Charlotte Flair spricht ungewöhnlich offen über Ric Flair, Selbstzweifel und psychologische Hilfe

Ric Flair und Charlotte Flair stehen lächelnd nebeneinander
wrestling-point.de Newsquelle festlegen

Charlotte Flair hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – nicht nur als Wrestlerin, sondern auch in Bezug auf ihre Gedanken über sich selbst, ihre Familie und ihre öffentliche Wahrnehmung. In einem ausführlichen Gespräch mit Stephanie McMahon gewährte die langjährige WWE-Topwrestlerin nun ungewöhnlich persönliche Einblicke in Themen, mit denen sie sich lange weitgehend allein auseinandergesetzt hatte.

Charlotte Flair und Ric Flair streiten beinahe täglich über Social Media

Im „What’s Your Story?“ Podcast sprach Charlotte über das Verhältnis zu ihrem Vater Ric Flair und dessen teils kontroverse Social-Media-Aktivitäten. Nach ihrer Darstellung gehört es fast zum Alltag, dass sich beide wegen seiner Posts in die Haare bekommen. Charlotte frage ihn regelmäßig, warum er nahezu alles in Großbuchstaben schreibe und dadurch wirke, als würde er seine Follower anschreien. Häufig sei sie zudem verwirrt darüber, mit wem Ric gerade öffentlich streite. Teilweise berufe er sich auf kleine Websites oder Social-Media-Accounts, deren Reichweite sie für kaum relevant halte.

Ein weiteres Problem seien KI-generierte Bilder. Charlotte berichtete, dass Ric ihr regelmäßig Fotos schicke, die angebliche Begegnungen oder Situationen zeigen, die nie stattgefunden hätten. Sie müsse ihm dann erklären, dass die Bilder künstlich erstellt wurden. Auch öffentlich reagiert sie gelegentlich auf seine Aktivitäten. Bei harmlosen Posts macht sie manchmal einen Witz daraus. Geht ein Beitrag aus ihrer Sicht jedoch zu weit, versucht sie bewusst, nicht darauf zu reagieren, um ihm keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. In besonders problematischen Fällen nutze sie sogar die Meldefunktion.

Trotz dieser Reibereien machte Charlotte deutlich, dass hinter vielen Posts vor allem Rics Stolz auf sie stecke. Er sei einer ihrer größten Unterstützer und verfolge ihre Karriere mit großer Leidenschaft. Gleichzeitig scherzte sie darüber, wie viel einfacher vieles wäre, wenn sie seine Social-Media-Aktivitäten kontrollieren könnte. Die Verantwortung für seine Accounts möchte sie jedoch nicht übernehmen.

Eine entspanntere Sicht auf Rics Meinungsäußerungen habe ihr zuletzt Natalya vermittelt. Beide hätten sich über ihre berühmten Familien unterhalten, wobei Natalya über Bret Hart und Charlotte über ihren Vater sprach. Natalya habe sie daran erinnert, dass Ric nach Jahrzehnten im Wrestlinggeschäft das Recht habe, seine eigene Meinung öffentlich zu vertreten. Charlotte räumte ein, dass ihr dieser Gedanke geholfen habe, manche Posts weniger persönlich zu nehmen.

Siehe auch  Roman Reigns intern offenbar klar eingeordnet – Jacob Fatus Verhalten nach Raw sorgt für neue Fragen

Der Name Flair setzte Charlotte jahrelang unter enormen Druck

Das Gespräch wurde anschließend deutlich ernster. Charlotte sprach darüber, wie sehr sie über Jahre das Gefühl gehabt habe, sich wegen ihres berühmten Nachnamens besonders beweisen zu müssen. In ihrem Kopf habe sich festgesetzt, dass jeder Fehler sofort mit Ric Flair verglichen werden könnte. Sobald sie eine Eigenschaft an sich bemerkte, die ihrem Vater ähnelte, habe sie befürchtet, dass andere daraus Rückschlüsse auf ihren Charakter ziehen würden.

Daraus entwickelte sich nach eigener Aussage ein ständiger Perfektionsdruck. Charlotte habe nicht nur die beste Performerin sein wollen, sondern lange auch geglaubt, Fehler ihres Vaters ausgleichen zu müssen. Sie versuchte deshalb, möglichst kontrolliert aufzutreten und anderen ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln. Rückblickend empfindet sie diese Jahre als sehr einschränkend. Sie habe kaum wirklich gelebt, sondern sich in einer Blase bewegt, in der sie ständig darüber nachdachte, wie sie wahrgenommen werde.

Erst nach und nach habe sie verstanden, dass weder ihre Championships noch die Persona „Charlotte Flair“ allein bestimmen, wer sie als Mensch ist. Inzwischen sei es ihr wichtiger geworden, auch Ashley Fliehr zu akzeptieren und diese Seite stärker nach außen zu tragen.

Schuldgefühle wegen ihres Bruders Reid belasteten Charlotte lange

Zu diesem inneren Druck kamen starke Schuldgefühle. Charlotte sprach offen über ihren 2013 verstorbenen Bruder Reid Flair und darüber, dass sie sich lange selbst mit der Frage belastet habe, ob sie Dinge anders hätte machen können. Auch ihre jahrelange Konzentration auf die eigene Karriere habe immer wieder Gedanken ausgelöst, ob sie in bestimmten Situationen mehr hätte tun oder andere Entscheidungen treffen können.

Heute versucht Charlotte nach eigener Aussage, stärker zwischen Selbstreflexion und dem Festhalten an der Vergangenheit zu unterscheiden. Aus früheren Erfahrungen könne sie lernen, aber sie wolle sich nicht mehr dauerhaft für Dinge bestrafen, die nicht mehr verändert werden können. Diese Erkenntnis habe ihr geholfen, wieder stärker darauf zu schauen, was noch vor ihr liegt. Charlotte ist überzeugt, dass sie sowohl persönlich als auch beruflich weiterhin viel zu geben hat.

Siehe auch  John Cena liebte das Wrestling: Warum er den Ring trotzdem verlassen musste

Charlotte nahm drei Jahre lang psychologische Hilfe über WWE in Anspruch

Auf Stephanies direkte Frage nach therapeutischer Unterstützung bestätigte Charlotte, dass sie selbst über einen längeren Zeitraum professionelle Hilfe in Anspruch genommen habe. WWE bietet seinen Talenten psychologische Beratung an. Charlotte erklärte, dass sie insgesamt drei Jahre lang mit Dr. Jada gearbeitet habe. Diese Unterstützung habe ihr geholfen, viele ihrer Gedanken über Selbstwert, Schuld und den ständigen Wunsch nach Perfektion neu einzuordnen.

Eine weitere wichtige Veränderung sei durch ihre Begegnung mit Scarlett und deren Familie entstanden. Charlotte beschrieb Scarlett als eine Person, die ihre Perspektive auf das Leben stark beeinflusst habe. Gleichzeitig begann sie, Dankbarkeit bewusster in ihren Alltag einzubauen. Dazu gehört für Charlotte inzwischen, morgens und abends bewusst auszusprechen, wofür sie dankbar ist. Sie erinnert sich regelmäßig selbst daran, dass ihr eigener Wert nicht davon abhängt, wie andere sie beurteilen oder ob sie gerade eine Championship hält.

Charlotte Flair spricht über schwierige Körperwahrnehmung

Auch ihre eigene körperliche Wahrnehmung thematisierte Charlotte. Sie sagte vorsichtig, dass sie glaube, zeitweise mit einer Form von Body Dysmorphia zu tun gehabt zu haben, stellte dabei jedoch ausdrücklich keine medizinische Diagnose. Vielmehr erklärte sie, dass Frauen den eigenen Körper besonders kritisch betrachten könnten, wenn sie ständig vor Kameras stehen. Social Media haben diesen Vergleichsdruck zusätzlich verstärkt.

Besonders schwer könne sie sich vorstellen, wie Jugendliche heute mit Plattformen wie Instagram aufwachsen und ihren eigenen Wert an Likes, Followerzahlen oder Reaktionen auf Fotos knüpfen. Selbst sie ertappte sich noch dabei, gedankenlos durch ihr Smartphone zu scrollen, bevor sie bewusst merkte, dass sie das Gerät weglegen müsse. Diese Offenheit steht in deutlichem Kontrast zur jahrelang nahezu unantastbar wirkenden „Queen“-Persona im WWE-TV. Charlotte machte klar, dass hinter dieser Figur ein Mensch stand, der deutlich stärker an sich selbst zweifelte, als es nach außen wirkte.

Inzwischen versucht sie, sich weniger über Perfektion und äußere Bestätigung zu definieren. Stattdessen gehe es für sie darum, sich selbst mehr Raum zu geben, Hilfe anzunehmen und nicht länger jede Erwartung erfüllen zu wollen, die andere oder sie selbst mit dem Namen Flair verbinden.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*