Paul Heyman blickte bei „In Depth with Graham Bensinger“ auf seine wechselhafte Zusammenarbeit mit Vince McMahon zurück. Dabei sprach er über den Streit um den ECW-Neustart, die Anforderungen seines früheren Chefs und die Frage, ob sich ihre Wege noch einmal kreuzen könnten.
Heyman bezeichnete den ECW-Neustart als ihren schwersten Konflikt
Auf die Frage nach seiner schlimmsten Auseinandersetzung mit McMahon verwies Heyman auf das Jahr 2006, als WWE ECW als eigene Marke zurückbrachte. Laut Heyman habe McMahon ihm zunächst zugesichert, dass er die Leitung übernehmen werde. Diese Zusage hatte jedoch kaum Bestand.
Laut Heyman begann McMahon bereits „30 Sekunden später“ damit, ihm seine Befugnisse wieder zu entziehen. Davon betroffen waren seine Möglichkeiten, das Programm zu gestalten, die kreative Richtung vorzugeben und seine Vorstellungen umzusetzen.
Heyman sah den Hintergrund in der damaligen Stellung von WWE. Aus seiner Sicht hatte McMahon keinen ernsthaften Konkurrenten mehr. Andere Wrestling-Unternehmen waren im Vergleich zu WWE so klein, dass sie für ihn keine gleichwertige Herausforderung darstellten.
Mit ECW hatte McMahon hingegen eine Marke wiederbelebt, die eng mit Heymans eigener kreativer Vision verbunden war. Heyman stand nach außen hin erneut für ECW, während McMahon zugleich die Möglichkeit hatte, dessen Entscheidungen und das gesamte Programm nach seinen Vorstellungen zu verändern.
Heyman warf McMahon Freude an den Eingriffen vor
Bensinger hakte nach und fragte, ob Heyman tatsächlich davon überzeugt sei, dass McMahon aus diesem Motiv gehandelt habe. Heyman blieb bei seiner Einschätzung. Auch mit dem heutigen Abstand komme er zu demselben Ergebnis, unabhängig davon, ob er die Ereignisse persönlich oder aus einer nüchternen, geschäftlichen Perspektive betrachte.
Nach seiner Überzeugung habe McMahon Befriedigung daraus gezogen, die ECW entgegen seinen Vorstellungen zu verändern. Dadurch sei der Konflikt zunehmend persönlich geworden. Darunter hätten das Programm und das Unternehmen gelitten, am stärksten jedoch das Publikum.
Heyman beschrieb diese Phase als die elendsten sechs Monate seines Lebens. Die Auseinandersetzung sei aus seiner Sicht weit über unterschiedliche Ideen für eine Wrestling Show hinausgegangen.
Zugleich erinnerte er daran, dass McMahon direkte Konfrontationen grundsätzlich mochte. Wer ihm widersprochen habe, sei nicht automatisch mit dem Hinweis auf seine Stellung als Chef zurechtgewiesen worden. Vielmehr habe McMahon häufig ebenso scharf geantwortet. Heyman bezeichnete die daraus entstandenen Wortgefechte rückblickend als kindische Auseinandersetzungen.
McMahons Arbeitspensum sei unmöglich einzuhalten gewesen
Ein weiterer Teil des Gesprächs drehte sich um die Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit. Heyman nannte McMahons Erwartung, dass andere mit seinem Arbeitseinsatz Schritt halten könnten, als größte Belastung. McMahon habe praktisch rund um die Uhr gearbeitet: an sieben Tagen die Woche, das ganze Jahr hindurch. Er habe auf Feiertage verzichtet und für das Geschäft Hochzeiten, Beerdigungen sowie Sportveranstaltungen verpasst.
Laut Heyman habe er noch nie jemanden kennengelernt, der so hart gearbeitet habe wie McMahon. Diese Hingabe war für ihn zugleich inspirierend und lähmend. Den gleichen Einsatz dauerhaft selbst zu leisten, war schlicht unmöglich. Hinzu kamen die steigenden Erwartungen, die mit den Fähigkeiten eines Mitarbeiters einhergingen. Je mehr jemand gelernt und je mehr Talent er gezeigt hatte, desto stärker hatte McMahon versucht, zusätzliche Leistungen aus dieser Person herauszuholen.
Heyman sprach in diesem Zusammenhang von einer Ausnutzung der Begabung, des Wissens und der Fähigkeiten seiner Mitarbeiter. Diese Arbeitsweise hat wesentlich zu McMahons Erfolg beigetragen. Zugleich hätten sich die Beschäftigten einer Sache verschrieben, von der McMahon stärker als jeder andere profitiert habe.
Zur Veranschaulichung verglich Heyman die Mitarbeiter mit einem Fahrzeug, das McMahon so lange weiterfuhr, bis die Räder abfielen. Das Fahrzeug sei der jeweilige Mitarbeiter, der die Folgen dieser Belastung trage.
Als Bensinger ihn anschließend nach dem besten Aspekt der Zusammenarbeit fragte, antwortete Heyman knapp: „Alles, was ich gerade gesagt habe.“
Heyman unterschied zwischen McMahons Erfolgen und dessen Selbstbild
Heyman beschrieb seinen früheren Chef außerdem als äußerst komplizierten Menschen, der Großes geleistet hat. Auf die Frage, ob McMahon ein guter Mensch sei, sprach er darüber, wie dieser sich seiner Einschätzung nach selbst gesehen habe.
Er glaube nicht, dass sich McMahon je als guter Mensch verstanden habe. Ebenso wenig glaube er, dass diese Frage für McMahons Selbstbewertung entscheidend gewesen sei. Dessen Leistungen im Wrestling-Geschäft erkannte Heyman dennoch ausdrücklich an.
Ein erneuter Kontakt beschäftigte Heyman derzeit nicht
Zum Abschluss dieses Gesprächsteils fragte Bensinger, ob Heyman und McMahon wieder zueinanderfinden könnten. Heyman bezog die Frage zunächst auf ihren früheren Bruch und wies darauf hin, dass sie bereits rund fünfeinhalb Jahre später erneut zusammengearbeitet hätten.
Bensinger stellte daraufhin klar, dass er einen möglichen erneuten Kontakt in der Gegenwart meine. Heyman erklärte, dass er keine sichere Antwort geben könne. Ihre Branche sei ungewöhnlich und derzeit befänden sie sich auf unterschiedlichen Wegen im Leben.
Ob es noch einmal zu einer Annäherung komme, wisse er nicht. Er selbst denke nicht darüber nach. Heyman äußerte außerdem die Überzeugung, dass sich McMahon damit ebenfalls nicht beschäftige.
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