Ric Flair hat im „Dual Time“ mit Roman Sharf Podcast zahlreiche Kapitel seiner Laufbahn verbunden. Der WWE Hall of Famer sprach über seine Matchzahl, extreme Reisepläne und die Kosten seines „Nature Boy“-Lebens. Weitere Themen waren seine Ehen, Sting, ein schmerzhafter Familienverlust und Triple Hs Gespür für Wrestlingpolitik.
Flair nennt 5.772 Matches und nur 17 freie Tage
Nach Flairs Darstellung wurde kürzlich errechnet, dass er während seiner Karriere 5.772 Matches bestritten habe. Eine einzelne herausragende Begegnung mache noch keinen großen Wrestler; Qualität müsse über Hunderte Auftritte bewiesen werden. Nicht alle 5.772 Matches seien großartig gewesen. Als Gegenbeispiel nannte er seine Begegnungen mit Ricky Steamboat, über die mehr als 40 Jahre später noch gesprochen werde.
Für die Jahre 1982 bis 1985 erinnerte sich Flair an lediglich 17 freie Tage. Teilweise habe er samstags und sonntags jeweils zweimal im Ring gestanden. Als besonders extreme Route beschrieb er Stundenmatches in Sydney, Auckland und Christchurch, gefolgt von Reisen über Chicago nach St. Louis, Atlanta und Japan. Innerhalb einer Woche seien so rund 13.000 Meilen (ca. 20.921 km) zusammengekommen.
Auch ohne Fitnessstudio habe er täglich trainiert: 500 Kniebeugen mit dem eigenen Körpergewicht, 200 Liegestütze und 250 Crunches gehörten nach seiner Schilderung zum Programm. Die exakten Zahlen beruhen auf Flairs Erinnerung Jahrzehnte später und wurden im Gespräch nicht durch Aufzeichnungen belegt. An der außergewöhnlichen Belastung seines damaligen Reise- und Matchplans ließ er dennoch keinen Zweifel.
Der „Nature Boy“ wurde auch außerhalb des Rings teuer
Flair erklärte, seine Fernsehfigur sei weitgehend mit seinem wirklichen Leben verschmolzen. Wer mit Rolls-Royce, Privatflugzeug, Rolex und kostspieliger Kleidung werbe, müsse diesen Lebensstil tatsächlich führen. Er besaß sogar ein Flugzeug und erinnerte an den Absturz, der ihn beinahe das Leben kostete und bei dem der Pilot sowie zwei weitere Menschen starben. Außerdem nannte er 320 Paar Alligatorschuhe, die er seit 1981 bei demselben Händler in Atlanta gekauft habe.
Besonders ausufernd sei das Nachtleben in Las Vegas, Chicago und New York gewesen; der China Club in New York habe ihn nach eigener Formulierung beinahe umgebracht. An einem Crockett-Cup-Wochenende im Baltimore Harbor Marriott hat sich eine Feier in einer Suite mit eigenem Aufzug fast drei Tage hingezogen. Nach der Schließung der Bar zahlte er dem Hotelmanager weitere 2.000 US-Dollar für Alkohol. Beim Auschecken standen 23.000 US-Dollar auf der Rechnung, seine Kreditkarte wurde abgelehnt und Flair rief Gary Jester an, um das Hotel verlassen und seinen Flug erreichen zu können.
Vier Scheidungen und eine unerwartete Gemeinsamkeit mit Sting
Flair begründete seine Gewohnheit, die Rechnungen anderer Wrestler zu übernehmen, mit seinem höheren Einkommen. Gleichzeitig wollte er zu Hause nichts erklären. Wenn seine Ehefrau seinen Lebensstil nicht akzeptierte, war die Beziehung für ihn beendet. Darin sah er selbst einen Grund für seine vier Scheidungen. Als eine seiner damaligen Ehefrauen ihn fragte, was er mit dem rund 30 Jahre jüngeren John Cena gemeinsam habe, beendete Flair das Gespräch und ließ keine Anrufe mehr durchstellen.
Auch seinen Ehering habe er bewusst nicht getragen. Ein Promoter habe ihm erklärt, weibliche Fans dürften beim Verkauf der Figur nicht an einen verheirateten Mann denken. Sting sei abseits des Rings das genaue Gegenteil gewesen: ruhig, zurückhaltend und von völliger Mäßigung geprägt. Trotz ihrer langen gemeinsamen Matches und großen geschäftlichen Erfolge hätten beide sozial kaum Gemeinsamkeiten besessen. Flair betonte deshalb ausdrücklich, Sting habe keineswegs heimlich denselben Lebensstil geführt. Dennoch seien beide viermal verheiratet gewesen. Für Flair zeigt das vor allem, wie schwer eine Ehe mit einem ständig reisenden Wrestler sein könne.
Die verlorene Rolex seines Vaters blieb eine schmerzhafte Erinnerung
Einen anderen Ton bekam das Gespräch, als Flair über eine Rolex sprach, die er ursprünglich seinem Vater geschenkt hatte. Später sei die Uhr zu einem seiner wertvollsten persönlichen Erinnerungsstücke geworden. Einer seiner Söhne, der nach Flairs Aussage heroinabhängig war, habe wiederholt darum gebeten, die Uhr des Großvaters tragen zu dürfen. Nachdem Flair schließlich zustimmte, sei sie verkauft worden, um Heroin zu kaufen.
Ein befreundeter pensionierter Polizist und früherer Angehöriger eines SWAT-Teams habe anschließend an mehreren Orten nach der Uhr gesucht. Wiedergefunden wurde sie laut Flair nie. Die Geschichte unterscheidet sich damit deutlich von seinen sonst meist unterhaltsam erzählten Luxusanekdoten: Bei dieser Rolex ging es nicht um Status, sondern um ein unwiederbringliches Erinnerungsstück und die Folgen einer Suchterkrankung innerhalb seiner Familie.
Triple H verstand für Flair die politische Seite am besten
Bei der Frage nach großen Wrestlern ergänzte Flair zunächst Shawn Michaels, Triple H und den Undertaker, die er zuvor nicht genannt hatte. Als Roman Sharf anschließend wissen wollte, wer die politischen Abläufe hinter den Kulissen am besten verstanden habe, entschied sich Flair ohne längere Abwägung für Triple H.
Die Antwort bezog sich auf die geschäftliche und politische Seite und nicht auf die Leistungen im Ring. Flair nannte keine Beispiele. Das Gespräch bleibt daher eine persönliche Rückschau, deren außergewöhnliche Zahlen teilweise nicht unabhängig belegt sind. Es verbindet sportliche Dauerleistung, Selbstdarstellung, private Kosten und Machtstrukturen im Wrestling.
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