebliche Affäre mit Vince McMahon verwickelt – eine Rolle, die sie sofort ins Rampenlicht stellte, aber gleichzeitig für enorme Nervosität sorgte. Noch bevor sie sich an die Abläufe hinter den Kulissen gewöhnen konnte, musste sie den WWE-Boss auf der Bühne küssen. Besonders bemerkenswert: Vince’ Ehefrau Linda McMahon war ebenfalls am Set, beobachtete die Szene aus nächster Nähe und half sogar, sie zu inszenieren.
In einem Interview bei der „The Ariel Helwani Show“ sprach Wilson rückblickend über diesen Moment. „Es war extrem einschüchternd, am ersten Tag mit Vince zu arbeiten und ihn gleich küssen zu müssen“, erinnerte sie sich. Um die Situation zu meistern, habe sie versucht, die Szene wie jede andere Herausforderung im Wrestling zu behandeln – einfach hineinspringen, ohne zu lange nachzudenken. Dass Linda McMahon neben ihr stand, erleichterte die Situation für sie nicht. „Ich wusste nicht, ob ich mich dadurch besser oder komischer fühlen sollte, aber am Ende war ich froh, direkt eine wichtige Rolle zu haben.“ Diese Szene machte sofort klar, dass Wilson keine gewöhnliche Karriere bevorstand.
Die Storyline mit Dawn Marie und ihrem Vater
Einer der am meisten diskutierten Storylines in Wilsons Laufbahn begann nur kurze Zeit später. Im Mittelpunkt stand ihre Rivalität mit Dawn Marie, die eine Mischung aus Drama, Provokation und familiärer Einbindung bot. Besonders außergewöhnlich war, dass Torrie ihren echten Vater, Al Wilson, in die Handlung einbrachte.
Wie sie später im Podcast „The Wrestling Classic“ enthüllte, stammte die Idee von Paul Heyman. Er habe ihr vorgeschlagen, entweder einen Schauspieler als ihren Vater einzusetzen oder die Rolle tatsächlich von ihrem Vater übernehmen zu lassen. Wilson entschied sich ohne langes Zögern für die zweite Option, da sie die Erfahrung als etwas Einmaliges für ihn betrachtete. Rückblickend empfindet sie Dankbarkeit für diese gemeinsame Zeit, auch wenn sie die Umsetzung teils als peinlich erlebte.
Ein Beispiel dafür war eine Anekdote, bei der ihr Vater Vince McMahon um eine Mitfahrgelegenheit bat. „Ich war besorgt, dass er Dinge tun könnte, die unpassend wirken. Das war für mich beschämend“, erklärte sie.
Die wohl bekannteste Szene dieser Storyline spielte sich in einem Hotelzimmer ab, wo Torrie und Dawn Marie einen Kuss teilten. Wilson gab offen zu, dass sie sich dabei sehr unwohl fühlte. „Ich erinnere mich, dass ich mich beim Küssen von Dawn Marie extrem unwohl fühlte. Wir haben Champagner getrunken und ich habe versucht, mich ein wenig abzulenken.“ Damals habe sie die Szene nur schwer ertragen, doch mit den Jahren habe sie gelernt, mit einem Augenzwinkern darauf zurückzublicken. „Lange Zeit wollte ich mir das nicht ansehen, aber heute sehe ich den Humor darin“, so Wilson.
Bikini-Wettbewerbe und knappe Matches
Die sogenannte „Divas-Ära“ der WWE war geprägt von Segmenten, in denen Frauen weniger durch Wrestling-Leistungen, sondern stärker durch ihr Äußeres ins Rampenlicht gerückt wurden. Wilson war ein zentrales Gesicht dieser Ära und sprach rückblickend sehr ehrlich darüber, wie unangenehm manche dieser Auftritte für sie waren.
Ein besonders einprägsames Beispiel war der Bikini-Contest beim WWE-Pay-per-View Judgment Day 2003, in dem sie gegen Sable antrat. „Es war wie ein Albtraum, in dem man plötzlich nackt in der Schule steht“, beschrieb Wilson. Dabei verriet sie auch, dass die ursprüngliche Idee noch provokativer ausfallen sollte. WWE habe geplant, dass sie mit Bodypainting auftritt. „Sie wollten, dass ich Farbe verwende, aber ich habe ausgehandelt, dass ich stattdessen Kristalle trage“, erklärte sie.
Trotz solcher Szenen bedeutete es ihr sehr viel, 2004 bei WrestleMania 20 im Madison Square Garden auftreten zu dürfen. Dort bestritt sie an der Seite von Sable ein Playboy Evening Gown Match gegen Stacy Keibler und Miss Jackie. Wilson betonte, dass es für sie eine große Ehre war, auf der größten Bühne des Jahres zu stehen – auch wenn es nur ein kurzes Match war. Problematisch war dabei, dass die Frauen oft nur wenige Minuten erhielten, um sich zu präsentieren. „Es kam vor, dass man uns im letzten Moment von acht auf vier Minuten kürzte, inklusive Einzug. Das war frustrierend und machte es sehr schwer, etwas zu zeigen“, erinnerte sie sich.
Die Playboy-Shootings als Höhepunkt
Neben den Storylines im Ring zählen vor allem die beiden Playboy-Shootings zu den Höhepunkten von Wilsons Karriere. 2003 erschien sie erstmals auf dem Cover des Magazins. Das Angebot habe sie direkt während einer TV-Aufzeichnung von Jim Ross erhalten. „Er sprach mich mitten am Tag an und sagte, der Playboy wolle eine Reportage mit mir machen. Ich habe sofort zugesagt, ohne lange zu überlegen“, erzählte Wilson.
Sie habe die Zeitschrift schon zuvor bewundert und gewusst, dass ihr dieser Schritt zusätzliche Popularität verschaffen würde. Die Ausgabe entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Playboy-Hefte mit einer Wrestlerin überhaupt.
Kurze Zeit später folgte ein weiteres Shooting, diesmal gemeinsam mit Sable. Die Idee dazu sei während eines Bikini-Shootings in Mexiko entstanden. Beide hätten sich überlegt, dass ein gemeinsames Playboy-Cover nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch eine passende Storyline bringen könnte. Sie präsentierten den Vorschlag Vince McMahon, der sofort begeistert zustimmte.
Diese Playboy-Cover wurden zu legendären Momenten in Wilsons Karriere und zählen bis heute zu den bekanntesten Veröffentlichungen in der Verbindung zwischen WWE und Mainstream-Medien. Für Torrie selbst stellten sie nicht nur einen Karriereschub dar, sondern auch eine Form von Selbstbewusstsein, das sie in einer Zeit fand, in der Frauen im Wrestling oft unterschätzt wurden.