John Cena blickt mit einigen Monaten Abstand noch einmal anders auf die letzten Kapitel seiner WWE‑Karriere. In einem ausführlichen Gespräch sprach der frühere World Champion über Entscheidungen, die nicht überall gut ankamen, seine Erfahrungen hinter den Kulissen und darüber, welche Lektionen er der heutigen Generation mitgeben möchte.
John Cena widerspricht Berichten über Frust mit dem WWE-Management
Im Gespräch mit Graham Matthews für Bleacher Report kam Cena zunächst auf ein Thema zu sprechen, das ihn während seiner langen WWE-Karriere immer wieder begleitet hatte. Über die Jahre gab es regelmäßig Spekulationen darüber, ob er hinter den Kulissen mit kreativen Entscheidungen oder seiner jeweiligen Position unzufrieden gewesen sei.
Cena stellt nun klar, dass diese Vorstellung aus seiner Sicht nicht der Realität entspricht. Natürlich hat auch er in 23 Jahren einzelne kurze Momente erlebt, in denen ihn etwas frustrierte. Diese Phasen seien jedoch schnell wieder verschwunden, weil er seine Arbeit grundsätzlich immer geliebt habe.
Als Beispiel verwies Cena auf seine WrestleMania-Karriere. Nachdem er WrestleMania 28 und 29 jeweils gegen The Rock im Main Event beendet hatte, dauerte es 13 Jahre, ehe er 2025 noch einmal das letzte Match einer WrestleMania bestritt. Dennoch habe man ihn während dieser langen Zeit nicht öffentlich darüber klagen hören, dass ihm dieser Platz nicht erneut gegeben wurde. Für Cena liegt darin eine wichtige Lektion, die er besonders an heutige WWE-Talente richten möchte.
Er bekomme sowohl über öffentliche Aussagen als auch in persönlichen Gesprächen mit, dass Wrestler immer wieder mit ihrer kreativen Situation oder fehlenden Chancen hadern. Diese Frustration hält Cena grundsätzlich für menschlich. Entscheidend sei jedoch, sich davon nicht vollständig bestimmen zu lassen. Solange ein Wrestler die Möglichkeit bekomme, vor einem Publikum aufzutreten, existiere auch eine Chance, den eigenen Status zu verändern. Eine große Gelegenheit müsse nicht zwangsläufig sofort zur nächsten führen.
Cena akzeptiert Kritik an seinem Heel Turn
Cena blickte ausführlich auf seinen viel diskutierten Heelturn von 2025 zurück. WWE hatte ihn bei Elimination Chamber nach jahrelangen Spekulationen tatsächlich gegen das Publikum positioniert. Rückblickend räumt der inzwischen zurückgetretene Superstar ein, dass die Geschichte kreativ nicht alle Erwartungen erfüllte.
Wirtschaftlich könne er jedoch kaum von einem Misserfolg sprechen, da die Arenen ausverkauft gewesen seien und zahlreiche Zuschauer die Shows verfolgt hätten. Dennoch versteht Cena Fans, die sich von seiner Heel-Rolle eine andere Entwicklung erhofft hatten, und akzeptiert dafür inzwischen sogar die Bezeichnung „Failure“.
Bereuen würde er den Versuch trotzdem nicht. Andernfalls hätte man wohl noch jahrzehntelang darüber diskutiert, wie ein Heel John Cena ausgesehen hätte. Die ursprünglichen Pläne seien während der Umsetzung mehrfach verändert worden, wie es auch die Netflix-Dokumentation „WWE: Unreal“ thematisierte. Cena verglich dies mit einem Schachspiel, bei dem plötzlich mehrere eingeplante Figuren fehlen. Die Idee zum Heelturn stammte zudem von Paul „Triple H“ Levesque, dessen Vorschlag Cena innerhalb weniger Sekunden zustimmte.
Wie weit Cena als Heel eigentlich gehen wollte
Seine eigene Vorstellung wäre sogar noch radikaler ausgefallen. Cena hätte gerne ausprobiert, absichtlich derart unangenehm zu wrestlen, dass sich die Zuschauer verzweifelt einen Helden gewünscht hätten, der ihn vertreibt. Er sprach in diesem Zusammenhang erneut davon, Wrestling regelrecht „ruinieren“ zu wollen.
Gleichzeitig erkennt Cena heute, warum die WWE diesen Ansatz nicht konsequent verfolgen konnte. Die begrenzte Zeit seiner Abschiedstour hätte kaum ausgereicht, um eine derart extreme Geschichte aufzubauen. Noch wichtiger war, dass ein bewusst schlechteres Produkt Zuschauer hätte vertreiben und dem Geschäft hätte schaden können. Deshalb sei er dankbar gewesen, erfahrene Personen um sich gehabt zu haben, die ihn bei der Umsetzung beraten hätten.
Gerade die Kritik an dieser Phase betrachtet Cena inzwischen als wertvolle Erfahrung. Wenn er jüngeren Talenten heute dazu rate, Risiken einzugehen und keine Angst vor einem möglichen Scheitern zu haben, könne er dabei auf ein eigenes Beispiel verweisen. Er spreche nicht aus einer Position heraus, in der sämtliche seiner Entscheidungen stets funktioniert hätten.
Warum eine Niederlage gegen The Undertaker für Cena trotzdem wertvoll war
Seine grundsätzliche Haltung zu Chancen verdeutlichte Cena mit einem überraschenden Beispiel von WrestleMania 34. Damals saß er zunächst als Zuschauer im Publikum, ehe The Undertaker schließlich erschien und ihn in einem äußerst kurzen Match deutlich besiegte. Für viele Topstars hätte eine solche Darstellung als Rückschritt gelten können. Cena zählt den Moment dagegen zu jenen WrestleMania-Geschichten, auf die er besonders stolz ist.
Aus seiner Sicht erfüllte das Segment seinen Zweck, weil es The Undertaker wieder in seiner klassischen „Deadman“-Darstellung präsentieren konnte. Genau darin sieht Cena den Unterschied zwischen persönlichem Status und einer erfolgreichen Geschichte. Nicht jede gute Gelegenheit müsse automatisch aus einem langen Main Event oder einem Sieg bestehen.
Diese Einstellung soll auch hinter dem von ihm unterstützten John Cena Classic stehen. Cena möchte Talenten zusätzliche Möglichkeiten geben, sich vor Zuschauern zu präsentieren. Was sie aus diesen Gelegenheiten machen, liege anschließend bei ihnen selbst.
Cena sieht Gunther nun vor einer neuen Herausforderung
Auch Gunther, der Cena in dessen letztem Match besiegte und später ebenfalls AJ Styles in den Ruhestand schickte, kam zur Sprache. Cena verfolgt dessen Karriere weiterhin und glaubt, dass für den Österreicher nun eine besonders interessante Phase beginnt. Große Siege über etablierte Namen seien bedeutend, doch nicht dauerhaft könne ein Gegner mit jahrzehntelanger Erfahrung bereitstehen.
Künftig werde Gunther deshalb auch Situationen meistern müssen, in denen er jüngere Talente aufwertet oder eine Show stärker aus eigener Kraft trägt. Nach Cenas Ansicht entscheidet gerade der Umgang mit solchen unterschiedlichen Aufgaben darüber, welches Vermächtnis ein Wrestler am Ende hinterlässt.
Cena selbst schließt eine Rückkehr in den Ring weiterhin aus. Zwar vermisse er die Atmosphäre im Locker Room und die unmittelbare Reaktion eines Live-Publikums, doch seine körperlichen Fähigkeiten hätten mit zunehmendem Alter nachgelassen. Solange er seine Gesundheit noch besitzt, betrachtet er den Zeitpunkt seines Abschieds deshalb als richtig. Sein Blick richtet sich jetzt stärker darauf, anderen Wrestlern Chancen zu ermöglichen und seine eigenen Erfahrungen weiterzugeben.

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