Eric Bischoff bewertet John Cenas Abschiedstour und stellt Vince McMahons Ruf als kreatives Genie infrage

Foto mit John Cena (links) und Eric Bischoff (rechts)

Eric Bischoff hat sich in seinem Podcast „83 Weeks“ eingehend zur laufenden Abschiedstour von John Cena geäußert. Der frühere Präsident von WCW, der seit Jahren als Analyst und Podcaster aktiv ist, vergab für den bisherigen Verlauf lediglich die Note „C“ (Schulnote 3). Für Bischoff ist der entscheidende Grund dafür der problematische Beginn der Tour, der aus seiner Sicht das Gesamtbild nachhaltig beeinträchtigt hat.

Besonders kritisierte er Cenas Heel Turn bei Elimination Chamber, bei dem sich Cena überraschend an die Seite von The Rock stellte. Anstatt Begeisterung zu erzeugen, reagierte das Publikum ablehnend. Die Fans, die Cena seit Jahren als Babyface unterstützt hatten, konnten mit diesem Heelturn nichts anfangen. In der Folge kehrte Cena wieder in seine alte Rolle als Babyface zurück, was aus Sicht Bischoffs wie ein Rückzieher wirkte und dem gesamten Projekt die Dynamik nahm.

Kurz darauf musste Cena beim SummerSlam die WWE Championship an Cody Rhodes abgeben, was für viele Beobachter ein weiterer Bruch in einer Tour darstellte, die eigentlich auf einen feierlichen Karriereabschluss ausgerichtet sein sollte.

Vergleich mit einem misslungenen Filmstart

Bischoff machte seine Kritik mit einem Vergleich deutlich. Für ihn ist ein misslungener Start schwer wieder gutzumachen. Er erklärte, dass es wie bei einem Film sei: Wenn die ersten 15 Minuten keinen Sinn ergeben oder die Zuschauer verwirren, hilft auch ein starkes Ende oft nicht mehr, um sie zurückzugewinnen. Genauso habe auch Cenas Abschiedstour begonnen – der holprige Start habe es den Fans schwer gemacht, emotional mitzugehen.

Bischoff erklärte: „Für mich verdient diese Tour die Note 3. Wenn man den missglückten Anfang weglässt, wäre sie wahrscheinlich eine 2 oder sogar eine 1. Aber ein schwacher Start ist schwer wieder aufzuholen.“

Cena gegen Brock Lesnar bei WrestlePalooza

Ein weiterer wichtiger Punkt in Bischoffs Analyse war Cenas Niederlage gegen Brock Lesnar bei Wrestlepalooza. Er betonte, dass so ein Ergebnis nur dann Sinn ergibt, wenn es in eine größere und gut geplante Geschichte eingebettet ist. Besonders Geschichten über einen Fall und eine anschließende Erlösung funktionieren im Wrestling sehr gut, weil sie die Zuschauer emotional mitnehmen. Wenn Cenas Niederlage aber nur für diesen einen Abend gedacht war, ohne dass sie Teil einer langfristigen Storyline ist, dann sieht Bischoff das als problematisch an.

Bischoff unterstrich, dass die Fans ihre Helden nicht scheitern sehen möchten. Vielmehr wollen sie einen würdigen Abschied, der den Status einer Legende bestätigt. Er zog dabei den Vergleich zu Baseball-Ikone Babe Ruth: „Jeder möchte sehen, wie Babe Ruth seinen letzten Homerun schlägt. Niemand will sehen, wie Babe Ruth mit einem Strikeout endet.“

Das geplante Ende der Retirement Tour

John Cenas offizieller Abschied soll im Dezember 2025 bei einem großen Saturday Night’s Main Event-Special erfolgen. Diese finale Station ist von WWE bewusst gewählt worden, um Cenas jahrzehntelange Karriere mit einem würdigen Rahmen zu beenden. Bis dahin bleibt die Diskussion lebendig, wie WWE die Balance zwischen sportlicher Dramaturgie, Überraschungsmomenten und einem respektvollen Abgang gestaltet.

Vince McMahon und die Debatte um das kreative Genie

In derselben Ausgabe von „83 Weeks“ nahm Eric Bischoff auch Stellung zu Vince McMahon und dessen jahrzehntelang gepflegtem Ruf als „kreatives Genie“. Zwar stellte er unmissverständlich klar, dass McMahon mit seinem Einfluss das moderne Wrestling-Geschäft geprägt hat, doch relativierte er dessen Rolle als eigentlichen Ideengeber.

„Ich habe den größten Respekt vor Vince McMahon. Ohne ihn würden wir diesen Podcast gar nicht machen. Aber jeder, der glaubt, Vince sei das kreative Genie gewesen, liegt meiner Meinung nach falsch“, erklärte Bischoff.

McMahon als Filter, nicht als Ideenschöpfer

Nach Einschätzung von Bischoff lag McMahons Stärke vor allem darin, die Ideen anderer aufzunehmen, zu filtern und in eine Form zu bringen, die für WWE funktionierte. Eigene bahnbrechende Konzepte habe er bei McMahon nie erlebt. Stattdessen habe er häufig Vorschläge seiner Mitarbeiter kombiniert und in eine eigene, angepasste Version verwandelt.

Besonders verwies Bischoff auf die nWo, die er selbst in der WCW erschuf. McMahon brachte die Gruppierung später in die WWE, doch die Umsetzung im Jahr 2002 scheiterte. Viele Fans empfanden die Storyline als unpassend und überflüssig. Für Bischoff war dies ein Beispiel dafür, dass McMahon nicht immer ein klares kreatives Gespür hatte, sondern eher ein Stratege war, der auf die Ideen anderer baute.

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