John Cena hat seine wichtigsten beruflichen Entscheidungen nicht allein vom Erfolg abhängig gemacht. Im Gespräch mit der US-Schauspielerin Drew Barrymore erläuterte er, welche persönlichen Maßstäbe ihn beim Abschied vom Ring sowie beim Umgang mit kreativen Vorgaben geleitet haben.
John Cena hielt ein bis zwei weitere Jahre für möglich
Sein Rücktritt bedeutete für Cena nicht, dass er sich körperlich zu keinem weiteren Match mehr in der Lage gesehen hätte. Nach seiner eigenen Einschätzung wäre eine Fortsetzung seiner Karriere durchaus möglich gewesen. Er wollte jedoch selbst entscheiden, wann er aufhört, und dabei die möglichen Folgen weiterer Auftritte berücksichtigen.
„Die Vorbereitung auf Shows dauerte länger. Die Erholung danach dauerte ebenfalls länger. Zu einem anderen Zeitpunkt wurde mir klar: Okay, ich muss jetzt noch nicht aufhören. Ich könnte wahrscheinlich noch ein Jahr dranhängen, vielleicht sogar zwei. Aber mit jedem Mal steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich wirklich verletze.“
Dass er weiterhin große Lust auf Wrestling verspürt, verdeutlichte Cena mit einer Beobachtung aus dem Fernsehstudio. Noch vor Barrymores Ankunft habe er sich vorgestellt, dort einen Ring aufzustellen und eine Show zu veranstalten. „Ich möchte für immer im Ring stehen. Ich möchte auch jetzt dort sein“, erklärte er. Seine Begeisterung sei geblieben, obwohl er sich gegen weitere Matches entschieden habe.
Die allgemeinen körperlichen Gründe für seinen Abschied hatte Cena bereits in früheren Interviews beschrieben. Die nun genannte Zeitspanne präzisiert seine damalige Abwägung: Entscheidend war für ihn nicht allein, ob er noch auftreten konnte, sondern welches Risiko er dafür eingehen wollte.
Seine Ehe veränderte den Blick auf Verletzungen
Auch sein Privatleben hat Cenas Einstellung zu den körperlichen Risiken des Wrestlings verändert. Früher habe er Verletzungen als Konsequenz seiner eigenen Entscheidungen akzeptiert, da er die Folgen allein tragen musste. Seit seiner Heirat betrachtet er diese Verantwortung anders. Eine schwere Verletzung oder langfristige gesundheitliche Probleme würden schließlich nicht mehr nur ihn selbst, sondern auch seine Frau und ihre gemeinsame Zukunft betreffen.
„Solange ich allein auf dieser Achterbahnfahrt unterwegs bin und niemand sonst von meinen Entscheidungen abhängt, bin ich auch der Einzige, der die Folgen tragen muss, wenn ich mir beispielsweise das Knie schwer verletze. Wenn ich aber mit jemandem mein Leben teile und wir einander ein Versprechen gegeben haben, bedeutet das auch, verantwortungsvoll mit meiner Gesundheit umzugehen. Schließlich möchte ich dafür sorgen, dass wir noch möglichst viele Abende und Morgen gemeinsam erleben können.“
Seine Prioritäten, Werte und Überzeugungen hätten sich dadurch verändert. Cena schilderte dies als eigene Verantwortung innerhalb seiner Ehe.
Gleichzeitig wollte er nicht aus reinem persönlichen Ehrgeiz an seiner Position festhalten. Er hatte sich vorgenommen, rechtzeitig aufzuhören, anstatt nachlassende Leistungen hinzunehmen und anderen die Chance zu nehmen. Auch die Tatsache, dass Fans ihm weiterhin gute Matches zutrauen, ändere diese Entscheidung nicht. Gerade der freiwillige Abschied könne für ihn ausdrücken, wie viel ihm das Wrestling nach einem Vierteljahrhundert voller Chancen bedeute.
Warum unbegründete Anweisungen seinen Widerstand auslösten
Im selben Gespräch beschäftigte sich Cena mit einer anderen Seite seiner Karriere: seinem Umgang mit Autorität. Er widersprach der Vorstellung, grundsätzlich ein Problem mit Vorgesetzten oder Regeln zu haben. Schwierigkeiten entstünden für ihn vielmehr dann, wenn jemand seine Position als ausreichende Erklärung für eine Entscheidung betrachte.
Als Beispiel nannte er Eltern, die eine Frage ihres Kindes lediglich mit „Weil ich es sage“ beantworten. Eine nachvollziehbare Begründung könne er akzeptieren, auch wenn ihm das Ergebnis zunächst nicht gefalle. Eine bloße Berufung auf Autorität habe dagegen früher heftigen Widerspruch ausgelöst.
Diese Haltung hat auch seine Arbeit im Wrestling geprägt. „Gerade im kreativen Bereich, besonders im Wrestling, hieß es früher manchmal: Weil wir es sagen. Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Wer ist dieses ‚Wir‘? Mit wem muss ich sprechen?“
Cena betonte, dass solche Nachfragen die jeweilige Person nicht abwerten sollten. Er habe verstehen wollen, warum etwas nicht möglich sei. Wenn ihm niemand die Gründe erklären konnte, sei er unmittelbar in Widerstand gegangen oder habe selbst versucht, die Hintergründe herauszufinden.
Cena beschreibt einen veränderten Umgang mit Meinungsverschiedenheiten
Heute sieht Cena darin weniger einen Akt der Rebellion als vielmehr den Wunsch, Entscheidungen nachvollziehen zu können. Ihm gehe es nicht darum, seinen eigenen Willen durchzusetzen. Vielmehr wolle er verstehen, warum eine bestimmte Vorgehensweise für das gemeinsame Ziel die richtige sei.
„Wenn du mir eine überzeugende Erklärung lieferst, stelle ich meine eigenen Vorstellungen zurück. Ich bin bereit, einzugestehen, dass ich falschliege, meine Meinung zu ändern und mich dafür zu bedanken. Auf diese Weise habe ich bereits unglaublich viel gelernt.“
Allerdings habe es auch Situationen gegeben, in denen solche Erklärungen ausgeblieben seien. Dann sei bei ihm das Gefühl entstanden, möglicherweise ausgenutzt zu werden. Sein Anspruch bleibe deshalb, Entscheidungen nachvollziehen zu können, bevor er sie akzeptiert.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar