AEW hat bei All In London nicht nur mehrere große Geschichten abgeschlossen, sondern gleichzeitig zahlreiche Weichen für die kommenden Monate gestellt. Eric Bischoff hat einige dieser Entscheidungen nun genauer unter die Lupe genommen und sieht neben viel Potenzial auch Risiken, die seiner Meinung nach erst langfristig sichtbar werden könnten.
Eric Bischoff lobt die Energie von The New Level
Kofi Kingston und Austin Creed gehörten bei AEW All In London zu den größten Überraschungen des Abends. Gemeinsam mit Swerve Strickland traten die früheren WWE-Stars in der Trios Roulette Royale an und gewannen bei ihrem ersten AEW-Match direkt die World Trios Championship. Für Bischoff funktionierte ihr Einstand vor allem wegen der großen Energie, die beide in die Show gebracht hätten.
In seinem „83 Weeks“ Podcast bewertete der frühere WCW-Verantwortliche Kofi und Creed grundsätzlich sehr positiv. Ihre Erfahrung, Bekanntheit und Verbindung zum Publikum seien wertvoll für AEW. Entscheidend sei nun jedoch, ob das Unternehmen diese anfängliche Begeisterung langfristig aufrechterhalten könne. Ein spektakuläres Debüt sei vergleichsweise einfach, schwieriger werde es, beiden auch in den folgenden Wochen und Monaten dauerhaft eine bedeutende Rolle zu geben.
Bischoff sieht darin eine Herausforderung, die AEW bei prominenten Verpflichtungen bereits häufiger gehabt habe. Neue Namen würden zunächst stark präsentiert und erzeugten Aufmerksamkeit, ehe ihr Momentum teilweise nachlasse. Bei The New Level müsse Tony Khan deshalb schnell vermitteln, wofür Kofi und Creed bei AEW stehen und welche langfristigen Ziele sie verfolgen.
Der Name „The New Level“ überzeugt Bischoff nicht
Während Bischoff den Auftritt der beiden ausdrücklich lobte, konnte ihn ihre neue Teamidentität weniger überzeugen. Der Name „The New Level“ erinnere seiner Ansicht nach zu offensichtlich an „The New Day“ und greife damit bewusst auf den Wiedererkennungswert ihrer WWE-Vergangenheit zurück.
Bischoff kann die geschäftliche Logik dahinter nachvollziehen. Kofi und Creed hätten sich über viele Jahre mit The New Day einen enormen Bekanntheitsgrad aufgebaut, weshalb es naheläge, diese Verbindung beim Wechsel zu AEW nicht vollständig aufzugeben. Langfristig hätte er jedoch eine klarere Trennung bevorzugt. Seiner Meinung nach wäre es besser gewesen, für beide eine vollständig neue Identität zu entwickeln, statt einen Namen zu wählen, der wie eine Weiterentwicklung ihrer früheren Gruppierung wirkt.
Dabei verwies Bischoff ausdrücklich auf eigene Erfahrungen aus seiner WCW-Zeit. Auch dort habe man ehemalige WWE-Talente teilweise mit Charakteren oder Namen präsentiert, die zu stark an ihre vorherigen Rollen erinnert hätten. Im Nachhinein betrachtet er diesen Ansatz als Fehler. Zuschauer würden Originalität und Authentizität eher akzeptieren als eine leicht veränderte Version von etwas, das sie bereits kennen.
Bischoff zweifelt an AEWs starkem Fokus auf Tag Team Wrestling
Die Diskussion über Kofi und Creed führte zu einem größeren Thema. All In zeigte, wie stark AEW seine Tag Team Division derzeit ausbaut. Neben The New Level standen unter anderem Christian Cage und Adam Copeland, die Young Bucks, FTR sowie die Motor City Machine Guns im Mittelpunkt. Für Bischoff wirft diese Entwicklung vor allem wirtschaftliche Fragen auf.
Seine Haltung habe sich seit seiner Zeit als WCW-Verantwortlicher in den 1990er-Jahren kaum verändert. Eine tiefe Tag Team Division sei aus seiner Sicht teurer und schwieriger effizient zu nutzen als ein stärker auf Singles Wrestler ausgerichteter Kader. In einem klassischen Tag Team Match müssten schließlich vier statt zwei Talente sinnvoll eingesetzt und in eine nachvollziehbare Geschichte eingebunden werden.
Bischoff hält deshalb auch WWEs derzeit geringeren Schwerpunkt auf Tag Teams für wirtschaftlich nachvollziehbar. Dabei handelt es sich jedoch um seine persönliche Interpretation und nicht um eine bestätigte WWE-Strategie. Für AEW könne eine starke Tag Team Division wiederum ein Alleinstellungsmerkmal sein, sofern Tony Khan die nötigen Ressourcen investiere und ausreichend Storylines für die vielen Teams entwickle.
Eine große Auswahl an Tag Teams biete zudem Vorteile. Gerade bei mehreren wöchentlichen TV-Shows könne AEW damit viel Programmzeit füllen und unterschiedliche Kombinationen präsentieren. Bischoffs Skepsis richtet sich daher weniger gegen Tag Team Wrestling selbst als gegen die Frage, ob der finanzielle und kreative Aufwand langfristig den gewünschten Ertrag bringt.
Steven Bordens All-In-Auftritt sorgt bei Bischoff für gemischte Gefühle
Ein weiteres Thema, bei dem Bischoff sowohl Potenzial als auch Risiko sieht, ist Steven Borden. Stings Sohn wurde bei „All In London” gemeinsam mit seinem Vater in einen emotionalen Moment eingebunden. Als Steven Darby Allin unterstützte und anschließend selbst in Schwierigkeiten geriet, erschien Sting und sorgte im Wembley-Stadion für einen emotionalen Auftritt.
Bischoff betonte ausdrücklich, dass ihm dieser Moment gefallen habe. Gerade aufgrund seiner persönlichen Verbindung zu Sting könne er nachvollziehen, wie besonders es für Vater und Sohn gewesen sein müsse, gemeinsam auf einer solchen Bühne zu stehen. Gleichzeitig sieht er die Gefahr, dass AEW Steven zu früh in besonders prominente Situationen bringen könnte.
Borden besitzt bislang vergleichsweise wenig Erfahrung. Zwar hat er bereits zahlreiche Dark Matches für AEW absolviert und trainiert unter anderem im Umfeld von Dustin Rhodes, dennoch befindet er sich weiterhin am Anfang seiner Wrestling-Karriere. Bischoff glaubt, dass gerade jetzt regelmäßige Matches und möglichst viele Wiederholungen wichtiger seien als große Spots vor zehntausenden Zuschauern.
Bischoff warnt vor zu viel Aufmerksamkeit zu einem zu frühen Zeitpunkt
Als Vergleich nannte Bischoff Erik Watts, der Anfang der 1990er-Jahre bei WCW schnell prominent eingesetzt wurde, obwohl ihm noch wichtige Erfahrung fehlte. Ein solches Vorgehen könne einem jungen Wrestler langfristig mehr schaden als helfen, weil die Erwartungen des Publikums schneller steigen als dessen Fähigkeiten im Ring.
Dabei will Bischoff seine Aussagen ausdrücklich nicht als Kritik an Steven Borden selbst verstanden wissen. Sting habe einst auch seinen eigenen Sohn Garrett Bischoff unterstützt, als dieser ins Wrestling-Geschäft einstieg, weshalb er dem jungen Borden ebenfalls jede Chance wünsche. Seine Sorge richte sich ausschließlich gegen das Tempo der Entwicklung.

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