Sami Zayn blickte bei „Insight“ mit Chris Van Vliet auf die Veränderungen seiner WWE-Figur und seinen persönlichen Umgang mit Erfolg zurück. Dabei erläuterte er sowohl seine kreativen Vorstellungen als auch eine Einstellung, die ihn bereits während seiner Zeit bei NXT beschäftigt hatte.
Die Niederlage gegen Drew McIntyre gab den Anstoß
Als Ausgangspunkt seiner schrittweisen Entwicklung zum Heel nannte Zayn die Niederlage gegen Drew McIntyre beim Royal Rumble. Danach habe er die Geschichte des sympathischen Außenseiters, der seinem ersten großen World-Title-Erfolg hinterherjage, für weitgehend ausgeschöpft gehalten.
Seine damaligen Zweifel an einem späteren Titelgewinn hatte Zayn bereits in einem früheren Interview beschrieben. Bei Van Vliet erläuterte er nun genauer, welche Konsequenz er daraus für seine Figur gezogen habe: Es habe eine Veränderung gebraucht, ohne die bisherige Persönlichkeit plötzlich vollständig aufzugeben.
Ein klassischer Wechsel, bei dem ein bislang guter Charakter von einem Moment auf den anderen böse wird, habe ihn nicht gereizt. Stattdessen habe er das Publikum allmählich in eine andere Richtung lenken und dabei aufmerksam auf dessen Reaktionen achten wollen.
Carmelo Hayes beschleunigte den geplanten Wandel
Zayn erklärte, dass anfangs rund 90 Prozent der Zuschauer hinter ihm gestanden hätten. Sein Plan sei gewesen, die Zustimmung allmählich auf 70 oder 60 Prozent zu senken und damit mehr gemischte Reaktionen hervorzurufen. Allerdings hat sich diese Entwicklung im wöchentlichen Fernsehen nicht immer wie gewünscht steuern lassen.
Mit seinem Gewinn der United States Championship gegen Carmelo Hayes und der Storyline mit Trick Williams hat sich die Stimmung deutlich schneller gedreht als erwartet. Innerhalb kürzester Zeit hätten ihn seiner Einschätzung nach rund 90 Prozent der Zuschauer abgelehnt.
Trotz dieses plötzlichen Umschwungs sei es ihm wichtig gewesen, seiner Figur treu zu bleiben. Schließlich hätten sich die verschiedenen Seiten seines Charakters bereits seit etwa 2019 nach und nach entwickelt.
Der erste Titelgewinn blieb für ihn besonders
Auf seine späteren Erfolge angesprochen, bezeichnete Zayn den ersten Gewinn der WWE Championship als den besonderen Moment. Der erste Sieg bleibe einzigartig, auch wenn seine damalige Regentschaft nur neun Tage gedauert habe.
Seine grundsätzliche Arbeitsweise hat er dafür nicht verändert. Er habe weiterhin versucht, jede Aufgabe bestmöglich umzusetzen. Neben beständiger Leistung waren zahlreiche Umstände und das richtige Timing erforderlich, die er selbst nicht vollständig beeinflussen konnte.
Er hielt es deshalb für verfehlt, einen solchen Titelgewinn als bloßen Zufall abzutun. Schon für entsprechende Matches infrage zu kommen, sei außergewöhnlich. Zugleich bereitet ihm die aktuelle Arbeit an seiner Figur mit unterschiedlichen Herausforderern große Freude.
Zayn hinterfragte die Forderung nach ständiger Unzufriedenheit
Im weiteren Gespräch erinnerte sich Zayn an die Hall of Fame Rede des Undertakers. Dessen dort vermittelte Aufforderung, niemals zufrieden zu sein, hat bei ihm eine andere Sichtweise ausgelöst. Er betonte dabei ausdrücklich seinen großen Respekt vor dem Undertaker.
Den Gedanken, ehrgeizig zu bleiben und weiter an sich zu arbeiten, unterstützt er. Zwischen diesem Anspruch und dauerhafter Unzufriedenheit sieht er jedoch einen erheblichen Unterschied. Wer gute Arbeit leistet und darauf stolz ist, darf sich auch darüber freuen.
Weitere Ziele zu verfolgen, müsse nicht bedeuten, das bisher Erreichte abzuwerten. Andernfalls bestehe die Gefahr, sich unabhängig von den eigenen Leistungen ständig als gescheitert wahrzunehmen. Zayn erklärte, selbst ehrgeizig zu sein, ohne seine gesamte Karriere an einem einzelnen Erfolg messen zu wollen.
Die Erwartungen bei NXT erschienen ihm teilweise problematisch
Eine ähnliche Botschaft habe er bereits zu Beginn seiner WWE-Zeit gehört. Bei NXT sei mitunter vermittelt worden, dass jemand ohne den Wunsch, der nächste John Cena zu werden, dort nicht hingehöre.
Die beabsichtigte Motivation habe er verstanden. Die Formulierung hielt er dennoch für problematisch: Bei hundert Nachwuchskräften und nur einem Platz auf dem Niveau von John Cena drohten nach dieser Denkweise 99 Menschen unzufrieden zurückzubleiben.
Zayn plädierte dafür, die eigene Situation bewusster wahrzunehmen. Wer Wrestling auf diesem Niveau betreiben dürfe, habe bereits außergewöhnliches Glück. Das müsse sich mit dem Wunsch nach weiteren Erfolgen vereinbaren lassen.
Triple H erinnerte an den Wert der gemeinsamen Zeit
Als Gegenbeispiel zu besonders druckvollen Ansprachen nannte Zayn Triple H. Dieser habe den Talenten schon damals eine zusätzliche Perspektive gegeben und sie daran erinnert, ihre gemeinsame Zeit zu genießen. Sie werde schneller vorbei sein, als sie glaubten.
Zayn erinnerte sich, dass sich seine ungefähr drei Jahre bei NXT damals sehr lang angefühlt hätten. Währenddessen habe er auf den Aufstieg ins Main Roster und die nächsten Möglichkeiten gewartet. Mit der Beförderung sei dieser Lebensabschnitt jedoch unwiederbringlich zu Ende gewesen.
Rückblickend verbindet er damit eine besonders schöne Zeit und enge Freundschaften. Das gemeinsame Arbeiten auf ein Ziel hin hat Beziehungen entstehen lassen, die ihm heute noch viel bedeuten. Wer gedanklich ausschließlich beim nächsten Karriereschritt ist, kann solche Erfahrungen leicht übersehen.
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